München/Foxborough - Sieben Jahre lang waren Julian Edelman und Sebastian Vollmer Teamkollegen bei den New England Patriots, spielten gemeinsam in der Offense, die beiden kennen sich also bestens. ranNFL-Netman Christoph "Icke" Dommisch hat mit dem zweifachen Super Bowl-Sieger Vollmer über Edelman gesprochen.

Sebastian Vollmer über ...

... das Leben als "Football-Rentner":

"Für die Amerikaner ist es ja ganz schwierig. Man hat sein ganzes Leben nichts Anderes gemacht und der Tag an dem man in Rente geht ist schon ein bisschen schwierig. Das Leben ändert sich schlagartig. Jetzt steht eine Entscheidung an: Geht er zurück nach Los Angeles oder bleibt er in New England, bleibt er im Sport, geht er in die Medien? Das sind Fragen, mit denen man sich nicht beschäftigt hat vorher. Man weiß, es hört irgendwann auf, aber emotional ist es dann nicht einfach."

... den Zeitpunkt von Edelmans Rücktritt mit Blick auf seine Verletzung:

"Wenn man ständig Schmerzen hat, kann man auch nur so viel mit Eis und Nadeln retten. Dann schafft man vielleicht noch ein Jahr oder zwei, aber man weiß, viel weiter funktioniert es halt nicht mehr. Gerade für Julian, der zwölf Jahre im Slot gespielt hat, fühlt sich der Körper halt nicht mehr so frisch an, wenn du ständig von den Linebackern weggehauen wirst. Das merkt man dann halt irgendwann. Er hat eine Tochter, da muss man auch einfach sagen: 'Was nützt dir der goldene Rollstuhl?' nur um noch ein bisschen mehr Geld machen zu können?"

... das Jahr 2009, die gemeinsame Rookie-Saison:

"Ich weiß noch, wir saßen beide in einem Hotel in Foxborough und hatten beide kein Auto und mussten dann zu Fuß in ein fragwürdiges Restaurant gehen. Als Vorspeise gab es Popcorn, dann haben wir beide noch mit unseren Müttern telefoniert, haben zwei Stunden da verbracht und sind zurückgelaufen, um uns auf den nächsten Trainingstag vorzubereiten. Man versucht als Rookie seinen Weg ins Team zu finden und jetzt schaut man das zwölf Jahre später an und sieht: Er hat eine gute Karriere gehabt. Man sollte nicht in Wehmut zurückblicken, sondern lieber dankbar dafür sein, dass es geklappt hat. Er war Kent-State-Quarterback und ist zum Star-Receiver geworden. Aber er ist nicht so ein Mensch, der wehmütig ist."

... den Arbeitseifer von Edelman:

"Er war besessen davon, sich selbst zu verbessern. Ich war auch immer einer der ersten, die im Locker Room waren, aber Julian hat sich immer den Equipment Manager des Teams genommen und für sich beansprucht um ihm Bälle zuzuwerfen. Ich saß dann da und brauchte meine Sachen, das kann nur dieser eine Equipment Manager und den hat er für 30 Minuten in Beschlag genommen. Ironischerweise konnte dieser Equipment Manager nicht mal gut werfen. Er war wirklich der härteste Arbeiter in unserer Kabine."

... den Touchdown-Pass auf Danny Amendola in den Playoffs der Saison 2014 gegen die Ravens:

"Der Spielzug hieß glaube ich 'Julian-Special'. Das sind Spielzüge, die man für Jahre trainiert und nie anwendet. Die funktionieren auch nur ein Mal. Sowas hat man halt in petto, die trainiert man während der Saison auch nur ein Mal in der Woche. Eigentlich ist das ein Spielzug, der nicht funktionieren sollte, aber wir lagen 14 Punkte hinten, was sollten wir da machen? Man muss ja etwas versuchen. Julian und Danny Amendola, beide können werfen, beide können fangen. Das sind ja fast dieselben Spieler, mit denselben Anlagen und Stärken. In solchen Situationen denkt man nicht viel nach, man denkt nur darüber nach, seinen eigenen Job zu machen."

 

... die Chancen von Edelman, in die Hall of Fame zu kommen:

"Ich würde es ihm wünschen, aber ich glaube realistisch gesehen wird es schwierig für ihn. Das ist das Doofe an einem Mannschaftssport. Er war nie im Pro Bowl oder im All Pro-Team, hat "nur" die Super Bowl-Ringe und den MVP-Award und das ist schade für ihn. Ich habe auch keine Ahnung, wieso er da nie reingewählt wurde. Wes Welker hat die Position des Slot-Receivers revolutioniert und Julian ist da reingestiegen und hat das Level gehalten, wenn nicht sogar verbessert. Er hat nie den Respekt bekommen, den er verdient hat. Er war für eine Zeit der beste Receiver, den New England hatte. Jener Wes Welker war fünf Mal im Pro Bowl und vier Mal All Pro, der ist noch nicht in der Hall of Fame. Da wird es schwierig für Julian. Vielleicht ja mit der Zeit."

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