Polarisiert: OBJ. - Bildquelle: imago images / HochZweiPolarisiert: OBJ. © imago images / HochZwei

München/Berlin - Odell Beckham Jr. polarisiert nicht nur, er fasziniert auch. Manche Superstars sind ein bisschen mehr "super" als andere, sie haben das gewisse Etwas, stehen im Blitzlichtgewitter. Sie ziehen die Blicke auf sich, sammeln die Sympathien, die Herzen der Fans.

Es gibt viele Begriffe dafür. Glitzer. Glamour. Swag. Aura. Held. Oder auch Vorbild.

 

Oder einfach nur Marke, beziehungsweise OBJ. Der 26-Jährige weiß, sich zu verkaufen. Wie man sich inszeniert.

Das zelebrierte Aufwärmprogramm

Er spielt damit, mit seinem Ruf, seinem Ansehen, seinem Status. Bei den New York Giants hat er zum Beispiel sein Aufwärmprogramm zelebriert. Er hat dann auch schon mal Handschuhe mitgebracht oder andere Kleinigkeiten, die er verschenkte. Immer wieder gab er Autogramme, machte Selfies, schmiss einen Ball in die Menge. 

"Das sind die Dinge, an die sich die Kinder erinnern werden", weiß Beckham. Denn er erinnert sich selbst an solch einen Moment, als er Quarterback-Legende Michael Vick in den 2000ern als kleiner Junge gegenüberstand. Ein einschneidendes Erlebnis. 

Vick als Inspiration

Für OBJ ist Vick eine Inspiration gewesen, "ich habe zu ihm aufgeschaut, er ist der Grund, warum ich so bin wie ich bin. Ich habe von ihm gelernt zu spielen", erzählt Beckham immer mal wieder. Er nutzt seine Position, um auch etwas zurückzugeben. 

Denn klar: Sein Job im Milliarden-Geschäft American Football ermöglicht ihm ein sorgenfreies Leben. Dass er zu den schillernden Figuren der NFL gehört und nicht der schlechteste Wide Receiver ist, ist auch kein Nachteil.

Doch was ebenfalls dazugehört: Dass sein Leben nicht mehr so ist wie vorher. Jeder Schritt, jede Aktion wird auseinandergenommen, bejubelt oder kritisiert. OBJ lebt gut davon, bisweilen aber nicht gut damit.

Die Schattenseiten

"Ich glaube nicht, dass irgendjemand weiß, was es bedeutet, ich zu sein. Was ich täglich durchmache. Jede einzelne Sache, mit der ich umgehen muss, ist etwas, mit dem sonst keiner umgehen muss. Ich fühle, dass ich ich in einer anderen Position bin als jeder andere in der NFL. Ich fühle, dass ich mit mehr umgehen, mehr einstecken muss", wird er von der "Sports Illustrated" zitiert. 

Eine ungewöhnlich ehrliche Aussage, denn wer sich inszeniert, der sollte mit den Folgen rechnen. Wer in dem Zirkus mitmischt, hat dann auch manchmal die Pappnase auf. Dass zum Beispiel nicht alle seinen Rolls Royce mit ihm selbst als Kühlerfigur cool finden, sollte selbst ihn nicht überraschen.

Es dürfte auch niemanden überrascht haben, dass sein Wechsel von den Giants zu den Cleveland Browns der Mega-Trade der Offseason war. 

Und dass auch im beschaulichen Cleveland die Papparazzi lauern können, die Kritiker vorbeischauen oder er unter der Lupe der Öffentlichkeit gegrillt wird, wenn er nicht zu den OTAs erscheint, ist keine Überraschung. Dabei hat die Saison nicht einmal begonnen, die Erwartungen sind schon jetzt rieisg.

Trotzdem beschwert er sich: "Es gibt Dinge, die ich in der Vergangenheit getan habe. Aber als Mann habe ich versucht, zu wachsen und eine Menge Zeugs hinter mir zu lassen, und es scheint so, als würde es immer wieder aufgegriffen." Das mag alles nicht einfach für einen 26-Jährigen sein. Doch es gehört ebenfalls zum Spiel dazu, ob er will oder nicht.

Schließlich fasziniert er nicht nur. Er polarisiert auch.

Andreas Reiners

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