Will seine Karriere noch fortsetzen: Alex Smith - Bildquelle: GettyWill seine Karriere noch fortsetzen: Alex Smith © Getty

München/Washington - Was Alex Smith in den vergangenen zwei Jahren durchgemacht hat, ist mehr als beeindruckend.

Umso erschreckender ist, dass ausgerechnet das Team, für das er fast sein Leben gelassen hätte, ihm so ablehnend gegenüberstand, als er sein Comeback in der NFL geben wollte.

"Niemand dort dachte, dass ich zurückkommen würde. Nicht ein Einziger", sagt Smith bei "GQ" über die Zusammenarbeit mit dem Washington Football Team. "Ich habe meine gesamte Reha außerhalb des Trainingsgeländes absolviert."

So ist auch zu erklären, wie der Klub aus der Hauptstadt mit ihm umging, als er zwei Jahre nach dem komplizierten Bruch von Schien- und Wadenbein sowie unzähligen Operationen mit Blutvergiftung und phasenweise Bangen um sein Leben, vor der Rückkehr auf das Footballfeld stand.

Wie ein Marathon ohne Ziellinie

"Sie haben versucht, mich auf die Injured Reserve-Liste zu packen", berichtet der Comeback Player of the Year der Saison 2020. "Stell dir vor, du läufst einen Marathon, bist kurz vor der Ziellinie und dann sagen sie dir: 'Nein, du kannst das nicht'. Ich dachte mir: 'Scheiß drauf, ich bringe das hier zu Ende.'"

Allerdings zeigt Smith auch etwas Verständnis und Mitgefühl für das Verhalten der Klubführung: "Als ich dann zurückkam, habe ich deren Pläne torpediert. Sie haben es nicht kommen sehen, sie wollten mich auch gar nicht zurück. Zugegeben, es war eine völlig neue Führung im Vergleich zu vor meiner Verletzung."

Für ihn war das eine Business-Entscheidung. Aber auch eine Entscheidung, die ihn nicht tangierte. "Glaubt mir, nach allem was ich durch gemacht habe, hätte mir deren Meinung nicht egaler sein können", sagt Smith.

Comeback gegen Aaron Donald

Als das Comeback dann - ausgerechnet aufgrund einer Verletzung von Kyle Allen während der Partie - gegen die Los Angeles Rams anstand, lösten sich letzte Zweifel recht schnell. Wenn auch eher ungewöhnlich.

Denn sein erstes Play auf dem Feld war ein Sack von Aaron Donald, seines Zeichens am Ende der Saison als bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet.

"Ich glaube, ich wurde in meinem Leben noch nie so getacklet. Es ist verrückt. Das erste was nach dieser Verletzung passiert ist, dass mir Aaron Donald auf den Rücken springt und mich zu Boden zieht."

Eine gute Sache hatte das aus Smith' Sicht jedoch: "Wenn es einen perfekten Weg gegeben hat um herauszufinden, ob mein Bein stark genug ist, das war er. Im Nachhinein bin ich dankbar dafür, es hat die letzten Blockaden gelöst."

Von Football die Schnauze voll

Nun geht er in sein letztes Vertragsjahr beim Washington Football Team. Und auch, wenn er vergleichsweise günstig entlassen werden kann, will er weiterspielen. Das Feuer brennt in ihm - auch wenn es ihm während der Reha phasenweise abhanden kam.

"Ich hatte Zweifel, wieder mit meinen Kindern zu spielen oder wieder eine normale Person zu sein. Man denkt über alltägliche Sachen nach. Kann ich je wieder nachts aufstehen und ins Badezimmer gehen? Alleine duschen, Golf spielen, Wandern. Werde ich irgendwas davon je wieder können?", erklärt Smith die Gedanken während der Rehazeit.

"Ich hatte von Football zeitweise die Schnauze voll, schließlich war das der Grund, wo ich in dem Moment war", gibt Smith Einblick in sein damaliges Seelenleben, "aber als ich wieder einen Ball in der Hand hatte, fühlte es sich so natürlich an."

Und im Endeffekt war es auch der Gedanke ans Footballspielen, der ihn dann doch wieder antrieb. "Dadurch wurde meine Reha besser, Football hat mich angetrieben. Ich habe wieder daran gedacht, Quarterback zu spielen."

Und so kam es dann ja auch. 693 Tage nach jener schweren Verletzung am 18. November 2018 beim Spiel gegen die Houston Texans. 693 Tage in denen er aufgrund einer Blutvergiftung auch um sein Leben kämpfen musste - und gegen den Willen des Teams.

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