Mike Vrabel spielte bei den New England Patriots unter Bill Belichick. Nun s... - Bildquelle: imago images/Icon SMIMike Vrabel spielte bei den New England Patriots unter Bill Belichick. Nun steht er seinem Ex-Team als Head Coach der Tennessee Titans gegenüber © imago images/Icon SMI

New England/München - Lehrmeister gegen Schüler sind Duelle, die die Massen in den Bann ziehen. Gelingt es dem Schüler, all das Gelernte gegen seinen Meister einzusetzen und ihn zu übertrumpfen?

Oder zahlt sich letztendlich die Erfahrung des Lehrmeisters aus?

Das Playoff-Spiel zwischen den New England Patriots und den Tennessee Titans (in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 1:45 Uhr live auf ProSieben und ran.de) wird diese Frage beantworten. Mike Vrabel, der Head Coach der Titans, ist als Spieler im System von Patriots-Trainer Bill Belichick groß geworden.

 

Der Linebacker landete 1997 als Drittrunden-Pick zunächst zwar bei den Pittsburgh Steelers, unterschrieb aber 2001 einen Vertrag bei den New England Patriots und blieb der Franchise acht Spielzeiten treu. Der 44-Jährige hatte großen Anteil an der Erfolgsära der Patriots. Vrabel gewann zusammen mit Bill Belichick drei Mal den Super Bowl.

"Ich habe eine Menge Respekt vor Mike als Person und als Trainer", sagt Belichick. "Er ist seit langer Zeit ein guter Freund. Er war ein wirklich kluger Spieler, ein sehr grundlegender Spieler. Ich bin sicher, dass man diese Stärken in der Art sehen kann, wie er seine Mannschaft trainiert. Mike hat eine Menge großartiger Eigenschaften als Mensch, und das bedeutet, dass er auch ein guter Trainer ist."

Plötzlich aussortiert: Der große Knall zwischen Vrabel und Belichick

So erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen Vrabel und Belichick gewesen ist, so unerfreulich verlief die Trennung. Im Februar 2009 wurde der Linebacker gemeinsam mit Quarterback Matt Cassel im Tausch für einen Zweitrunden-Pick zu den Kansas City Chiefs getradet. Vrabel war wütend und sprach monatelang kein Wort mehr mit Belichick.

Erst als Vrabel nach der Spielzeit 2010 seine aktive Karriere beendete und wenige Monate später seine Trainerkarriere in Angriff nahm, zunächst als Linebacker Coach der College-Mannschaft Ohio State Buckeyes, näherten sich Vrabel und Belichick wieder an.

Mehr noch: Belichick wurde zu seinem persönlichen Ratgeber. "Wir haben komplett unterschiedliche Persönlichkeiten", sagt Vrabel. "Aber ich habe immer seine Freundschaft und seine Führung sehr respektiert, als ich bei den Patriots gespielt habe."

Kein anderer Trainer hat Vrabel in dessen Entwicklung so geprägt wie Belichick. Gewisse Parallelen zwischen dem Gameplan der Coaches sind daher erkennbar.

Ein Beispiel: Beide haben ein Faible für Trick-Spielzüge. Bei den Patriots kann es passieren, dass Wide Receiver Julian Edelman oder Running Back James White einen Pass wirft.

Bei den Titans wiederum mutieren Offensive Liner schon einmal zu Passempfängern. Zwei gefangene Touchdown-Pässe gingen diese Saison auf das Konto von O-Linern - und zwar von Dennis Kelly und David Quessenberry. Auch Fake Punts zählen zum Repertoire der Titans.

Belichick scheitert öfter an seinen "Schülern"

Vrabel versucht, seine Verbindung zu den Patriots herunterzuspielen. "Ich habe seit 2008 keinen Gehaltsscheck mehr mit dem Patriots-Logo bekommen", sagt er. "Hier geht es nicht um meine Karriere oder um meine acht Jahre in New England. Hier geht es um die Titans und unsere Vorbereitung, dort hinzufahren und gegen ein Team anzutreten, das in den letzten fünf Jahren drei Super Bowls gewonnen hat."

Möglicherweise ist es für den 44-Jährigen wirklich nichts Besonderes, in einem Playoff-Spiel gegen sein Ex-Team anzutreten.

Dafür aber könnte es ein großer Vorteil sein, Belichicks Gameplan aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit besser einschätzen zu können. Das zeigte sich bereits im November 2018, dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams, als die Titans überaus deutlich mit 34:10 siegten. 

Dies war keine Ausnahme: Bill Belichick scheiterte zuletzt häufig an gegnerische Head Coaches, denen er selbst als Lehrmeister gedient hat.

Im letzten Spiel der regulären Saison verspielten die Patriots die Bye Week aufgrund einer überraschenden Niederlage gegen die Miami Dolphins. Deren Head Coach ist Brian Flores, der viele Jahre dem Coaching-Staff der Patriots angehörte.

Ebenfalls im Dezember ereignete sich die Niederlage gegen die Houston Texans. Deren Head Coach Bill O'Brien war bei den Patriots unter anderem als Offensive Coordinator aktiv.

In der vergangenen Saison siegten zudem die Detroit Lions gegen die Patriots. Und wer ist deren Head Coach? Niemand geringerer als der langjährige Patriots-Defensive-Coorinator Matt Patricia.

Haben also Trainer, die selbst unter Belichick gearbeitet oder gespielt haben, den besseren Gameplan im Duell mit dem Lehrmeister? Vrabel kündigt jedenfalls ein offensives Playcalling an: "Du musst aggressiv sein. Denn die Patriots sind auch sehr aggressiv und haben eine großartige Defense. Sie haben die Verteidigung Nummer 1, den besten Trainer und den besten Quarterback."

Vrabel lobt Ex-Mitspieler Tom Brady

Die Kritik an Tom Brady - der einzige Spieler aus dem Kader der Patriots, mit dem Vrabel noch aktiv zusammengespielt hat - kann er nicht nachvollziehen.

"Ich sehe bei ihm immer noch viel Genauigkeit und entscheidende Würfe. Er konnte viele Spiele gewinnen, den Ball an viele verschiedene Spieler bringen und alle einbeziehen. Er hat eine unheimliche Fähigkeit, den Kerl zu finden, der frei ist, den Gameplan auszuführen und Play Action zu spielen. Das ist sehr, sehr gut."

Brady und Vrabel haben noch immer ein gutes Verhältnis zueinander. Als die Patriots und die Titans im August in Nashville miteinander trainierten, überraschte Brady seinen Ex-Mitspieler: Der Quarterback überreichte Vrabel eine kleine Trophäe, praktisch eine "Patriots-Besieger-Trophäe", um den Sieg aus der Saison 2018 zu würdigen.

"Es war eine nette Geste von mir und ich hoffe, dass er es schätzt", sagt Brady damals grinsend. Das Lächeln würde ihm vermutlich vergehen, sollte Vrabel nun erneut gegen die Patriots siegen.

Belichick hingegen nicht - einfach weil er eh nie lächelt.

Oliver Jensen

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