Ist aktuell der Mann der Stunde in der NFL: Seahawks-Quarterback Russell Wil... - Bildquelle: 2020 Getty ImagesIst aktuell der Mann der Stunde in der NFL: Seahawks-Quarterback Russell Wilson © 2020 Getty Images

München/Seattle - Es war eine Aussage, die viele NFL-Fans und Experten hatte aufhorchen lassen. Hat er das wirklich gesagt? Und wenn ja, warum? Mit welcher Intension?

"Halte ich mich wirklich für den besten Quarterback in der NFL?", setzte Russell Wilson an, die darauf zielende Frage eines US-Journalisten auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche zu beantworten. Und der Quarterback der Seattle Seahawks fuhr nach kurzer Denkpause fort: "Ich glaube schon, ohne Zweifel."

 

Wilson sendet ein klares Signal

Dieser Satz vom sonst eher sehr zurückhaltenden Wilson zeigt, dass er genug davon hat, übersehen zu werden. Insbesondere von den amerikanischen Medien. Es ist ein Schrei nach sportlicher Aufmerksamkeit.

Ein klares Signal nach dem Motto: "Ich bin da und ich werde es euch allen zeigen."

Denn: Trotz des Super-Bowl-Sieges in seiner erst zweiten Saison als Starting-Quarterback der Seahawks im Jahr 2013, einem weiteren Einzug in den Super Bowl und einer bitteren Niederlage gegen die New England Patriots 2014 und auch weiterhin konstant überdurchschnittlichen Leistungen in den vergangenen NFL-Spielzeiten, erhielt der sechsmalige Pro Bowler in knapp neun Jahren NFL insgesamt nicht eine einzige Stimme bei den jährlichen MVP-Wahlen.

Unbegreiflich. Und trotzdem Realität.

 

Seit vielen Jahren unter dem Radar

Wilson flog all die Jahre mehr oder weniger unter dem Radar. Er wurde zwar wahrgenommen, aber doch von den spektakulären Spielweisen anderer wie Patrick Mahomes vom amtierenden Champion Kansas City Chiefs oder Lamar Jackson von den Baltimore Ravens überstrahlt. Doch damit soll jetzt endgültig Schluss sein.

Der Seahawks-Quarterback dreht in der Saison 2020 bislang nämlich mächtig auf.

In den ersten beiden Saisonspielen bei den Atlanta Falcons (38:25) und nun zu Hause gegen die New England Patriots (35:30) brachte Wilson 52 seiner 63 Pässe für insgesamt 610 Yards und neun Touchdowns an den Mann. Laut "ESPN" ist Wilsons Wert bei angekommen Pässen von 82,5 Prozent sogar der höchste in zwei aufeinanderfolgenden Spielen für einen Quarterback, der in diesen Partien mindestens 40 Pässe geworfen hat.

Wilson bezwingt selbst den "NFL Defensive Player Of The Year"

Allein gegen die Patriots fanden 21 seiner 28 Pässe für 288 Yards und vier Touchdowns einen Mitspieler - da kann über die unglückliche Interception gleich zu Anfang, als der Ball durch Greg Olsons Hände direkt zu Devin McCourty flutschte, wohlwollend hinweg gesehen werden.

Besonders auffällig: Bei seinen Pässen wählte Wilson oftmals nicht zwingend den einfachsten Weg, sondern ging unter anderem immer wieder auf Wide Receiver D.K. Metcalf, der vom amtierenden "NFL Defensive Player Of The Year" in Reihen der "Pats", Stephon Gilmore, gedeckt wurde. Das Ergebnis: Drei von fünf Passversuchen für insgesamt 85 Yards und einen Touchdown landeten bei Metcalf.

Vor allem Wilsons 54-Yard-Pass auf Metcalf war ein Ausdruck der Stärke und des aktuellen Selbstvertrauens des Quarterbacks. Denn laut "Next Gen Stats" hatte dieser lange Ball nur eine Chance von 22,3 Prozent, bei dem Wide Receiver anzukommen. Doch Wilson warf den Ball so perfekt, dass Gilmore den Pass nicht verteidigen konnte und somit den ersten Touchdown seit zwei Spielzeiten zuließ, wenn er der direkte Gegenspieler war.

Wilson nimmt Patriots-Defense auseinander

Überhaupt ließ die Defense der Patriots in der kompletten vergangenen Saison im Schnitt nur eine "Completion Percentage" von 56,5 Prozent zu - das war Liga-Bestwert. Wilson nahm sie nun mit 82,5 auseinander. Mehr noch: Er sezierte die komplette Patriots-Defensive in ihre Einzelteile. Egal, ob New England Zonenverteidigung oder direkte Manndeckung spielte - der Seahawks-Quarterback wusste immer eine Antwort.

 

Mit diesen beiden beeindruckenden Auftritten ist Wilson laut "ESPN" nun auch erst der vierte Quarterback in der Geschichte der NFL, dem in den beiden Auftaktspielen seines Teams mindestens vier Touchdowns gelingen. Seine Vorgänger: Patrick Mahomes (2018), Ryan Fitzpatrick (2018) und Drew Bledsoe (1997).

"Bin definitiv in der Zone"

Doch dabei soll es nach Wilsons Geschmack natürlich nicht bleiben. Er will mehr. Viel mehr. "Ich bin definitiv in der Zone", sagte Wilson nach dem Sieg gegen die Patriots.

"Total eingeschlossen, voll fokussiert, komplett eingewählt. Meine Teamkameraden aber auch. Wir sind ein starker Haufen. Ich war schon seit unserem letzten Spiel in der Divisional Round bei den Green Bay Packers in der vergangenen Spielzeit wieder bereit zu spielen und anzugreifen. Es geht nun weiterhin darum, alles reinzuwerfen, bereit zu sein, um dann gemeinsam alles zu geben, um Großartiges zu schaffen."

Mit Wilson. Dem aktuell wohl besten Quarterback in der NFL. Das findet übrigens auch Bill Belichick. "Ehrlicherweise denke ich, dass er von den Medien und auch den Fans unterschätzt wird. Ich persönlich sehe keinen besseren Spieler als ihn."

Und wer will dem Head Coach der Patriots schon widersprechen.

Dominik Hechler

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.