Jakob Johnson gelang sein erster Touchdown in der NFL - Bildquelle: imago images/SchülerJakob Johnson gelang sein erster Touchdown in der NFL © imago images/Schüler

Seattle/München - Kein Gegenspieler hatte Jakob Johnson im Blick, als er ungestört in die gegnerische Endzone lief. Die Verteidiger der Seattle Seahawks gingen offenbar davon aus, dass Cam Newton von der 1-Yard-Linie aus selbst in die Endzone stürmen würde. Diesmal allerdings tat er das nicht. Er täuschte kurz einen Lauf an, bediente dann aber den deutschen Fullback.

Dies war gleich in zweifacher Hinsicht ein Meilenstein: Es war nicht nur der erste Touchdown-Pass von Cam Newton im Dienst der New England Patriots. Es war auch der erste Touchdown eines deutschen Offense-Spielers in der NFL.

Der frühere Defensive Tackle Markus Kuhn war bislang der einzige Deutsche mit einem Touchdown, als er im Dezember 2014 für die New York Giants einen Fumble aufhob und in die Endzone trug. Kuhn gratulierte seinem Nachfolger bereits per Twitter.

"Großartig" – Johnson freut sich über Touchdown

Jakob ist kein Mensch, der seine eigenen Leistungen oder Meilensteine in den Vordergrund stellt. Der gebürtige Stuttgarter genießt bei den New England Patriots gerade deshalb hohes Ansehen, weil er sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt und diszipliniert arbeitet.

Als er darauf angesprochen wurde, dass er nun der zweite Deutsche mit einem Touchdown in der NFL ist, antwortete er bescheiden: "Das wusste ich gar nicht. Aber das ist natürlich großartig. Ich bin sicher, dass mir das dann erst später richtig bewusst wird. Erst einmal werde ich mir das Tape anschauen und das Spiel noch einmal analysieren."

 

Auch wenn die Patriots ein insgesamt ordentliches Spiel ablieferten und letztendlich nur ein Yard zum Sieg fehlte, bewertet Johnson das Spiel kritisch: "Ich kann nur für mich persönlich sprechen. Und für mich ist eine Niederlage eben eine Niederlage. Wir werden im Film viele Dinge sehen, die wir besser machen können. Darauf werde ich mich im nächsten Spiel konzentrieren."

Die Aussagen von Johnson zeigen: Der 25-Jährige ist in der NFL angekommen. Es geht ihm nicht mehr vorrangig darum, seinen Platz im Roster zu verteidigen, sondern darum, die Mannschaft besser zu machen.

Johnson ist eben kein Rookie mehr, sondern ein fester Bestandteil der New England Patriots.

Ein exzellenter Blocker mit der richtigen Mentalität

Bereits in Woche 1 trug Johnson seinen Teil zum Erfolg gegen die Miami Dolphins bei. Der Stuttgarter hatte zwar keinen Ballkontakt, stand aber in insgesamt 21 offensiven Snaps (33 Prozent aller Patriots-Snaps) auf dem Feld und leistete als Blocker hervorragende Arbeit.

Gleich zweimal blockte er bei Laufspielzügen den Weg entscheidend frei, unter anderem bei einem Touchdown von Sony Michel.

Head Coach Bill Belichick weiß die Mentalität von Johnson zu schätzen: "Er arbeitet einfach hart, ist jeden Morgen einer der ersten auf dem Trainingsgelände. Er geht über seine Notizen, setzt sich in die Cafeteria und lernt seine Spielzüge. Man muss echt sagen, dass er all seine Energie in diesen Job und in unser Team steckt."

Über das International Player Pathway Programm in die NFL gelangt

Jakob Johnson gelangte über das International Player Pathway Programm in die NFL und ist der beste Beweis dafür, dass dieses Förderprogramm für Nicht-Nordamerikaner eine echte Chance bietet.

In der Saison 2019 wurde er aufgrund der Verletzung von Fullback James Develin, der mittlerweile zurückgetreten ist, in den aktiven Kader der Patriots befördert und absolvierte vier Saisonspiele, bis er sich im Spiel gegen die New York Giants eine Schulterverletzung zuzog.

2020 könnte das Jahr seines Durchbruchs werden. Gleichwohl führt er nicht das typische Leben eines NFL-Stars. Gemeinsam mit seiner Freundin wohnt er in einer verhältnismäßig einfachen Wohnung. Für sein NFL-Debüt in der vergangenen Saison belohnte er sich lediglich mit einer "teuren Pfanne und einem teuren Topf". Auch die Belohnung für seinen ersten Touchdown dürfte eher bescheiden ausfallen.

Nachdem er vergangene Saison 361.059 Dollar verdient hat, kassiert er für die laufende Spielzeit bereits 675.000 Dollar.

Und wie geht es danach weiter?

2021 wird Johnson zum Exclusive Rights Free Agent

Der Vertrag von Johnson gilt lediglich für die laufende Saison. Im Jahre 2021 wird er zu einem Exclusive Rights Free Agent (kurz: ERFA).

Das bedeutet: Die New England Patriots können frei entscheiden, ob sie weiter mit ihm zusammenarbeiten möchten oder nicht. Erhält Johnson ein Angebot, darf er keine Verhandlungen mit anderen Teams führen.

 

Die Patriots könnten den Deutschen also für verhältnismäßig wenig Geld weiter an die Franchise binden. Nach Leistungen wie am gestrigen Sonntag erscheint ein Verbleib wahrscheinlich.

Dafür spricht auch, dass die Patriots traditionell im Playbook großen Wert auf einen Fullback legen. Bei einem mobilen Quarterback wie Cam Newton dürfte die Bedeutung eines gut blockenden Fullbacks sogar weiter zunehmen.    

Am Sonntag kann Johnson im Spiel gegen die Las Vegas Raiders seinen Stellenwert erneut unterstreichen.

Eines scheint allerdings sicher zu sein: Nach seinem ersten Touchdown in der NFL dürften ihn die Gegenspieler dann nicht mehr so ungestört in die Endzone lassen.   

Oliver Jensen

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.