Der pure Frust: Die Spieler der Miami Dolphins müssen sich 2019 an das Verli... - Bildquelle: imago images / ZUMA PressDer pure Frust: Die Spieler der Miami Dolphins müssen sich 2019 an das Verlieren gewöhnen © imago images / ZUMA Press

München / Miami - Es war abzusehen: Mit Safety Minkah Fitzpatrick gaben die Miami Dolphins nun auch noch den gefühlt letzten Spieler ab, der einen gewissen Wert hat. Selten hat eine Franchise der NFL eine Saison so offensichtlich hergeschenkt wie die Dolphins.

Auch Offensive Tackle Laremy Tunsil und Wide Receiver Kenny Stills wurden kurz vor dem Saisonstart schnell noch wegegeben, um Erstrunden-Picks anzuhäufen.

Bereits jetzt sind die Dolphins die Lachnummer der Liga. In den ersten beiden Spielwochen ließen sie 102 gegnerische Punkte zu und stellten dadurch einen Negativrekord auf. Da sie nun auch noch ihren besten Passverteidiger abgegeben haben, dürfte es eher schlechter als besser werden.

Im Fußball wird Misserfolg bestraft - im Football belohnt

Man stelle sich das einmal im Fußball vor: Ein Bundesligist steht auf dem letzten Tabellenplatz und kassiert zehn Gegentore in zwei Spielen. Kurz vor Transferschluss wird dann auch noch der einzige Innenverteidiger abgegeben, der eine gewisse Sicherheit ausstrahlt.

Im Fußball würde allerdings niemand vorsätzlich seine Mannschaft schwächen, weil der Abstieg die logische Folge wäre. In der NFL hingegen wird Misserfolg belohnt. "Tanking für Tua" heißt es in den US-Medien in Anlehnung an den College-Star und potenziellen First-Overall-Pick Tua Tagovailoa. So schwach wie die Dolphins aufgestellt sind, ist ihnen ebenjener im Draft 2020 wohl sicher.  

Damit nicht genug: Bereits jetzt haben die Dolphins für den Draft 2020 drei Erstrundenpicks und zwei Zweitrundenpicks. Auch für 2021 stehen bereits zwei Erstrundenpicks und zwei Zweitrundenpicks auf der Habenseite. Der Cap-Space wächst ebenfalls. Alle Voraussetzungen, um eine starke Mannschaft für die Zukunft aufzustellen, sind gegeben.

Doch zu einem zu hohen Preis.

Denn dieses Tanking ist der größten Sportliga der Welt nicht würdig.

Draft-System der NBA und NHL als Vorbild?

Profisport lebt davon, dass zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die um jeden Preis gewinnen wollen. Hier aber gibt es nun eine Mannschaft, bei der jede Niederlage besser in die Zukunftsplanung der Verantwortlichen passt als ein Sieg.

Das System, dass die schlechteste Mannschaft automatisch den First-Overall-Pick erhält, gehört abgeändert. Gute Vorbilder sind die NBA und NHL, wo eine Draft-Lotterie über die Pick-Reihenfolge entscheiden. Die schwächsten Mannschaften haben zwar die beste Chance auf das Erstwahlrecht, aber keine Garantie.

In der NFL hingegen liegt aufgrund des Systems eine Wettbewerbsverzerrung vor: Die Dallas Cowboys und die Los Angeles Chargers, also die nächsten Gegner der Dolphins, freuen sich wohl schon jetzt auf einen einfachen Sieg. Auch die Division-Rivalen New England Patriots, Buffalo Bills und sogar die New York Jets haben zwei Siege praktisch sicher und rücken den Playoffs dadurch näher.

Wer nicht gegen Miami spielt, ist benachteiligt

Oder anders ausgedrückt: Jede Mannschaft, die diese Saison nicht gegen die Dolphins spielen darf, ist klar benachteiligt.

Zu den Verlierern zählen auch die Fans: Wer hat denn in dieser Saison noch Lust, sich ein Spiel der Miami Dolphins anzuschauen? Erst 2018 hatten die Dolphins die Preise der Saisontickets um sechs bis sieben Prozent angehoben. Zigtausend Fans haben mehrere hundert Dollar hingelegt, um sich nun möglicherweise achtmal ansehen zu müssen, wie die Lieblingsmannschaft gedemütigt wird.

Und was ist mit den Fans, die viel Geld für Trikots oder Fanartikel ausgegeben haben? ran-Moderator Carsten Spengemann merkte bereits an, dass acht Spieler aus dem Dolphins-Kader 2019 schon gar nicht mehr dem Team angehören - und das war noch vor dem Fitzpatrick-Trade.

Kein Erstrundenpick garantiert Erfolg

Letztendlich ist jeder Spieler, der das Team verlassen durfte, zu beglückwünschen. Die übriggebliebenen Akteure werden ewig mit einer möglichen 0-16-Saison in Verbindung gebracht werden. Quarterback Josh Rosen, vor einem Jahr noch eine der größten Zukunftsversprechen, steht wohl bald vor den Trümmern seiner Karriere.

 

Und auch die Verantwortlichen der Dolphins treiben ein gefährliches Spiel. Egal, wie viele Erstrundenpicks diese Franchise auch ansammelt: Kein College-Star bringt die Garantie mit, auch in der NFL zu funktionieren. Und ein überaus hoher Cap-Space sorgt oftmals auch nur dafür, dass selbst Durchschnittsspieler übermäßig abkassieren.

Ein erfolgreicher Neuaufbau der Dolphins ist also nicht garantiert.

Garantiert ist lediglich, dass Miami in dieser Saison dem American Football schadet.

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