Das deutsche Trio mischt im Practice Squad mit. - Bildquelle: Getty, Instagran, Logan BowlesDas deutsche Trio mischt im Practice Squad mit. © Getty, Instagran, Logan Bowles

München - Der Tag der Kaderkürzungen ist ein bitterer. Viele Spieler werden entlassen, schaffen es nicht in die 53 Mann umfassenden NFL-Teams, verlieren ihren Job.

Zahlreiche General Manager berichten von diesem Tag, wie hart er ist, auch für die Überbringer der schlechten Nachrichten. Und das sind einige, über 1.000 Spieler fallen an einem solchen Tag dem Cut zum Opfer.

 

Träume zerplatzen dann in Sekundenbruchteilen. Die Karriere verläuft dann oft in eine Sackgasse, die Laufbahn steht am berühmten Scheideweg.

Zweite Chance

Doch es gibt einen Ausweg. 

Trostpreis könnte man es nennen, wenn man ein Sarkast wäre. Zweite Chance trifft es stattdessen besser. Denn im Practice Squad ist man zwar offiziell nicht mittendrin, aber immerhin dabei.

Moritz Böhringer und Christopher Ezeala wurden von den Cincinnati Bengals und Baltimore Ravens zwar nicht für das 53-Mann-Kader berücksichtigt, finden aber über das International Pathway Program einen Platz in der Trainingsgruppe, die zehn Mann plus den internationalen Spieler umfasst.

Im Rahmen des Programms fördert die Liga seit 2017 jährlich internationale Athleten, um diesen den Weg in die NFL zu ermöglichen. Dabei erhofft man sich einerseits eine größere, weil weltweite Auswahl an Football-Talenten für die 32 Klubs und hofft gleichzeitig, durch ausländische Stars mehr Identifikation auf dem internationalen Markt zu schaffen. 

Jakob Johnson wurde von den New England Patriots entlassen, der Fullback konnte sich allerdings einen der zehn regulären Plätze im Practice Squad der Patriots sichern. Vorteil an der Sache: Johnson kann im Gegensatz zu seinen deutschen Kollegen in den Kader des amtierenden Super-Bowl-Champions berufen werden und in der NFL eingesetzt werden.

Mit dem zusätzlichen Platz sollen sie sich im Umfeld der Teams ein ganzes Jahr lang an das Niveau der NFL gewöhnen und sich zeigen können.

Vorteile liegen auf der Hand

Konkret bedeutet das: Die Trainingsgruppe wird in die Einheiten des Stammkaders integriert. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Spieler können sich auf hohem Niveau entwickeln, gehören zur Gemeinschaft, zum Locker Room.

Gleichzeitig wären sie theoretisch sofort bereit und haben das System verinnerlicht, kennen das Playbook, sollte es Verletzungsprobleme geben. Elf Mann ergeben zudem eine gute Möglichkeit, die gegnerische Offense oder Defense zu simulieren. Und jeder hat einige Monate Zeit, Werbung für sich und eine Zukunft bei dem jeweiligen Team zu machen.

Vorteil für Böhringer und Ezeala: Als internationaler Spieler können sie nicht entlassen werden. Nachteil: Zu der 46 Mann umfassenden spielberechtigten Truppe können sie nicht berufen werden, sie erhalten 2019 also keine Einsätze. Für die restlichen Spieler des Practice Squad sind Beförderungen möglich, ebenso aber auch Entlassungen und Wechsel.

Geld ist auch garantiert: 8.000 Dollar erhalten Johnson, Böhringer und Ezeala im Practice Squad auf jeden Fall pro Woche, was 136.000 Dollar für eine Regular Season ergibt. Das ist das Minimum, theoretisch ist die Skala nach oben offen.

Positive Beispiele

Das gilt auch für die Karriere. Denn es gibt sie, die positiven Beispiel. Tony Romo durfte 2003 als Undrafted Rookie bei den Dallas Cowboys mittrainieren.

Auch der einstige Super Bowl-MVP Kurt Warner begann bei den St. Louis Rams im Practice Squad, ebenso wie der Linebacker und fünfmalige Pro Bowler James Harrison bei den Pittsburgh Steelers.

Chance trifft es also tatsächlich besser als Trostpreis. Johnson, Böhringer und Ezeala müssen sie nur ergreifen.

Anmerkung: In einer früheren Version stand fälschlicherweise, dass alle drei genannten Spieler Teil des International Pathway Program sind. Dafür möchten wir uns entschuldigen.

So funktioniert das International Pathway Program

Andreas Reiners

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