Haben gut lachen: Die San Francisco 49ers um Jimmy Garoppolo. - Bildquelle: imago images/Icon SMIHaben gut lachen: Die San Francisco 49ers um Jimmy Garoppolo. © imago images/Icon SMI

München/San Francisco - Die Stimmung ist absolut menschlich. Denn die Historie einer Franchise ist nicht nur ein Blickfänger für den Briefkopf.

Sie ist Trost in schwierigen Zeiten, aber auch Antrieb. Vor allem aber ist sie Verpflichtung. Und sie lädt zum Schwelgen ein, zum Träumen. Davon, dass die glorreichen Zeiten zurückkehren. Deshalb ist die Reaktion bei den San Francisco 49ers völlig legitim. 

Denn nach einem 4-0-Start blüht das zarte Pflänzchen Hoffnung, dass nach fünf Jahren komplett ohne Playoffs wieder bessere Zeiten anbrechen. Manche denken gleich in groß und an die Glanzzeiten von Joe Montana und Steve Young zurück, an die 80er und 90er Jahre, mit insgesamt fünf Super-Bowl-Siegen. 

Bester Start seit 1990

Ja, dafür ist es dann doch etwas früh, doch dass die Niners das einzige ungeschlagene Team neben den New England Patriots sind, ist ein Fakt. Ebenso der beste Saisonstart seit 29 Jahren. Der Quarterback damals: Joe Montana, der die 49ers anschließend zu einem 10-0-Start und bis ins NFC Championship Game führte.

Es ist eben immer so: Ist die Vergangenheit ruhmreich, führt an ihr kein Weg vorbei, kommen die Vergleiche von selbst.

Der aktuelle Kader ist zwar nicht mit den absoluten Topstars gespickt, aber auf gutem Niveau ausbalanciert. San Francisco belegt mit 31,8 Platz zwei bei den Punkten pro Spiel, ist mit 427,3 Yards Vierter in der Offense, Vierter mit zugelassenen 14,3 Punkten pro Spiel und Zweiter in der Defense bei 257,5 zugelassenen Yards.

Schaut man sich die Zahlen und Spiele genauer an, fällt auf: Es ist vor allem das Laufspiel, das überzeugt. Die 49ers kommen auf 227,2 Passing Yards pro Spiel, in der Liga reicht das für Platz 22. 

Die 200 Rushing Yards pro Spiel sind aktuell der Maßstab, nur die Ravens können mit 192,2 in dem Bereich halbwegs mithalten. Die Running Backs Matt Breida, Tevin Coleman und Raheem Mostert (236) sorgen in Kombination mit Tight End George Kittle und den Wide Receivern Dante Pettis, Marquise Goodwin und Rookie Deebo Samuel für eine schlagkräftige Offense. 

Auch wenn Garoppolo nicht unbedingt dominant auftritt - er ist erfolgreich. Als Starter in der NFL kommt er auf eine 12-2-Bilanz - darunter zwei Siege mit den Patriots aus der Saison 2016. Zumindest die ersten Zweifler, die bei einem 137-Millionen-Vertrag immer fix aus ihren Ecken kommen, konnte er inzwischen zum Schweigen bringen.

Siege sind die besten Argumente

Denn die Siege sind seine besten Argumente. Wie sie zustande kamen, ob nun als Matchwinner oder als Game Manager - danach fragt heute niemand mehr. Gegen wen schon eher, denn die Tampa Bay Buccaneers (2-3), Cincinnati Bengals (0-5), Pittsburgh Steelers (1-4) und Cleveland Browns (2-3) waren für höhere Ansprüche noch nicht der ganz große Maßstab. 

Aber: Damit man um die Playoff-Plätze mitreden kann, müssen diese Spiele auch erst einmal gewonnen werden.

"Ich will gewinnen. Letztendlich kommt es genau darauf an. Egal, was dafür nötig ist", sagte Garoppolo, der - das sollte man nicht vergessen - nach seinem Kreuzbandriss erst sein Comeback in der Preseason nach langer Reha feierte. Heißt: Da ist noch Luft nach oben.

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in dieser Liga zu gewinnen. Jedes Spiel wird anders sein, je nachdem, was die Defense macht, was die Offense macht und wie es uns beeinflusst. Am Ende des Tages heißt es: Haben wir gewonnen oder verloren? Das ist alles, was mich interessiert."

Doch eine starke Offense hin oder her - wie sagt man so schön? Defense wins Championships.  

Und da sind die 49ers tatsächlich stark aufgestellt. Der größte Unterschied zu 2018 sind die Turnover. Waren es im Vorjahr ganze sieben, sind es nach vier Spielen 2019 bereits elf. Außerdem wurde der Pass Rush verbessert, die Defensive Line um Nummer-zwei-Pick Nick Bosa ist das Prunkstück, das 81,75 Rushing Yards pro Spiel - damit Platz fünf in der Liga - zuließ.

Die Secondary um Routinier Richard Sherman ist für fünf der bislang sieben Interceptions verantwortlich, die zugelassenen 175,8 Passing Yards pro Spiel sind die zweitbeste Quote der Liga.

Echter Gradmesser

Wie stark die Mischung aus laufintensiver Offense und dominanter Defense wirklich ist, wird sich am Sonntag ab 22:05 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de zeigen, dann kommt es zum NFC-West-Duell bei den Los Angeles Rams. Ein echter Gradmesser gegen den Super-Bowl-Teilnehmer.

Gibt es da den fünften Sieg im fünften Spiel, wird es langsam unheimlich. Dann könnte es sein, dass die Euphorie eine neue Qualität erreicht.

Doch keine Sorge: Auch das ist menschlich.

Andreas Reiners

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