Einer für die Hall of Fame? Julian Edelman - Bildquelle: ImagoEiner für die Hall of Fame? Julian Edelman © Imago

München/Foxborough - "Ich habe gesagt, ich spiele so lange, bis die Räder vom Wagen abfallen. Und jetzt sind sie abgefallen."

Mit diesen Worten verkündete Julian Edelman am Montag das Ende seiner NFL-Karriere.

Seit dieser Nachricht gibt es nicht nur Nachrichten von Ex-Kollegen wie Tom Brady und Bill Belichick, die Edelman gratulieren, es entbrannte auch eine Debatte auf Twitter: Gehört Julian Edelman in die Pro Football Hall of Fame?

Experten und Laien diskutieren gleichermaßen. Auch wir. ran-Autor Kai Esser hat Pro- und Contra-Argumente gegenübergestellt.

Contra: Kein All-Pro, keine Pro Bowls

Was Edelman im Vergleich zu anderen Spielern mit goldenem Jackett fehlt, sind individuelle Auszeichnungen. In keiner seiner zwölf Saisons wurde Edelman ins All-Pro-Team der NFL aufgenommen, gehörte also quasi nie zu den besten Spielern.

Dabei hätte Edelman zwei Chancen gehabt: Sowohl als Wide Receiver als auch als Return-Spezialist hätte er gewählt werden können - doch Fehlanzige.

Nicht einmal in den Pro Bowl schaffte es Edelman, und das obwohl ein gewisser Tom Brady ihm den Ball zuwarf. Er gehörte de facto nie zu den besten Receivern einer Saison.

Deswegen sollte er es auch nicht in die Hall of Fame schaffen.

Pro: In den entscheidenden Momenten zur Stelle

Dass Edelman in einem Popularitäts-Voting wie dem Pro Bowl nie genug Anerkennung fand, ist nur ein Spiegelbild seiner Karriere, in der er stets unterbewertet wurde.

Wenn Tom Brady gefragt würde, wer sein Lieblingsreceiver in nunmehr 21 Jahren NFL war, würde die Antwort wohl Julian Edelman lauten.

Bringt einen Freundschaft in die Hall of Fame? Nein. Aber Bill Belichick sagte es in seinem Statement passend: "Wenn die Einsätze am höchsten waren, wenn wir alle ein Play brauchten, dann war Julian da."

Rückblick auf die Saison 2018: Im AFC Championship Game bei den Kansas City Chiefs sprach alles gegen die New England Patriots: das Stadion, die Lautstärke, das Wetter, das Momentum. Edelman war jedoch zur Stelle, fing alleine in der Overtime zwei Pässe bei 3rd&10.

Im darauffolgenden Super Bowl krallte er sich zehn Bälle für 151 Yards, ein ums andere Mal vernaschte er die starke Los-Angeles-Rams-Defense.

Für andere sprechen die Statistiken, für Edelman diese Reputation.

Contra: Durchschnitt in der Regular Season

Problem: In der Hall of Fame zählen vor allem Statistiken. 6.822 Receiving Yards, drei Saisons über 1.000 Yards und 41 Touchdowns in zwölf Jahren sind alles andere als herausragend. Durschnitt.

Zum Vergleich: In nur sieben Jahren sammelte Green-Bay-Packers-Receiver Davante Adams 6.558 Yards und satte 62 Touchdowns. Edelman gehörte nie zu den besten Receivern der Liga. Auch wenn er unterbewertet wurde - Zahlen lügen nicht.

Zudem warten noch deutlich bessere Receiver als Edelman auf die Aufnahme in die Hall of Fame. Hines Ward zum Beispiel, oder auch Greg Jennings. Sollten diese großen Namen der NFL ignoriert werden, nur um Edelman in Canton aufzunehmen? Wohl kaum.

Pro: Playoff-Statistiken wie sonst nur Rice

Es stimmt, Edelmans Statistiken sind nicht herausragend. Der Vergleich mit Davante Adams ist aber auch nicht ganz fair, da Edelman ein ganz anderer Spielertyp ist und im Slot agiert, also meist kurze Routen läuft.

Zudem sind das Edelmans Regular-Season-Statistiken. Was ist mit der Postseason? Den Playoffs? Wo nur die Besten hinkommen, gegen die Besten spielen? Genau dort verzeichnete Edelman 1.422 Yards mit 118 Catches, die zweitmeisten der Geschichte. Nur der unbestritten beste Receiver aller Zeiten, Jerry Rice, hat mehr.

Außer Rice dominierte in den Playoffs keiner wie Edelman. Er lieferte nicht nur unglaubliche Zahlen, sondern auch Plays für die Geschichtsbücher, an die man sich noch lange erinnern wird. Sei es der Touchdown-Pass auf Danny Amendola oder der unglaubliche Catch im Super Bowl 51 gegen die Atlanta Falcons.

Die NFL liebt zudem ihre Cinderella-Stories. Ein Siebtrundenpick (der eigentlich Quarterback war und anfangs keine Punts fangen konnte) wird zum Super-Bowl-MVP - besser geht es nicht.

 

Edelman in die Hall of Fame? Eine Frage der Gewichtung

Sollte Edelman also in die Hall of Fame aufgenommen werden?

Die eindeutige Antwort: Es kommt darauf an. Darauf, welchem Aspekt bei der Beurteilung am meisten Gewicht zukommt.

Geht es allein um die nackten Statistiken, ist Julian Edelman kein Hall of Famer. Geht es um die Performance in den entscheidenden Momenten, seine "Clutchness", dann schon.

Eine Hall of Fame ist Edelman jedenfalls sicher: die der New England Patriots.

Darüber dürfte wohl keine Debatte entbrennen.

Kai Esser

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