- Bildquelle: 2020 Getty Images © 2020 Getty Images

München/Miami - Man muss ihn einfach mögen. Dem Postgame-Interview nach dem 31:13-Sieg gegen die Jacksonville Jaguars stellte sich Ryan Fitzpatrick im weit aufgeknöpften Hawaiihemd, den rauschenden Vollbart frisch gekämmt.

Zunächst beantwortete der Quarterback seriös Fragen zum Spiel und zu den Playoff-Chancen der Miami Dolphins. Doch als dann die Frage nach dem Bart-Duell mit Jaguars-Quarterback Gardner Minshew kam, entfaltete sich die ganze "Fitzmagic", die zuvor auf schon auf dem Spielfeld zu sehen war.

"Gardner rockt den Schnauzbart-Look", sagte Fitzpatrick: "Aber ich bleibe beim Vollbart und Brusthaar, der Altherren-Look." Einmal in Fahrt schob Fitzpatrick noch eine Botschaft an "alle Ladys da draußen" hinterher: "Ich bin vergeben. Und an meine Frau: Bring' die Kinder ins Bett, es wird spät heute."

 

Fitzpatrick zeigt seine Gunslinger-Mentalität

Trotz seiner mittlerweile 37 Jahre zeigte Fitzpatrick im Thursday Night Game in Jacksonville einmal mehr seine Gunslinger-Mentalität. Er lieferte ein wirklich wildes Spiel ab, im positiven Sinne. Die ersten zwölf seiner Passversuche brachte er alle an den Mann, was einen persönlichen Rekord für Fitzpatrick bedeutet. In seiner langen Karriere, in der er für acht Franchises spielte, gelang ihm dies zuvor nie.

Die ersten drei Drives der Dolphins führten alle zu Touchdowns, "Fitz" warf auf Receiver Prestons Williams und Tight End Mike Gesicki in der Endzone, Running Back Jordan Howard erhöhte. Als Sahnehäubchen seiner Leistung erlief Fitzpatrick den vierten Dolphins-Touchdown in der zweiten Hälfte selbst. Als kurz vor Schluss einer seiner Pässe abgefälscht wurde, fing er ihn kurzerhand selbst.

"Fitz ist außer Kontrolle. Er ist 37 und spielt wie ein 23-Jähriger", freute sich Tight End Gesicki bei "News & Observer": "Man kann ihm den Spaß ansehen. Nach meinem Touchdown haben wir zusammen gejubelt und rum geschrien. Es macht so viel Spaß, mit ihm zu spielen."

Erster Sieg mit mehr als zehn Punkten Vorsprung seit 2017

Zum ersten Mal seit Dezember 2017 gewannen die Dolphins ein Spiel mit einem zweistelligen Vorsprung. Und Fitzpatrick schaffte sogar noch einen Rekord. Dem Wandervogel der NFL gelang mit dem sechsten Team ein Sieg gegen die Jaguars, mit so vielen unterschiedlichen Franchises konnte noch nie ein NFL-Spieler Siege gegen ein anderes Team Siege feiern.

Betrachtet man alle diese Fakten, ist es schon überraschend, dass Ryan Fitzpatrick ein Auslaufmodell ist. Die Zukunft der Dolphins steht in Person von Tua Tagovailoa bereitet, der junge Quarterback wurde im Draft an fünfter Stelle verpflichtet. Er soll die Franchise aus Miami mittelfristig in eine bessere Zukunft führen.

 

Fitzpatrick, der im November 38 Jahre alt wird und fast 16 Jahre älter als Tagovailoa ist, ist in erster Linie ein Platzhalter für seinen designierten Nachfolger. Er soll dem Hoffnungsträger den Einstieg in die NFL erleichtern und ihm eine Art Lehrmeister sein. "Wann auch immer Tua seine Chance bekommt, werde ich sein größter Cheerleader sein", sagte Fitzpatrick im Sommer.

Ryan Fitzpatrick: bescheiden und hochintelligent

Dies ist eine typische Aussage für den Quarterback. Und ein Grund, warum er einer der beliebtesten Spieler der NFL ist. Der sechsfache Vater ist ein bescheidener Mann, gleichzeitig aber extrem lustig und unterhaltsam. Auf dem Platz und daneben. Fitzpatrick ist hochintelligent, er hat einen Abschluss an der Elite-Universität Havard gemacht und erzielte beim legendären Wonderlic-Intelligenztest 48 von möglichen 50 Punkten.

Zeigt Fitzpatrick weiter solche Leistungen wie im Thursday Night Game, könnte sich das NFL-Debüt von Tagovailoa noch verzögern. Head Coach Brian Flores hat aktuell jedenfalls keinen Grund, auf der Schlüsselposition einen Wechsel vorzunehmen.

Haben die Dolphins Chancen auf die Playoffs?

Selbst das Erreichen der Playoffs scheint für die Dolphins in der AFC East mit den New England Patriots, Buffalo Bills und New York Jets nicht unmöglich zu sein. "Wir haben viel Talent und einen guten Zusammenhalt. Die Jungs arbeiten hart und sie arbeiten zusammen. Alles ist möglich", sagte Fitzpatrick nach dem Sieg in Jacksonville: "Das war erst ein kleiner Schritt, aber wir sind auf dem richtigen Weg."

Sollte es ihm tatsächlich gelingen, die Dolphins in die Erfolgsspur zurückbringen, bevor er das Zepter an Tua Tagovailoa übergeben muss, gäbe es wohl kaum jemand, der es Ryan Fitzpatrick nicht gönnen würde. Denn man muss ihn einfach mögen, den wilden Quarterback mit dem charakteristischen Rauschebart.

Christian Stüwe

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