Gute Laune trotz Krise: Raiders-Head-Coach Jon Grunden scheint der Negativla... - Bildquelle: imagoGute Laune trotz Krise: Raiders-Head-Coach Jon Grunden scheint der Negativlauf nichts anzuhaben © imago

Oakland/München - Schlimmer geht es kaum noch: Selbst gegen die San Francisco 49ers, die sechs Niederlagen hintereinander im Gepäck hatten und mit ihrem dritten Quarterback Nick Mullens antreten mussten, setzte es für die Oakland Raiders eine Niederlage.

Schlimmer noch: Oakland wurde vom bis dato schlechtesten NFL-Team vorgeführt, ja regelrecht auseinandergenommen, fand in der Offense wie auch in der Defense keinen Zugriff und blieb ohne Touchdown.

Und am Schlimmsten: Es ist ein Spiegelbild für die Saison. 

Die desaströse Zwischenbilanz nach neun Spieltagen: Sieben Niederlagen, nur ein Sieg. Und der auch nur gegen die Cleveland Browns. In Overtime.

 

Wir bauen ein Championship-Team

Das Kuriose dabei: Grund zur Krisenstimmung? Nicht für Head Coach Jon Gruden, der nach der Pleite gegen die 49ers von einer rosigen Zukunft spricht: "Die Oakland Raiders sind eine großartige Organisation. Ich weiß, dass es im Moment nicht schön aussieht und ich habe über die letzten sechs, sieben Monate viel Negatives gehört, und das auch zurecht. Aber wir bauen hier ein Championship-Team."

Zwei Fragen drängen sich bei diesem Statement auf: Hat der Trainer den Realitätssinn verloren? Oder hat er tief im Hinterstübchen einen genialen Plan, den einfach niemand außer ihm selbst erkennt? Der 55-Jährige, dessen größter Erfolg der Super-Bowl-Sieg mit den Tampa Bay Buccaneers in der Saison 2002 war und der zehn Jahre nicht mehr als Trainer tätig war und in der Zwischenzeit als TV-Experte gearbeitet hat, gilt als die Langzeitlösung der Raiders.

Daher legte ihm die Franchise einen Zehn-Jahres-Vertrag über 100 Millionen US-Dollar vor.

Mack und Cooper abgegeben

Nicht zu erahnen war zu diesem Zeitpunkt, dass er den Raiders einen kompletten Neuaufbau unterziehen würde. Immerhin schien die Mannschaft auf einem guten Weg zu sein, nachdem sie die Saison 2016 mit einer 12-4 Bilanz abschloss. Gruden sah das offenbar anders und ließ sämtliche Leistungsträger gehen. Wide Receiver Michael Crabtree wurde zum Beispiel nach Baltimore abgegeben, Positionskollege Amari Cooper nach Dallas.

Rundum erneut wurde vor allem aber die Defense, die mit Khalil Mack den vielleicht besten Pass Rusher der NFL Richtung Chicago verlor Dass Gruden sich danach hinstellte und monierte, wie schwer es doch sei, einen guten Pass Ruher zu finden, macht ihn einmal mehr zum Gespött.

Auch taktisch steht Gruden in der Kritik. Der Gameplan sei zu eintönig, weise keine Spielphilosophie auf und sei frei von jeglichen Überraschungen, lautet der Vorwurf.

Wir machen kein Tanking

Wird die Mannschaft etwa bewusst geschwächt, um ordentlich Draft Picks zu sammeln und nach dem im Jahre 2020 anstehenden Las-Vegas-Umzug eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzuhaben?

Im Draft 2019 haben die Raiders nach aktuellen Stand drei Erstrunden-Picks, im Draft 2020 zwei. Zudem sind sie auf dem besten Wege, sich für 2019 den Nummer-1-Pick zu sichern. Möglicherweise mit Absicht? Jon Gruden dementiert diese These: "Wir betreiben kein Tanking."

Wer will zu den Raiders?

Trotz der Niederlagenserie verbreitet der Head Coach Optimismus, tut geradewegs so, als seien die Raiders unabhängig von den Ergebnissen das heißeste Team der NFL. "Ich bekomme viele Anrufe von Leuten, die unbedingt für uns spielen wollen", sagte er in einem Interview. "Sie wollen für die Raiders spielen. Und es ist aufregend, Spielraum beim Salary Cap zu haben und mit den Leuten sprechen zu können, die unbedingt für die Raiders spielen wollen."

Auch Defensive End Routinier Frostee Rucker glaubt weiterhin an die Attraktivität dieser Franchise: "Ich bin hier her gekommen, um den Piratenkopf auf meinen Helm zu tragen. Wer die Chance hat, für diese berühmte Franchise zu spielen, kommt gerne zu diesem Team."

 

Rucker: Der Coach hat nicht aufgegeben

Doch worum geht es nun in den verbleibenden Spielen? Der Spielplan jedenfalls hat es in sich: Kommende Woche gastieren die Los Angeles Chargers. Weitere Kaliber wie Pittsburgh, Baltimore und zwei Mal Kansas City warten ebenfalls noch. "Niemand schenkt die Saison ab", verspricht Rucker. "Der Coach hat nicht aufgegeben. Es geht nicht um das nächste oder übernächste Jahr. Wir wollen jetzt Spiele gewinnen."

Quarterback Derek Carr betrachtet die zweite Saisonhälfte sogar wie eine Art Ausscheidungskampf für die kommenden Spielzeiten: "Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem die Frage ist: Wer kämpft weiter? Das sind die Männer, die du auch in deinem Team haben willst, wenn es gut läuft."

2019 heimatlos

Wann genau es bei den Raiders gut laufen wird, weiß allerdings niemand vorauszusagen. Und vor allem auch wo: Der Vertrag für das heimische Coliseum endet nach dieser Saison. Dass sie auch 2019 dort spielen dürfen, bevor es dann nach Las Vegas geht, scheint aufgrund von drohenden Rechtsstreitigkeiten zwischen Stadt und Franchise eher unwahrscheinlich.

Mögliche Ausweichstadien wären zum Beispiel die Heimat der benachbarten San Francisco 49ers oder das SDCCU Stadium der ehemaligen San Diego Chargers. "NBCSports" berichtet zudem, dass die Stadt San Antonio bereits Interesse signalisiert habe, die Raiders ein Jahr zu beherbergen.

Noch allerdings ist die Situation sehr undurchsichtig - und passt somit hervorragend in das Gesamtbild der Oakland Raiders.

Oliver Jensen

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