Teddy Bridgewater genießt es sichtlich, Starting-Quarterback der Carolina Pa... - Bildquelle: 2020 Getty ImagesTeddy Bridgewater genießt es sichtlich, Starting-Quarterback der Carolina Panters zu sein © 2020 Getty Images

München/Charlotte - Trotz der Auftakt-Niederlage der Carolina Panthers zählte Teddy Bridgewater zu den heimlichen Gewinnern von Week 1. Fünf Jahre musste er nämlich darauf warten, bis er wieder als Starting-Quarterback in eine Saison gehen durfte.

 

Der 28-Jährige hatte es genossen. Und zwar so sehr, dass das 30:34 gegen die Las Vegas Raiders seine positive Grundstimmung nicht trügen konnte. "Es tat einfach gut, wieder da draußen zu sein und zu spielen", sagte er. "Es war nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben. Aber wir können viel Positives daraus mitnehmen."

Der erste Saisonsieg soll dann am Sonntag folgen, wenn die Panthers bei Tom Brady und den Tampa Bay Buccaneers (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) antreten.

Als Rookie bei den Vikings durchgestartet

Die Karriere von Bridgewater gleicht bislang einer Achterbahnfahrt. Im Jahre 2014 in der ersten Runde von den Minnesota Vikings gedrafted, ist er aufgrund der Verletzung von Matt Cassel noch im September zum Starting-Quarterback befördert worden.

Mit seiner Spielintelligenz und seinem akkuraten Wurfarm stieg er zum Shooting-Star der NFL auf. Nach der Saison 2014 wurde Bridgewater zum Rookie of the Year ernannt, 2015 in den Pro Bowl berufen. Der aus Miami stammende Spielmacher schien der nächste Franchise-Quarterback der Vikings zu sein.

Doch es kam anders: Kurz vor dem Saisonstart 2016 zog er sich im Training eine Verletzung zu, die ihm fast die Karriere ruiniert hätte. Schlimmer noch: Ihm drohte sogar die Amputation seines linken Beins.

Das Knie glich einer Kriegsverletzung

Die tragische Verletzung resultierte nicht aus einem Tackle, sondern aus den typischen Bewegungen eines Quarterbacks. Ein paar Schritte zurück, ein Schritt zur Seite - schon war es geschehen.

Bridgewater verdrehte sich das Bein so unglücklich, dass nur noch ein einziges Gelenkband an seinem Knie hing. Fünf Gelenkbänder mussten später rekonstruiert werden. Der behandelnde Arzt Dan Cooper verglich das lädierte Knie mit einer Kriegsverletzung.

"Es war eine Verletzung, von der sich vielleicht 20 bis 25 Prozent der NFL-Spieler wieder erholen und zurückkommen", sagte der Chirurg. "Die Leute haben keine Vorstellung davon, was es für ein Kraftakt für Teddy war, nicht aufzugeben."

Krebserkrankung der Mutter als Inspiration

Dass aufgeben keine Option ist, hat er von seiner Mutter gelernt. 14 Jahre war er alt, als bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde. Er bekam mit, was die Bestrahlungs- und Chemotherapie ihr abverlangten, wie sie zu Gott betete und um ihr Leben kämpfte.

Der junge Teddy wollte damals sogar mit dem Football aufhören, um seine Mutter zu pflegen. Doch genau das hatte sie ihm verboten. Sie wollte stark für ihre vier Kinder sein - nicht andersherum.   

Rund zehn Jahre später, als Bridgewater die Verletzung erlitt, diente seine Mutter ihm als Inspiration: "Ich habe die gleiche DNA und habe gesehen, wie meine Mutter gegen den Brustkrebs gekämpft und gewonnen hat. Mein Glaube ist unerschütterlich."

Diese Einstellung half ihm auf dem Wege zum Comeback. 

Mit Erfolg: In Woche 10 der Saison 2017 kehrte er als Backup in den aktiven Kader der Minnesota Vikings zurück. Nachdem sein Vertrag nicht verlängert wurde, ging er 2018 zu den New York Jets, wurde aber kurz vor dem Saisonstart zu den New Orleans Saints getradet.

Bei den Saints Backup von Drew Brees

Als Backup von Drew Brees sammelte er Spielpraxis und fand zu seiner früheren Form zurück. Besser noch: Mit einer Passgenauigkeit von 67,86 Prozent erreichte er 2019 den höchsten Wert seiner Karriere.

Head Coach Sean Payton lobte: "Er ist sehr talentiert, ein echter Anführer, ist schlau, hat sich immer gut vorbereitet. Er hat all die Fähigkeiten, die man braucht, um auf dieser Position erfolgreich zu spielen."

Kein Wunder also, dass er bei den Panthers die Wunschlösung von Head Coach Matt Rhule gewesen ist. Bridgewater bekam einen Drei-Jahres-Vertrag über 63 Millionen US-Dollar.

Viel Geld für einen Quarterback, der in den drei Spielzeiten zuvor als Backup diente. Doch mit seiner Fähigkeit, sich von Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen, scheint er eben der perfekte Anführer für die Panthers zu sein.

"Wir haben hier eine Gruppe, die immer weiterkämpft", sagt Bridgewater. "Auch wenn es nicht gut läuft, lässt niemand den Kopf hängen. Diese Jungs kämpfen immer weiter." Möglicherweise weil die Mentalität von Bridgewater auf die Mitspieler abfärbt.

Spricht er über seinen Sport, gleicht das einer Liebeserklärung. "Football ist für mich wie ein Paradies", sagt er. "All die Themen, die in der Welt vor sich gehen, treten in den Hintergrund. Danach kann ich mich wieder damit beschäftigen. Aber in diesen drei Stunden werde ich lächeln und jeden Moment genießen."

Er hat es sich verdient - und darf als Starting-Quarterback nun jeden Sonntag ins Paradies.

Oliver Jensen

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