Urban Meyer: Die falsche Wahl für die Jaguars? - Bildquelle: Getty ImagesUrban Meyer: Die falsche Wahl für die Jaguars? © Getty Images

München - Irgendwie war es ja fast schon sinnbildlich für die bisherige Jaguars-Saison. Noch fünf Sekunden auf der Uhr, die Cardinals haben den Sieg schon in der Tasche. Die Jaguars-Offense berappelt sich noch ein letztes Mal. Snap, Druck auf den Quarterback, Trevor Lawrence wird zu Boden gerissen. Spiel. Aus. Ende. 

Die Jaguars sind, ähnlich wie Lawrence in jenem Moment, auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das Team aus Jacksonville verlor die ersten drei Partien allesamt. Sowohl in der Offensive, als auch in der Defensive ist kein Konzept zu erkennen und - als wäre das nicht genug - sorgen fragwürdige Personalentscheidungen weiter für Negativschlagzeilen.

Urban Meyer, der Head Coach des Teams, steuert ohne Kompass auf einen Abgrund zu. Und der wird immer tiefer. 

Henderson haben die Jaguars regelrecht verscherbelt

Der ehemalige College-Coach, der erstmals ein NFL-Team leitet, wickelte in der Offseason bereits einige Deals ab, die - gelinde gesagt - für Verwirrung sorgten. Natürlich ist er nicht allein dafür verantwortlich, dürfte aber bei der Kaderplanung eine entscheidende Rolle spielen. Da wären auf der einen Seite die überteuerten Verträge für durchschnittliche Free-Agent-Spieler wie Rayshawn Jenkins, Roy Robertson-Harris oder Shaquill Griffin, die zusammen auf ein Vertragsvolumen von über 100 Millionen US-Dollar kommen.

Auf der anderen Seite die Entscheidungen im Draft, unter anderem mit Travis Etienne einen Running Back in der ersten Runde zu wählen, obwohl im Jahr zuvor James Robinson überzeugen konnte und auch vertraglich deutlich günstiger ist. Erst vier Spieler der Draft-Class sahen bisher Snaps in der NFL. 

Doch am schwersten wiegen die Tauschgeschäfte, die die Jaguars abwickeln. Gardner Minshew, ein Quarterback, der in den letzten Jahren durchaus zeigte, dass er als Starter auf dem Feld stehen kann, wurde für einen Sechstrunden-Pick hergeschenkt. Gleiches gilt für C.J. Henderson, letztes Jahr noch an neunter Stelle im Draft gewählt, bringt nun lediglich einen Drittrunden-Pick und Tight End Dan Arnold ein. 

 

Einen jungen Cornerback, der am College enormes Potenzial zeigte und potenziell ein Eckfeiler für die kommenden Jahre sein kann, für so wenig Gegenwert wegzuschicken, ist nicht nachvollziehbar. 

Lawrence im kalten Wasser

Nun wäre es nicht so tragisch, wenn Urban Meyer und das Management einige fragwürdige Entscheidungen hinter den Kulissen treffen würden, dafür aber auf dem Feld guten Football spielen lassen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Mit Trevor Lawrence haben die Jaguars einen Rookie-Quarterback, den viele Experten als Generationen-Talent ansehen. 

Und was macht Meyer mit seinem Offensiv-Scheme? Genau das, was für einen jungen Quarterback in seiner ersten Saison und auch auf lange Sicht für seine Entwicklung tödlich sein kann: Ihn planlos ins kalte Wasser werfen. Statt einfache Play-Designs aufzuziehen, bei denen Lawrence nicht das gesamte Feld lesen muss und den Ball im Kurzpassspiel sicher anbringen kann und so langsam herangeführt wird, lässt Meyer eine vertikale Pass-Offense spielen, die wenig Play-Action nutzt und ohne ein komplementäres Laufspiel auskommen soll.

Knapp 40 Prozent von Lawrence Pässen fliegen über zehn Yards durch die Luft, seine durchschnittliche Target-Tiefe liegt bei fast zehn Yards - damit steht er ganz weit oben im Liga-Vergleich. Das Resultat? Lawrence lässt hin und wieder sein Talent aufblitzen, trifft aber logischerweise in seinem Rookie-Jahr noch falsche Entscheidungen, übersieht Blitzer und liest gegnerische Coverages falsch. Nicht verwunderlich, dass er bereits sieben Interceptions verbuchte. 

Wo geht die Reise hin? 

Die Jaguars müssen sich fragen, ob Urban Meyer der richtige Head Coach ist. Und das eigentlich schon jetzt. Denn sie sind eigentlich mit einem talentierten Quarterback und einer Menge Cap Space für die nächsten Jahre gut aufgestellt. Doch zu oft wurden solche Ressourcen in den Sand gesetzt. Zu oft wurde die Entwicklung von jungen Quarterbacks in schlechten Schemes (siehe beispielsweise Jets mit Sam Darnold) langfristig geschädigt. Zu oft blühten abgeschriebene Youngster, die ohne triftigen Grund abgegeben wurden, bei anderen Teams auf. 

Urban Meyer muss nach dem Katastrophen-Start dringend an den nötigen Stellschrauben drehen, ansonsten wird es böse enden für die Jaguars. 

Tim Rausch

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