Der Teamname der Washington Redskins ist umstritten und könnte bald geändert...Der Teamname der Washington Redskins ist umstritten und könnte bald geändert werden ©

München / Washington – Die Washington Redskins stehen aufgrund ihres Teamnamens seit Jahren in der Kritik. Aufgrund der "Black Lives Matter"-Bewegung in den USA nahm der Druck auf die Franchise nun zu.

Der Vorwurf: Der Begriff Redskins (engl. Rothäute) sei rassistisch gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern. 

  

87 Investorenfirmen und Anteilseigner, zu denen zum Beispiel FedEx, Pepsi und Nike zählen, forderten in einem Brief eine Änderung des Klubnamens. Das zeigt Wirkung: Am Freitag verkündete die Franchise, dass sie intern über eine Namensänderung diskutiert.

Doch wie kam die Football-Mannschaft überhaupt zu dem Teamnamen, der die Gemüter in den Vereinigten Staaten so erhitzt?

Gegründet als Boston Braves

Die Franchise wurde im Jahre 1932 zunächst unter dem Namen Boston Braves gegründet. Sie übernahmen den Platz in der NFL von den Cleveland Indians (keine Parallele zur heutigen MLB-Mannschaft).

Das Problem war nur: In Boston existierte bereits eine gleichnamige Baseballmannschaft.

Um Verwechslungen zu vermeiden, entschied sich der damalige Besitzer George Preston Marshall für eine Namensänderung. Diese war offenbar sogar notwendig, weil das Team ab 1933 nicht mehr im sogenannten Braves Park spielen sollte, sondern im Fenway Park.

Warum die Wahl ausgerechnet auf den Name Redskins fiel, ist nicht einwandfrei geklärt. Vielmehr gibt es verschiedene Theorien dazu.

Ein vermeintlicher Indianer als Cheftrainer

Sicher ist, dass im Jahre 1933 William Henry "Lone Star" Dietz, ein vermeintlicher amerikanischer Ureinwohner, das Traineramt bei dieser Franchise übernahm. Der Coach versammelte in der Mannschaft mehrere Spieler mit indianischer Herkunft.

Das war zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich: Indianer hatten einen großen Einfluss auf den American Football des frühen 20. Jahrhunderts.

 

In den Jahren 1922 und 1923 gab es bereits die Oorang Indians in der NFL. Auch im College-Football waren die Ureinwohner erfolgreich, unter anderem im Dienste der Carlisle Indian Industrial School oder der Haskell Indian Nations University.

Indianer standen für Pass- und Trickspielzüge

Zu einer Zeit, als American Football hauptsächlich aus Laufspiel bestand, glänzte der "indianische Football" mit vielen Pass- und sogar Trickspielzügen.  

Dietz hatte vor seiner Ankunft bei den Braves die Haskell Indian Nations Fighting Indians trainiert. Kurz nachdem er das NFL-Team übernahm, erfolgte die Umbenennung in Redskins.

Gerüchten zufolge wollte Marshall damit den Trainer ehren, der stets mit Indianer-Kopfschmuck an der Seitenlinie stand. Bestätigt ist das allerdings nicht.

Marshall soll jedenfalls von vielen Aspekten der amerikanischen Ureinwohner fasziniert gewesen sein und nutzte die Indianer als PR-Kampagne. Ein indisches Kopfsymbol wurde als Logo des Teams übernommen und auf der Vorderseite der Trikots platziert.

Die Football-Mannschaft nahm das Image der "Rothäute" an, zeigte sich auf Mannschaftsfotos fortan mit Kriegsbemalung, Federn und Kopfschmuck.

Ungeklärt bleibt allerdings, warum der Owner seinem Team ausgerechnet die abfällige Bezeichnung Redskins gab. Andere Begriffe wie Indians (Indianer), Warriors (Krieger) oder Chiefs (Häuptlinge) wären ebenfalls möglich gewesen.

Eine Verbindung zu den Boston Red Sox

Eine Theorie: Redskins klingt ähnlich wie Red Sox. Dies ist bis heute der Name der Baseball-Mannschaft aus Boston. Die beiden Teams teilten sich damals den Fenway Park als Spielstätte und wollten ihre Verbindung möglicherweise nach außen tragen.

Zudem war der Name Redskins im Sport noch relativ neu. Lediglich die nicht allzu erfolgreichen Football-Mannschaften der University of Utah und der Miami University of Ohio hatten bereits zuvor den Spitzname Redskins verwendet.

In den großen US-Sportligen hingegen gab es noch keine Redskins.  

Inspiriert durch einen Kinofilm?

Ohnehin war der Begriff Redskins damals nicht so verpönt wie heute. Im Gegenteil: Im Jahre 1929 gab es sogar einen Kinofilm namens "Redskin" mit dem Filmstar Richard Dix in der Hauptrolle.

Der Film wurde wegen seiner Darstellung von der Notlage der amerikanischen Ureinwohner hoch gelobt. Dix ist danach sogar zum Ehrenmitglied des Kaw-Indianerstamms ernannt worden.

Gut möglich also, dass Marshall auch durch diesen Spielfilm zur Namensgebung motiviert wurde – zumal er viele Verbindungen zur Filmbranche hatte.

Damalige Trainer und Besitzer sind umstritten

Die Verantwortlichen der damaligen Redskins sind bis heute umstrittene Persönlichkeiten. Dem Trainer Dietz wurde später vorgeworfen, er sei gar kein Indianer gewesen und hätte sich lediglich als ein solcher ausgegeben.

Und Besitzer Marshall galt als ein Rassist, der keine dunkelhäutigen Spieler verpflichteten wollte und erst im Jahre 1962, als der US-Kongress mit Strafen drohte, seine Haltung änderte.

Auch dieser Hintergrund könnte in die derzeitige Debatte mit hineinspielen.

Seit 1937 die Washington Redskins

Die Redskins sind seit dem Jahre 1937 in Washington, der Hauptstadt der Vereinigen Staaten, beheimatet und tragen seitdem den Namen Washington Redskins.

Momentan scheint es aber so, als wäre der Name schon bald Vergangenheit.

Oliver Jensen

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