Cole Beasley und Jon Feliciano (m.) und diverse weitere Bills-Profis wollen ... - Bildquelle: GettyCole Beasley und Jon Feliciano (m.) und diverse weitere Bills-Profis wollen sich nicht impfen lassen. © Getty

München/Buffalo - Seit mehr als einem Jahr bestimmt das Coronavirus und damit auch Covid-19 weltweit das Geschehen.

Auch in der besten Football-Liga der Welt nimmt die Pandemie einen großen Platz ein. Während in der vergangenen Saison die meisten Spiele vor leeren Rängen ausgetragen werden mussten, sollen in der neuen Spielzeit wieder Fans das Bild in allen Stadien prägen.

Voraussetzung dafür ist ein hoher Anteil an geimpften Personen. Bei der beeindruckenden Impf-Geschwindigkeit in den USA sollte das eigentlich kein großes Problem sein, doch es formiert sich Widerstand.

Beasley will sich nicht impfen lassen

Als das US-Gesundheitsministerium vergangene Woche bekannt gab, dass vollgeimpfte Personen ab sofort an der frischen Luft keine Maske mehr tragen müssen, reagierte Cole Beasley sofort. Der Wide Receiver der Buffalo Bills schrieb bei Twitter: "Ich mache das, ohne geimpft zu sein. Ist das jetzt illegal?"

Prompt kassierte der Passempfänger Kritik seiner mehr als 450.000 Follower, doch auch diese ließ der 32-Jährige nicht unbeantwortet. Mit einer beachtlichen Anzahl an Tweets brachte er zum Ausdruck, sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen zu wollen.

Zudem kritisierte der Sportler, dass seine Meinung nicht respektiert wird. "Solange wir nicht alle die gleiche Meinung oder den gleichen Glauben haben, werden wir als ignorant angesehen. Ich verstehe das nicht. Du fühlst, wie du fühlst und ich respektiere das. Es macht mich aber nicht zu einem schlechten Menschen, weil ich nicht deiner Meinung bin", entgegnete er einem kritischen Fan.

Viele Bills-Profis negativ eingestellt

Mit dieser Haltung ist Beasley nicht alleine. Teamkollege Gabriel Davis stimmte ihm "zu 100 Prozent" zu, Offensive Lineman Jon Feliciano brachte seine Zustimmung mit einem Retweet zum Ausdruck. Auch Quarterback Josh Allen äußerte kürzlich Bedenken und ließ offen, ob er sich einer Impfung unterziehen wird.

Selbstverständlich gibt es auch in anderen Franchises Spieler, die der Thematik kritisch gegenüberstehen. Offensive Tackle Taylor Decker von den Detroit Lions erklärte bereits, dass er sich nicht impfen lassen wolle. Die Gründe wollte er allerdings nicht nennen, weil es "ein brisantes Thema" ist. Linebacker Alexander Johson von den Denver Broncos twitterte sogar Verschwörungstheorien.

Dennoch sind die Buffalo Bills zum Zentrum des Impf-Themas in der NFL geworden, weil sie zeigen, welche Probleme damit einhergehen können.

Spieler haben Vorbildfunktion

Neben diversen Athleten hat sich auch eine Spielerfrau öffentlich geäußert. Via Twitter schrieb Rachel Bush, Partnerin von Safety und Team-Kapitän Jordan Poyer, dass sie denkt, dass sich mehr als die Hälfte der Spieler nicht impfen lassen wird. Demnach hat die Mehrheit der Truppe die selbe, negativ eingestellte Meinung.

Ein Fakt, der den Verantwortlichen alles andere als gefallen dürfte. Head Coach Sean McDermott, General Manager Brandon Beane und die beiden Owner Terrence und Kim Pegula ließen sich kürzlich impfen, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Ziehen die Spieler nun mehrheitlich nicht nach, birgt dies mehrere Probleme.

Da wäre zum einen die Vorbildfunktion. In den USA gibt es einen verhältnismäßig großen Anteil an Bürgern, die einer Impfung ablehnend gegenüberstehen. Äußern sich dann prominente Persönlichkeiten wie der Quarterback ihres Lieblingsteams ebenfalls negativ, werden die öffentlichen Bemühungen der Impfkampagnen stark beeinträchtigt.

Nur geimpfte Fans im Stadion

Problematisch ist das Thema auch insofern, weil die politisch Verantwortlichen im zuständigen County nur noch geimpfte Personen zu Heimspielen der Bills zulassen wollen. Wie aber soll dies kommuniziert werden, wenn sich große Teile der Spieler nicht impfen lassen?

Und auch in der täglichen Arbeit warten Probleme. Laut GM Beane werden in der NFL für die einzelnen Teams unterschiedliche Sicherheits-Protokolle vorbereitet, je nachdem wie hoch der Anteil der geimpften Spieler pro Mannschaft ist. Ähnlich wird dies bereits in der Baseball-Liga MLB praktiziert.

Weiterhin nur virtuelle Meetings?

Könnte es also sein, dass sich die Bills weiterhin nur virtuell zu Meetings treffen dürfen, weil nicht genügend Profis geimpft sind? Für Beane eine Horrorvorstellung, habe man doch in der vergangenen Saison bei den "nicht so produktiven" Online-Meetings immer wieder aneinander vorbei geredet.

Beim Radiosender "WGR 550" erklärte er vergangene Woche, dass er zudem in Erwägung ziehen würde, einen ungeimpften Spieler am unteren Ende des Rosters zu entlassen, wenn dadurch der Schwellenwert für ein erleichtertes Protokoll erreicht werden könnte.

Zwar intervenierte die NFL sofort und ermahnte den Bills-GM, ein Spieler dürfe nicht wegen einer fehlenden Impfung entlassen werden, aber wie genau soll das bei den Kadergrößen in der NFL nachgewiesen werden?

Spieler vertrauen normalerweise den Ärzten

Wie viele der Profis sich bis zum Start der neuen Saison impfen lassen, kann aktuell niemand abschätzen. Ein Aspekt lässt die Ansicht von Beasley und Co. aber zumindest in einem besonderen Licht erscheinen.

Geht es um Verletzungen, vertrauen die Sportler zu 100 Prozent auf den Rat der Ärzte. Um auf dem Spielfeld zu bleiben, wird häufig so ziemlich alles getan.

So enthüllte besagter Bills-Receiver nach der Niederlage im AFC Championship Game gegen die Kansas City Chiefs, dass er die komplette Postseason mit einem gebrochenen Wadenbein gespielt hatte. "Im ersten Spiel hat es noch ziemlich weh getan, aber dann habe ich ein paar Medikamente geschluckt und mich zusammengerissen", so der Undrafted Free Agent von 2012.

Bei der Frage nach der Wichtigkeit einer Impfung wird dem Rat der Ärzte dagegen offenbar nicht vertraut.

Franziska Wendler

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