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München/Foxborough - 12 Sekunden zeigt die Uhr noch im zweiten Viertel. Baltimore Ravens-Quarterback Lamar Jackson steht an der 38-Yard-Linie der New England Patriots.

Der amtierende MVP schickt sich an, den 10:13-Rückstand seines Teams zumindest auszugleichen. Jackson wirft den Ball auf die rechte Seite zu Marquise Brown, doch anstelle eines Big Plays für die Ravens wird es zu einem Big Play für die Patriots.

J.C. Jackson - nicht verwandt oder verschwägert mit Lamar - hat Brown perfekt in Manndeckung genommen und fängt den Ball an der 8-Yard-Linie ab.

Statt Touchdown oder Field Goal für Baltimore heißt es Interception New England. Die Patriots gehen mit einer Führung in die Pause. Eine Führung, die sie nicht mehr aus der Hand geben.

Wichtige Interception - und Franchise-Rekord

Dabei standen die Vorzeichen vor dem 23:17-Sieg im traditionell hitzigen AFC-Duell gegen die Ravens für die Patriots alles andere als gut. 

Fünf Niederlagen aus den ersten acht Spielen, der schwächste Saisonstart seit der Saison 2000 und insgesamt 20 (!) Spieler auf dem Injury Report - und das gegen ein Ravens-Team, das sechs seiner acht Saisonspiele gewonnen und in den vergangen 32 Regular Season Spielen immer mindestens 20 Punkte erzielt hatte.  

Aber Vorzeichen und Spiel sind dann doch wieder zwei Paar Schuhe. Auch wegen J.C. Jackson.

Mit seiner Interception stellt Jackson einen neuen Rekord für die Patriots auf. Fünf aufeinanderfolgende Spiele mit einer Interception schaffte noch kein Spieler New Englands.

Den vorherigen Rekord hielten Hall of Famer Mike Haynes sowie Safety Devin McCourty, mit ziemlicher Sicherheit ein künftiger Hall of Famer, mit vier. Der NFL-Rekord liegt bei acht Spielen in Folge mit je einem Pick - gehalten von Raiders-Cornerback Tom Morrow aus der Saison 1962.

Jackson: "...dann werde ich der Receiver"

"Ich bin ein Playmaker. Ich weiß, wie ich den Ball spielen muss", sagte Jackson zu seinem Big Play, "ich fühle mich dann, als würde ich zu einem Receiver werden. Jedes mal wenn ich die Chance erhalte, dann werde ich der Receiver und mache ein Play."

Eindruck hinterließ Jackson auch bei Rodney Harrison, ehemaliger Defensive Back und Mitglied der Patriots Hall of Fame. Vor allem aufgrund seiner Comeback-Qualitäten.

"Ich bin stolz auf ihn. Beim Jets-Spiel wurde er ein paar Mal vom Wide Receiver geschlagen. Aber in einem Prime-Time-Spiel mit einer Interception zurückzukommen, das ist beeindruckend. Als Cornerback kannst du es nicht verhindern, dass du mal geschlagen wirst. Aber es kommt darauf an, wie du zurückkommst."

Potenzial zum Nummer-1-Cornerback

Allerdings ist bei Jackson noch reichlich Potenzial vorhanden. Das sieht auch Ty Law so, ehemaliger Patriots-Cornerback und mittlerweile in der Hall of Fame.

"Man sieht schon noch den Unterschied, wenn Stephon Gilmore nicht auf dem Feld steht. Du kannst nicht von J.C. oder irgendwem erwarten, dass er da rausgeht und die gleichen Dinge tut" sagt Law.

Aber er fügt auch an: "Ich sage nicht, dass er es nicht kann, aber man muss die Erwartungen herunterschrauben und ihn in die Rolle des Passverteidigers Nummer eins hineinwachsen lassen."

2019 statistisch der beste Cornerback der Liga

Als ungedrafteter Spieler aus dem College Maryland, zufällig der Bundesstaat aus dem die Baltimore Ravens kommen, kam Jerald Christopher Jackson im Jahr 2018 zu den Patriots und landete gleich mit guten Trainingsleistungen im 53-Mann-Kader.

Im Super Bowl 53 gegen die LA Rams (13:3) spielte Jackson 29 Snaps und hatte damit einen gewichtigen Anteil an der besten Defense der Super Bowl-Historie.

In der Saison 2019 kam Jackson in allen 16 Spielen zum Einsatz, fing fünf Interceptions und verteidigte weitere zehn Pässe.

In einer der wichtigsten Statistiken führte er die Liga sogar an: Wenn Jackson der nächste Verteidiger zu einem angeworfenen Receiver war, erlaubte er lediglich ein Passer Rating von 37,0. Vor Größen der Liga wie Tre'Davious White (Bills), Richard Sherman (49ers) und Teamkollege Stephon Gilmore.

Belichicks nächster Streich

Die Entwicklung Jacksons ist auch seinem Head Coach Bill Belichick nicht entgangen: "J.C. hat sich über die Jahre stark verbessert. Er hat hart gearbeitet, um seine Technik und sein Tackling, die Grundlagen eben, zu verbessern. Das hat sich dieses Jahr bemerkbar gemacht."

Jackson ist nicht der erste ungedraftete Cornerback, den Belichick zu einem Star der Liga macht. In der Saison 2014 kam Malcolm Butler zu den Patriots und entschied den Super Bowl 49 gegen die Seattle Seahawks (28:24) mit seiner Interception kurz vor Schluss zu Gunsten seines Teams.

Die Ähnlichkeiten zu Butler hat auch Harrison erkannt und meint: "Er hat absolut das Zeug zum Nummer-1-Corner." 

Jacksons Vertrag läuft nach dieser Saison aus, seine Chance auf einen gut dotierten Kontrakt in der kommenden Spielzeit, ob bei den Patriots oder woanders, steigen von Spiel zu Spiel.

Vor allem, wenn er solche Plays wie gegen Lamar Jackson macht. 

Kai Esser

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