Steigerte sich im Laufe der Saison stetig: 49ers-Quarterback Jimmy Garoppolo - Bildquelle: Getty ImagesSteigerte sich im Laufe der Saison stetig: 49ers-Quarterback Jimmy Garoppolo © Getty Images

München/San Francisco - Als die Meldung im August eintrudelt, gehen die Spekulationen sofort los. Fünf Interceptions. In Folge. Jimmy Garoppolo macht sich lächerlich. Und das kurz vor dem Saisonstart. 

Ja, ist nur Training, nur Preseason, aber hey, fünf Fehlpässe! Hintereinander!

Viele kritische Fragen

Und das nach seinem Kreuzbandriss, durch den er die Saison 2018 fast komplett verpasste. Und seinem unterschriebenen Megavertrag. Wird er überhaupt wieder richtig fit? Kommt er in Form? Ist er die fast 140 Millionen Dollar für fünf Jahre überhaupt wert? Haben sich die San Francisco 49ers nicht komplett verhoben? Verkauft?

Nun, es gehört zum Geschäft, dass die Kritiker schnell auf der Bildfläche auftauchen und ihre Meinung auch ungefragt herausposaunen. Dann wird es schon mal etwas hektisch und so mancher schießt über das Ziel hinaus.

Bei Garoppolo verstummen sie allerdings nur langsam.

Sieben Touchdowns, sechs Interceptions, ein Passer Rating von 90,8 in den ersten sechs Spielen waren wenig berauschend. Getragen durch die Siegesserie von acht Siegen aus den ersten acht Partien wurden die 49ers vor allem von der Monster-Defense und dem überragenden Laufspiel. 

In der ersten Saisonhälfte ließen Super-Rookie Nick Bosa und seine Defense nur 12,8 Punkte pro Spiel zu, Raheem Mostert, Tevin Coleman oder Matt Breida erliefen im Schnitt 171,1 Yards pro Spiel.

Da reichte Garoppolo als Game Manager. Ein teurer Verwalter allerdings. Kritiker spuckten ihm immer wieder die Millionen Dollar aus seinem Vertrag vor die Füße. Er verstecke sich hinter der Defense, unter Nick Mullens oder CJ Beathard stünden die Niners genauso da wie unter Garoppolo, hieß es.  

Überschätzt. Überbezahlt.

Und überhaupt: Der 28-Jährige sei einer, der von den anderen getragen werden müsse, anstatt selbst ein Team zu führen. Die Jungs um ihn herum machen ihn besser, wobei das eigentlich umgekehrt der Fall sein müsste. 

Garoppolo nutzt die Zeit

Doch Garoppolo nutzt die Zeit, die ihm das Team und auch die anfangs etwas leichteren Gegner bescheren. Findet immer mehr in seine Rolle, findet seine Form, sein Vertrauen, seinen Weg.

Nach dem schwachen Start drehte er auf, brachte fast 70 Prozent seiner Pässe zum Mann, warf 20 Touchdowns und sieben Interceptions. Mit seinem Rating von 108,1 belegt er in diesem Zeitraum Platz vier in der Liga.

Auch andere Zahlen lassen aufhorchen. Zum Beispiel, dass er unter Druck zu den akkuratesten Quarterbacks der Liga gehört, ob nun durch Gegenspieler, bei dritten Versuchen oder durch den Spielstand und die Restzeit. 

In der zweiten Saisonhälfte war er oft genau dann da, wenn es darauf ankam, führte sein Team zu Siegen gegen Green Bay, New Orleans und Seattle und damit auf Platz eins in der NFC. Der Fokus richtete sich mehr auf ihn, auf sein Spiel.

Lynch und Shanahan sofort überzeugt

"Die besten Quarterbacks, die besten Spieler, machen die anderen um sie herum besser, und genau das haben wir bei Jimmy sofort gesehen", sagte General Manager John Lynch gegenüber "ESPN". Er und Head Coach Kyle Shanahan waren von Garoppolo sofort überzeugt, als sie ihn im Oktober 2017 von den New England Patriots holten und dann im Februar 2018 mit dem Mega-Vertrag ausstatteten.  

"Er spielte bereits auf hohem Niveau, aber mit der Zeit wussten wir, dass es enorme Luft nach oben gab, und ich denke, diese Saison hat das gezeigt. Man braucht Erfahrung, besonders auf dieser Position. In diesem Jahr hat er sich durchgearbeitet, und er war großartig", so Lynch.

In den Playoffs, Garoppolos ersten als Starter, zeigte sich dann jedoch eher wieder der Game Manager. Elf angekommene Pässe für 131 Yards in der Divisional Round gegen die Minnesota Vikings, lediglich acht Passversuche im NFC Championship Game gegen die Packers. Egal, es reichte ja auch so. Aber reicht das auch im Super Bowl (am Sonntag b 22:45 Uhr live auf ProSieben und ran.de).

Immer noch Diskussionen

Fakt ist: Für viele sind die 49ers inzwischen Favorit auf die Vince Lombardi Trophy. Und: Was bei einem guten Quarterback zählt, ist ja nicht nur der Einfluss auf dem Spielfeld.

Essentiell ist auch die Kabine. Anführer-Qualitäten. Die hat Garoppolo, auch wenn er nicht der Lautsprecher ist, seinen Status verbal zementieren muss.

Ein Beispiel: Wie "The Athletic" berichtet, ruft Garoppolo an jedem Samstag ein freiwilliges Meeting ein, um die gesamte Offense auf das Spiel und den Gegner einzuschwören.

Alle kommen. Hören zu. Und setzen das Gesagte um. Er weiß die Truppe hinter sich, was im Spiel unbezahlbar ist. 

Diskussionen, ob er nun Game Manager oder Game Changer ist, gibt es aber auch jetzt immer noch. Klar: Er spielt unspektakulär, dafür aber effektiv. Und erfolgreich.

Und darauf kommt es am Ende an.

Andreas Reiners

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