Sam Darnold ist als Anführer der Carolina Panthers voll akzeptiert und führt... - Bildquelle: 2021 Getty ImagesSam Darnold ist als Anführer der Carolina Panthers voll akzeptiert und führte sein Team gegen die Houston Texans zum dritten Sieg © 2021 Getty Images

Houston/München - Vom potenziellen Draft-Bust zum Überflieger – Sam Darnold scheint eine erstaunliche Wandlung zu nehmen.

Beim 24:9 gegen die Houston Texans war er der überragende Mann. Der Quarterback warf Pässe für 304 Yards, blieb ohne Turnover und erlief erstmals in seiner Karriere zwei Touchdowns in einem Spiel.

Selbst die Verletzung von Running Back Christian McCaffrey, der im Gameplan der Panthers normalerweise eine tragende Rolle einnimmt, brachte Darnold nicht aus dem Konzept.

Genauso wenig die Tatsache, dass seine Offensive Line teilweise zusammenbrach und er drei Mal gesackt wurde. Der 24-Jährige überzeugte mit Spielintelligenz und einem sicheren Wurfarm.

Der 91-Yard-Drive zu Beginn des dritten Quarters unterstrich seine Qualität. Vier von fünf Pässe fanden verlässlich ihr Ziel, sodass Tight End Tommy Tremble schlussendlich in die Endzone gelangte.

Sam Darnold auf den Spuren von Kurt Warner 

Mit insgesamt 888 Passing-Yards ist er zumindest bis zu den restlichen Spielen am Sonntag (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) der Passing Leader der NFL.

Er ist erst der zweite Quarterback der NFL-Geschichte, der bei seinen ersten drei Spielen bei einem neuen Team so viele Passing Yards verzeichnete.

Lediglich Kurt Warner war in der Saison 1999 mit 894 Passing Yards in den ersten drei Partien noch effektiver. In jener Spielzeit wurde Warner zum MVP ernannt und führte die St. Louis Rams zum Super-Bowl-Sieg. 

 

Der Spielmacher gibt sich dennoch bescheiden. "Wir fangen an, unsere Identität in der Offense zu finden", sagt Darnold. "Ich muss einfach nur das Play ausführen, das mir vorgegeben wird. Das ist meine Aufgabe. Ich muss dafür sorgen, dass wir auf allen Zylindern laufen und uns in die richtige Richtung bewegen."

Dies klingt simpel, gelang ihm in den Jahren zuvor allerdings vielfach nicht.

Am College ein Star, bei den Jets eine Enttäuschung

Seine Karriere befand sich am Scheidepunkt, als er Anfang April im Tausch für einen Sechstrunden-Pick, einen Zweitrunden-Pick und einen Viertrunden-Pick von den New York Jets nach Carolina abgegeben wurde.  

Der gebürtige Kalifornier wurde am "Big Apple" den hohen Anforderungen nie gerecht. Er war der Nummer-3-Pick im NFL Draft 2018, wurde unter anderem vor Josh Allen (Buffalo Bills, Pick-Nr. 7) und Lamar Jackson (Baltimore Ravens, Pick-Nr. 32) ausgewählt.

Aus damaliger Sicht war das verständlich: Darnold galt unter allen zur Verfügung stehenden Quarterbacks als derjenige, der die besten Anlagen mitbrachte, um direkt in der NFL erfolgreich zu sein. Er wurde im Vorfeld des Drafts sogar als potenzieller Nummer-1-Pick betrachtet. 

 

Lediglich seine Turnover-Probleme, die in seiner College-Karriere bei den USC Trojans sichtbar waren, bereiteten Sorgen.

Bei den Jets verschärfte sich das Problem: In den drei vergangenen Spielzeiten standen seinen 48 Touchdown-Pässe 40 Interceptions und zehn Fumbles gegenüber. 13 Siege gab es zu feiern, 35 Niederlagen zu verarbeiten.

Allerdings waren die Grundvoraussetzungen auch schwierig: In Todd Bowles und Adam Gase agierte er unter zwei verschiedenen Head Coaches. Keiner von ihnen konnte den Jets ein funktionierendes System aufdrücken. Das Laufspiel sorgte nie für Entlastung, war 2019 sogar das zweitschwächste der gesamten NFL.  

Spätestens jetzt -  auch der hochgejubelte Nummer-2-Pick Zach Wilson hat bei den Jets einen katastrophalen Saisonstart mit fünf Interceptions hingelegt - stellt sich die Frage: War wirklich der Quarterbacks das Problem? Oder liegt das Grundübel bei den Jets?

Panthers ziehen Fifth-Year-Option

Darnold muss sich mit solchen Fragen nicht mehr beschäftigen. Die Panthers zogen bereits Ende April die Fifth-Year-Option, sodass Darnold auch für die kommende Saison noch unter Vertrag steht und dann 18,858 Millionen US-Dollar verdient.

Sein Leistungssprung gegenüber dem Vorjahr ist enorm: Kamen vergangene Saison lediglich 59,6 Prozent seiner Pässe an, so sind es nun 68,2 Prozent. Sein durchschnittlicher Raumgewinn pro Pass stieg von 6,1 auf 8,3 Yards. 

 

Wurde er in New York zuletzt kritisch beäugt, so ist er bei den Panthers voll akzeptiert. "Wenn man sich anschaut, was für Spielzüge wir callen, dann zeigt das, dass wir ihm vertrauen", sagt Head Coach Matt Rhule.

Auch einer seiner wichtigsten Beschätzer, der Left Tackle Cameron Erving, lobt den Spielmacher: "Es ist immer schwierig, wenn einer deiner besten Spieler (Running Back Christian McCaffrey, Anm.d.Red.) ausfällt. Aber Sam hat einfach einen großartigen Job gemacht. Wir haben einen richtig guten Mann. Und er wird immer besser."

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