Wieder der Mann der Stunde: Nick Foles. - Bildquelle: imago/ZUMA PressWieder der Mann der Stunde: Nick Foles. © imago/ZUMA Press

München/Philadelphia – Es wirkt so selbstverständlich, dass es unheimlich ist. Klar, die Leute lieben diese Geschichte vom Helden aus der zweiten Reihe. Vom Underdog, der alle überrascht. Von Nick Foles, dem Magier. "Saint Nick". Diesem modernen Football-Märchen.

Sie haben es schon im vergangenen Jahr geliebt, als der Ersatzmann die Philadelphia Eagles zum Super-Bowl-Sieg führte und sich selbst gegen die New England Patriots und den großen Tom Brady zu MVP-Ehren warf. Die Show gehörte ihm. Nur ihm.

Unfassbar ist aber, dass es nun eine Fortsetzung gibt.

Wie auf Knopfdruck

Mit Ansage quasi. So, als ob es das Normalste auf der Welt sei, als Backup-Quarterback in der verfahrensten Situation des Jahres erneut rauszugehen und mal eben die Saison zu retten. Wie auf Knopfdruck. Fast ein bisschen kitschig.

 

Doch dass es eine schöne Story ist, ist unbestritten. Doch Schönheit ist ja keine Garantie dafür, dass das Ganze tatsächlich nochmal funktioniert.

Wie kommt es also, dass die Eagles, angeführt von Foles, mit drei Siegen in Serie noch die Playoffs schafften und in der Wild Card Round auch noch die Chicago Bears 16:15 knackten, die beste Defense der Liga? Und nun vor der Divisional Round am Sonntag (ab 22.30 Uhr live auf ProSieben und ran.de) bei den New Orleans Saints weiter von der Titelverteidigung träumen können? Denn sogar ein Sieg beim besten Team der Regular Season scheint nicht mehr unmöglich. Und das trotz einer 7:48-Klatsche in der Regular Season im November.

Es sind verschiedene Faktoren und Gründe, und mit Magie haben sie überraschend nicht allzu viel zu tun. An den Pfosten gezaubert hat Foles den Field-Goal-Versuch von Cody Parkey zum Beispiel nicht.

Doch Head Coach Doug Pederson beschrieb nach dem Thriller gegen die Bears recht anschaulich, was seinen Backup ausmacht.

"Eine beängstigende Ruhe"

Foles' Spiel charakterisiert "eine beängstigende Ruhe. Du wunderst dich manchmal, ob er überhaupt noch einen Puls hat und er den Moment fühlt. Aber ich weiß, dass er es tut. Sein Kopf ist da, er ist fokussiert. Und in diesen Momenten liefert er."

Es herrscht ein großes, ein seit Jahren gewachsenes Vertrauen zwischen Pederson und Foles. Vor dem Stadion der Eagles gibt es eine Statue, die die beiden zeigt, wie sie im Super Bowl LII den legendären Trickspielzug "Philly Special" beschließen. So etwas ähnliches gab es auch gegen die Bears, eine Minute vor Schluss, bei Fourth-and-Goal von der Zwei-Yard-Linie.

Timeout. Wieder ein kurzes Gespräch, eine Idee von Foles, entstanden durch seine Beobachtungen der Defense während des Spiels. Pederson und Foles entschieden sich für das entscheidende Play. Touchdown. "Ich habe es gefühlt", sagte Foles danach. "Ich weiß", so Pederson.

Auch das ist der Edelreservist: Er trifft sehr oft die richtigen Entscheidungen. Intuition. Glück. Können. Von allem etwas, angetrieben und getragen wohl auch von der eigenen Erfolgsstory. Ein Lauf, der sich verselbständigt hat. Der am besten wieder erst im Super Bowl im Konfettiregen ein glanzvolles Ende nimmt.

Safety Malcolm Jenkins bringt es auf den Punkt: "Er hat Leben zurück in die Offense gebracht. Sie macht es phänomenal richtig, wenn wir es brauchen." Was nicht unbedingt für Carson Wentz spricht, der mit seiner Rückenverletzung den Weg für Foles wie im Vorjahr erst freimachte. Wie es dem Starter, der auf eine 5-6-Bilanz blickt, mit der Tatsache geht, dass die Eagles mal wieder ohne ihn erfolgreich sind, ist nicht bekannt.

Foles gehört die Bühne, er hat die Chance mal wieder genutzt. Auch, weil vieles einfacher war als beim ersten Mal. Im Vorjahr hat er viel über sich als Spieler gelernt. Zum Beispiel, dass er am besten abliefern kann, wenn er nicht groß nachdenken muss, wenn die Plays alle parat sind. 

Foles nicht der Alleinunterhalter

Wobei natürlich klar ist: Foles mag der Hauptdarsteller sein, Alleinunterhalter ist er nicht, er ist ein wichtiger Faktor von vielen. Manche sind nicht mal rational erklärbar. Dann funktionieren die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt. 

Wenn den tiefgläubigen Christ Foles ("Meine Identität ist in Christus verwurzelt, nicht in meinen Errungenschaften") doch mal die Angst überkommt, dann helfen ihm die Erfahrungen aus der vergangenen Saison. "Ich habe gelernt, damit umzugehen und zu der Ruhe zurückzufinden."

Offene Zukunft

Deshalb interessiert den 29-Jährigen auch die Zukunft wenig, auch wenn mit jedem Sieg mehr über diese spekuliert wird. 

Es ist absurd. Bleibt Foles jetzt doch? Wieder als Backup? Trennen sich die Eagles gar von Wentz? Foles‘ Vertrag bei den Eagles läuft aus, und es sieht trotz allem danach aus, dass er nach der Saison als Free Agent sein Glück woanders versuchen wird.

Möglicherweise dann als zweimaliger Super-Bowl-Sieger.

Andreas Reiners

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