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München/Seattle - Seit jeher gibt es im Sport Spielerwechsel, die sich kein Fan vorstellen konnte.

Sportler, die zu sehr in einem Team verwurzelt schienen, als dass sie dieses jemals verlassen würden. Und doch kommt es immer wieder vor, dass Abgänge von Vereinsikonen die Anhänger erschüttern.

So ginge es wohl auch den Fans der Seattle Seahawks, sollte Quarterback Russell Wilson in der kommenden Saison für eine andere NFL-Franchise spielen.

Wilson kritisiert Offense der Seahawks

Lange Zeit schien ein Wechsel des Quarterbacks nicht einmal ansatzweise im Bereich des Möglichen zu liegen, inzwischen hat sich dies geändert.

Bereits vor kurzem sorgte der Spielmacher bei den Seahawks-Fans für einen kleinen Schock, als er in der "Dan Patrick Show" für seine Verhältnisse überdeutlich die Situation bei seinem Arbeitgeber kritisierte.

Wilson, der sonst nie öffentlich Kritik äußert, monierte, er würde zu viele Sacks und Hits kassieren. Beim Blick auf die Zahlen eine berechtigte Aussage. Kein Spielmacher kassierte seit Wilsons Debüt in der NFL so viele Sacks wie er. In der vergangenen Saison fand er sich insgesamt 47 Mal am Boden wieder. Für ein Team mit großen Ambitionen deutlich zu viel.

Doch nicht nur die Kritik an der schwächelnden O-Line ließ aufhorchen.

Vier mögliche neue Teams 

Bei der Nachfrage, ob er denn für einen Trade verfügbar sei, erklärte der Spielmacher: "Ich bin nicht sicher, ob ich verfügbar bin oder nicht. Das ist eine Seahawks-Frage."

Seit dem Interview sind inzwischen rund zwei Wochen vergangen. Beruhigt hat sich die Gerüchteküche rund um einen der besten NFL-Quarterbacks deswegen aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil.

So ließ sein Berater Mark Rodgers "ESPN" wissen, zu welchen Teams sein Klient im Falle eines Trades gehen würde. Für Wilson, der eine No-Trade-Klausel im Vertrag hat und damit eine mögliche neue Franchise selbst mit aussuchen darf, kommen demnach die Dallas Cowboys, New Orleans Saints, Las Vegas Raiders und Chicago Bears in Frage.

Doch warum gewinnen die Reibereien zwischen Wilson und den Seahawks immer mehr an Schärfe?

Wilson will mehr Mitsprache

Dass der 32-Jährige mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden war, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Nach der Trennung von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer, die Wilson sehr missfiel, forderte er die Klubführung dazu auf, mehr Geld in die Offensive zu investieren.

Geld alleine ist jedoch nicht genug. Wilson will mehr Mitsprache, will die Offense selbst sein. Ähnlich wie Patrick Mahomes bei den Chiefs.

Eine neue Enthüllung lässt nun vermuten, dass die Gräben zwischen beiden Parteien womöglich noch tiefer sind als angenommen.

Diskussion mit Trainern soll eskaliert sein

In den Wochen vier und fünf der zurückliegenden Regular Season unterliefen Wilson insgesamt sieben Turnover: erst vier gegen die Buffalo Bills, dann drei gegen die Los Angeles Rams. 

 

Beim darauffolgenden sechsten Saisonspiel gegen die zu diesem Zeitpunkt bärenstarken Arizona Cardinals stand dementsprechend eine Menge auf dem Spiel.

"Vor dem Thursday Night Game gegen Arizona traf sich Wilson mit seinen Trainern. Seit geraumer Zeit sucht Wilson nach Einfluss innerhalb der Organisation in Bezug auf Schema und Personal. In dem Treffen skizzierte er seine eigenen Ideen, wie man die Offensive verbessern könnte. Seine Vorschläge wurden abgewiesen", erklärte ein Insider im Gespräch mit "The Athletic".

Und weiter: "Eine weitere Bestätigung für Wilson, dass die Seahawks ihn nicht so sehen, wie er sich selbst sieht. Als einen Spieler, der mehr Kontrolle über seine Situation, seine Zukunft und sein Vermächtnis verdient hat."

Am Ende der gescheiterten Diskussion stand demnach ein wutentbrannter Wilson, der aus dem Raum stürmte.

Kaum Championship-Teilnahmen

Mit seinen 32 Jahren gehört der siebenmalige Pro Bowler inzwischen zu den erfahrenen Spielmachern der Liga. Von einem 43-jährigen Super-Bowl-Sieger Tom Brady ist Wilson zwar auch vom Alter her noch weit entfernt, ein Jungspund wie der 23-jährige Kyler Murray ist er aber längst nicht mehr.

Den größten Traum eines jeden Football-Profis hat sich Wilson bereits früh erfüllt. Bereit im Jahr 2013 durfte er sich über den Super-Bowl-Sieg freuen. Seitdem gab es jedoch nicht mehr viel zu feiern. Zwar erreichte das Team mit ihm neun Mal die Playoffs, das letzte Championship Game datiert aber aus dem Jahr 2014.

Laut "ESPN" gehen inzwischen mehrere Team-Verantwortliche davon aus, dass der Spielmacher in dieser oder spätestens in der kommenden Offseason per Trade zu haben sein wird. Zu stark seien die Spannungen zwischen Wilson und der Klubführung.

Kostspieliger Vertrag

Der 140-Millionen-Dollar-Vertrag des Quarterbacks macht einen Wechsel dabei nicht einfacher. Einem Dead Cap von 39 Millionen steht ein Cap Hit von 32 Millionen in der kommenden Saison gegenüber. Heißt: Sollten die Seahawks ihn ziehen lassen, würde sie sieben Millionen draufzahlen.

Auf den ersten Blick mag dies sinnlos klingen, in der NFL ist aber nichts unmöglich - wenn der Preis stimmt.

Könnte ein möglicher Abnehmer Seattle mit einem großzügigen Angebot überzeugen, stünde einem Wechsel nichts mehr im Weg und für die Seahawks-Fans würde ein lange für unmöglich gehaltener Trade Realität.

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