Die NFL wird 2021 wohl den Salary Cap senken.Die NFL wird 2021 wohl den Salary Cap senken.

München - Das Corona-Jahr 2020 stellt alle NFL-Teams auf die Probe. Spieler-Ausfälle, Kaderplanung, Logistik - alles ist anders.

Eine große Herausforderung für alle Beteiligten und vor allem für das Management. Die Auswirkungen übertragen sich wohl auch auf die kommende Spielzeit.

2021 soll der Salary Cap, also die Summe, die NFL-Teams pro Jahr maximal für ihre Kader zur Verfügung steht, erstmals seit dem Lockdown 2011 gesenkt werden. Es wäre erst das zweite Mal seit der Einführung des Salary Caps 1994, dass den Teams weniger Geld zur Verfügung steht als im vorherigen Jahr.

Elf Prozent weniger Gehalt

Zum Vergleich: In den vergangenen sieben Spielzeiten stieg der Salary Cap um über zehn Millionen Dollar - jährlich! Von 120,6 Millionen Dollar im Jahr 2012 bis zuletzt 198,2 Millionen Dollar in der aktuellen Saison. Laut "Over the Cap" könnte der Salary Cap 2021 bei 176 Millionen Dollar liegen. Den Teams ständen damit elf Prozent weniger Gehalt zur Verfügung als noch in dieser Saison.

Aktuell würden bereits zehn NFL-Teams mit Gehältern deutlich über dem Salary Cap in das kommende Spieljahr starten. Allein bei den New Orleans Saints liegen die prognostizierten Gehälter für 2021 um 93,7 Millionen Dollar über der Gehaltsobergrenze. Und das ohne Neuverpflichtungen oder Gehaltsanpassungen.

Für die Teams könnten aber noch drei weitere, weitreichende Konsequenzen dazukommen.

 

Konsequenz 1: Franchise Tags werden noch komplizierter

Jedes NFL-Team kann pro Saison einen Franchise Tag benutzen. Muss aber nicht. Der Spieler, der damit versehen wird, erhält einen Einjahresvertrag und kassiert das Durchschnittsgehalt der fünf Topverdiener auf seiner Position - oder 120 Prozent seines vorherigen Gehalts. Je nachdem welche Summe höher ausfällt.

Bei einer Senkung des Salary Caps würde der Franchise Tag, prozentual gesehen, deutlich stärker gegen das Gehaltsmaximum zählen als in den Jahren zuvor. Als Konsequenz könnten deutlich mehr Topspieler Free Agents werden, wenn sich die Franchises gegen einen (teuren) Franchise Tag entscheiden. Oder mehr Langzeitverträge werden unterzeichnet.

Konsequenz 2: Franchises mit wenigen Draft-Picks trifft es härter

Rookie-Verträge sind vergleichsweise günstig. So erhält Nummer-eins-Pick Joe Burrow knapp über 36 Millionen Dollar für vier Jahre. 2020 zählen bei ihm sogar nur 6,5 Millionen Dollar gegen das Gehaltsmaximum der Cincinnati Bengals. Zum Vergleich: Russell Wilsons Gehalt zählt allein in der Spielzeit 2020 mit 31 Millionen Dollar gegen den Salary Cap. Bei einer Senkung des Gehaltsmaximums bieten Rookie-Verträge das geringere Risiko - und mehr Spielraum.

Ein Problem für Teams, die kommende Saison nur wenige Draft-Picks zur Verfügung haben. Wie die Houston Texans beispielsweise. Die haben 2021 weder einen Erst- noch einen Zweitrundenpick. Weil sie viel für Offensive Tackle Laremy Tunsil auf den Tisch gelegt haben. Sehr viel. Zwei Picks, die ihnen eine Menge Talent für vergleichsweise wenig Geld einbringen könnten. Stattdessen kostet Tunsil die Texans laut "Over the Cap" in der kommenden Saison knapp über zehn Prozent ihres gesamten Salary Caps.

Konsequenz 3: Langjährige NFL-Profis könnten Probleme bekommen

Im Tarifvertrag zwischen der NFL und der NFL-Spielergewerkschaft (NFLPA) ist festgelegt, welches Gehalt NFL-Spielern mindestens zusteht. Die Summe ist dabei abhängig von der NFL-Erfahrung der einzelnen Akteure.

Rookies erhalten 2020 beispielweise ein Minimum von 610.000 Dollar. Spieler mit zwei Jahren NFL-Erfahrung kassieren bereits mindestens 750.000 Dollar - mit zusätzlichen Kompensationen von bis zu 137.500 Dollar. Verträge, die es den Teams erlauben, "Veteran Players" für ein billigeres Grundgehalt unter Vertrag zu nehmen.

Kommende Saison steigt diese Summe allein bei den Rookies um 50.000 Dollar an. Bei Spielern mit zwei Jahren Erfahrung gar um 100.000 Dollar. Durch eine Senkung des Salary Caps 2021 zählen nun auch diese Minimum-Verträge vergleichsweise stärker gegen die Gehaltsobergrenze. Gut möglich, dass langjährigen NFL-Spielern nun nur noch ein Minimal-Vertrag angeboten wird. Wenn überhaupt.

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