Sollten die Giants Barkley vor sich selbst schützen? - Bildquelle: Getty ImagesSollten die Giants Barkley vor sich selbst schützen? © Getty Images

München/New York - Wenn die New York Giants am Wochenende gegen die Chicago Bears spielen, steht ein Mann besonders im Fokus: Running Back Saquon Barkley. Eigentlich nichts Neues, doch in diesen Tagen scheiden sich die Geister bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit des besten Rookies der Vorsaison.

Vor der Bye Week absolvierte Barkley das schlechteste Spiel seiner noch jungen NFL-Karriere. Im Stadtduell gegen die New York Jets war offensichtlich, dass "SB26" nicht bei voller Leistungsfähigkeit war. 13 Laufversuche für lediglich ein Yard Raumgewinn sprechen für sich. 

Barkley selbstkritisch

"Es war eines dieser Spiele, bei denen man sich das Filmmaterial anschaut und es danach einfach wegräumt", resümierte Barkley am Donnerstag bei "giants.com" seine Vorstellung: "Ich dachte: 'Ich muss der Erste sein, der je ein solches Spiel hatte.' Dann habe ich recherchiert, ich muss aber dazu sagen, dass ich nicht versuche, mich auf dieses Niveau zu heben und mit dieser Person zu vergleichen, aber Barry Sanders hatte ein Spiel, bei dem er 16 Carries und null Yards gegen die Green Bay Packers in den Playoffs hatte (genau genommen 13 Versuche für -1 Yard im NFC Wild Card Game 1994, Anm. d. Red.)."

Barkley wolle es seinem Idol gleichtun und aus der Schmach die richtigen Schlüsse ziehen: "Ich glaube nicht, dass ihn das davon abgehalten hat, eine großartige Karriere zu haben. Wenn überhaupt glaube ich, dass es ihn angetrieben und motiviert hat, besser zu werden."

Barkley seit Verletzung mit Leistungseinbruch

Barkley verpasste drei Spiele, nachdem er in Week 3 gegen die Tampa Bay Buccaneers eine Sprungelenkverletzung erlitten hat und brilliert seit seiner Rückkehr auf das Feld nicht in gewohnter Manier.

Nachdem er laut "CBS" durchschnittlich 127,8 Yards from Scrimmage und im Schnitt 5,3 Yards per Carry über seine ersten 18 NFL-Spiele seiner Karriere hinausgetragen hatte, hat Barkley seit der Rückkehr von seiner Verletzung in vier Spiele nur 87,3 Yards vom Scrimmage und 2,6 Yards pro Carry erreicht.

Während die Prognose zur Heilungsdauer anfangs noch bis zu sechs Wochen prognostizierte, kehrte Barkley in Windeseile zurück und hinterließ große Augen bei den Medizinern. Vor Week 12 fühlt sich der Running Back nach eigener Aussage körperlich so gut, wie lange nicht mehr. Die Bye Week gab ihm die Möglichkeit, seinem Körper eine Pause von den Strapazen der NFL zu geben:

"Ich schätze, man könnte sagen, dass sich jeder wahrscheinlich ein wenig besser fühlt, wenn man ein etwas frei hat. Aber ich bin einfach glücklich, wieder im Gebäude zu sein und wieder an die Arbeit zu gehen. Ich bin bereit, die Dinge wieder zum Laufen zu bringen."

Duell mit Bears als Wendepunkt?

Head Coach Pat Shurmur antwortete kryptisch auf die Frage, ob sein Star-Running Back nach der Bye Week bereit sei, der Spieler zu sein, den die Giants von ihm erwarten, um ihre Saison zu einem positiven Ende zu bringen: "Er ist weiter entfernt von seiner Knöchelverletzung, was auch immer das bedeutet", und ergänzte seine Aussage: "Ich denke, wir alle müssen das möglichste tun, um unserer Mannschaft zu helfen, ein Spiel zu gewinnen. Ich denke, das Gleiche kann man von ihm behaupten."

Offensive Coordinator Mike Shula sprang Shurmur zur Seite: "Er hatte eine gute Trainingswoche. Er hat sich letzte Woche ausruhen können und trotzdem etwas an sich gearbeitet. Er ist wie viele von uns im Moment wirklich hungrig und heiß darauf, einen Weg zu finden, uns zu helfen, zu gewinnen."

Außerdem gab der Running Back an, in der freien Woche viele Spielszenen analysiert und eine flächendeckende Fehleranalyse betrieben zu haben: "Ich kann mich in jedem Bereich verbessern. Ich will ein besserer Pass-Blocker sein, ich will besser darin sein, den Ball aus dem Backfield zu fangen, aber auch abseits von Tackles, buchstäblich in allen Bereichen."

Sollten Giants Barkley sicherheitshalber benchen?

Den Tatendrang des Spielers in allen Ehren. Aber das Risiko, einen nicht 100 Prozent fitten Barkley spielen zu lassen und damit die Zukunft der Franchise aufs Spiel zu setzen, ist unglaublich hoch - auch wenn er sich körperlich viel besser fühle. Über die Bye Week wurde daher hartnäckig spekuliert, ob die Giants-Verantwortlichen sich mit dem Gedanken beschäftigen müssten, den Spieler für den Rest der Saison als Vorsichtsmaßnahme aus dem Spielbetrieb herauszunehmen.

Barkley bezog dazu kürzlich selbst Stellung: "Die Vorstellung, mich rauszunehmen und für den Rest der Saison zu schonen, ist für mich unvorstellbar. Ich bin damit nicht einverstanden und es wird nicht passieren. Ich werde weitermachen, bis ich nicht mehr kann. Das ist der Spieler, der ich bin und ich werde es für meine Teamkollegen tun."

Auch wenn der Spieler selbst es anders sieht: Der behutsame Umgang mit seiner Gesundheit sollte in einer Saison, die bei einer Bilanz von 2-8 ohnehin größtenteils gelaufen ist, oberste Priorität genießen. Die Giants sollten nun Vorsicht walten lassen. Eine falsche Bewegung könnte Barkleys ohnehin geschundenen Knöchel weiter beeinträchtigen und den Bandapparat beschädigen. Die Folgen wären fatal und könnten womöglich über die Saison hinaus ihren Schatten ziehen.

Und ohne Barkley wäre die Wahrscheinlichkeit auf einen der Top-Draftpicks 2020 wohl auch deutlich höher.

Daniel Kugler

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