Moritz Böhringer dreht die Zeit zurück und geht in der neuen Saison wieder i...Moritz Böhringer dreht die Zeit zurück und geht in der neuen Saison wieder in Deutschland an den Start.

München - Fünf Jahre amerikanischer Traum, viele Jahre hartes Training mit den besten Football-Spielern auf der Welt. Aber ein NFL-Spiel durfte Moritz Böhringer nicht bestreiten.

Nun kehrt der 27-Jährige nach Deutschland zurück und schließt sich seinem Ex-Team, den Schwäbisch Hall Unicorns in der German Football League (GFL) an.

Der Traum der NFL-Karriere ist damit wohl endgültig geplatzt, dabei beginnt das Abenteuer vor fünf Jahren genau so geschichtsträchtig wie vielversprechend.

Erster gedrafteter NFL-Spieler ohne College-Besuch

2016 wird der Tight End, der in der NFL als Wide Receiver geführt wird, von den Minnesota Vikings gedraftet. Das Besondere: Böhringer ist der erste Draft-Pick in der NFL-Historie, der zuvor kein US-College besucht hat. Nicht nur die deutsche, auch die amerikanische Presse stürzt sich auf den damals 22-Jährigen.

Zuvor spielt "MoBo" eine außergewöhnlich gute Saison in der German Football League. Mit 59 Catches für 1.232 Yards und 13 Touchdowns führte er die Unicorns in den German Bowl – dort verloren Böhringer und Co. damals allerdings gegen die Braunschweig Lions.

Viel erreicht und dennoch nichts gewonnen. Der Saisonverlauf ist bezeichnend für das, was für Böhringer kommen sollte.

Ersten Cut überstanden, zweiten nicht

Schon die Anfangszeit in der NFL verläuft wie eine Achterbahn. Den 75er-Cut im Mai 2016 übersteht Böhringer noch, bei der Bekanntgabe des finalen 53-Mann-Kaders der Vikings im September steht er allerdings nicht auf der Liste.

Stattdessen darf das junge Talent aber im Practice Squad weiter mittrainieren und sich empfehlen. Es geht auf und ab. In der Preseason vor der Saison 2017 fängt Böhringer seinen ersten NFL-Pass - für sechs Yards Raumgewinn.

 

Für den 53-Mann-Kader wird er kurz später - wie bereits erwähnt - allerdings nicht nominiert.

Und der Grund scheint schnell gefunden: "Ich habe ihn im diesjährigen Training Camp beobachtet und da hat er sämtliche Bälle fallen lassen. Das geht einfach nicht", sagte Chris Tomasson von "Pioneer-Press", einer Tageszeitung aus Minnesota, damals im Gespräch mit ran.de.

Zweite Chance in Cincinnati

Kurze Zeit später absolviert Böhringer, der von der NFL eine Ausnahmegenehmigung bekam, um seinen Namen mit "ö" und nicht "oe" auf dem Trikot tragen zu dürfen, ein Probetraining bei den Cincinnati Bengals.

Der gebürtige Stuttgarter gibt nicht auf, kämpft um seinen Platz in der Football-Elite. Und schafft es im Mai 2018 ins "International Pathway Program" der Bengals.

 

Im September wird Böhringer wieder entlassen und einen Tag später ins Practice Squad von Cincinnati aufgenommen. Zweieinhalb Jahre sind vergangen – ein NFL-Spiel hat der 103-Kilo-Mann nicht machen dürfen.

Und es bleibt dabei. 2019 steht Böhringer in der Preseason auf dem Platz, schafft es aber wieder nicht in den 53-Mann-Kader.

Finale Entlassung und Rückkehr nach Deutschland

Am 3. August 2020 endet Böhringers NFL-Traum. Die Bengals entlassen den Schwaben. Und auch aufgrund von Corona erschweren sich die Chancen auf eine Rückkehr von Tag zu Tag.

Und daher der Entschluss zur Rückkehr: "Ich will jetzt mein Studium in Deutschland abschließen", wird er in der Mitteilung der Schwäbisch Hall Unicorns zitiert. Sein Comeback in der German Football League hingegen wird gefeiert.

"Es wird sicher auch unsere Jugendspieler motivieren, wenn sie jede Woche mit einem deutschen, NFL-erfahrenen Spieler in Kontakt sein können", so Chefcoach Jordan Neuman, der schon in Böhringers erster Saison bei den Unicorns als Offensive Coordinator dabei war.

Die GFL startet im Juni 2021 in die neue Saison, Böhringer und seine Schwäbisch Hall Unicorns treffen zum Auftakt auf die Ravensburg Razorbacks.

Zukunft trotzdem in den USA

Doch langfristig will sich "MoBo" nicht in Deutschland niederlassen. Sein Maschinenbau-Studium in Aalen will er nun allerdings zu Ende bringen. "Mein Plan ist es, nach dem Studium in den USA zu leben".

Und wer weiß, vielleicht geschieht anschließend noch ein Wunder und die NFL-Karriere des Moritz Böhringer ist im August 2020 doch nicht zu Ende gegangen.

Ganz auszuschließen ist das bei der verrückten Geschichte des 27-Jährigen sicher nicht.

Justin Werner

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