Saints-Quarterback Drew Brees hat im Spiel gegen die Redskins einen neuen Pa... - Bildquelle: imago/Icon SMISaints-Quarterback Drew Brees hat im Spiel gegen die Redskins einen neuen Passrekord aufgestellt. © imago/Icon SMI

New Orleans - 921 Canal Street, New Orleans. Zweiter Stock im Ritz-Carlton. Der Head Coach der New Orleans Saints, Sean Payton, ist in seinem Element. Noch rund 24 Stunden bis zum Spiel gegen die Philadelphia Eagles, die heiße Phase der Vorbereitung beginnt.

Alle sind konzentriert und fokussiert. Heiß auf den Super-Bowl-Sieger. Und darauf, der erfolgreichen Saison ein weiteres sportliches Ausrufezeichen zu verpassen. In der Canal Street werden letzte Feinjustierungen vorgenommen, finden letzte Meetings statt, finale Gespräche. Der Game Plan wird festgezurrt.

Die Saints geben einen Teil ihres Innenlebens preis - und NBC-Reporter Peter King schaut zu. Ein kleines Lehrstück, wie der Favorit auf den Super Bowl funktioniert. Und wie es wohl auch vor dem Spiel an Thanksgiving (ab 2.20 Uhr live auf ProSieben MAXX und auf ran.de) gegen die Atlanta Falcons abgelaufen ist.

In den USA ist das Verhältnis zwischen Medien und Sportlern ein anderes als in Deutschland. Gespräche in Umkleidekabinen? In der NFL gehört das zum Tagesgeschäft, bei uns ist es undenkbar. Autorisierungen sind in Amerika (wie auch in England) verpönt, in Deutschland sind sie ein inzwischen übliches Instrument, Interviews PR-passend zu reinigen. 

Ungefilterter Eindruck

King bekam einen größtenteils ungefilterten Eindruck der finalen Vorbereitung eines NFL-Teams auf ein Spiel. Erhielt seltene Einblicke und konnte so auch beobachten, wie und warum Payton und Brees auch nach einer halben Ewigkeit nicht nur immer noch miteinander auskommen, sondern regelrecht brillieren, sich in gewisser Weise neu erfinden. 

Klar: Einige Dinge bekam King zwar zu hören, aber mit Codes wie "Snug left, Y fly, P 35 Stab dog F rail" kann er ohne entsprechende Vorführungen des entsprechenden Plays nicht viel anfangen.

Offenbart haben sie ihm trotzdem welche. Die ersten 15, die gegen die Eagles geplant waren. Darunter auch "Q stop, G snug. Right empty. QB 38 Z Crush Alley". Fünf Linemen, dazu drei Receiver rechts, drei links, aber kein Quarterback. Ein Trick-Spielzug mit Allzweckwaffe Taysom Hill, der im Spiel nicht klappen wird. Es zeigt aber: Stillstand ist Rückschritt, immer neue Ideen müssen her, um den Gegner zu verwirren, zu beschäftigen. Payton ist bekannt dafür, gerne mal in die Trickkiste zu greifen.

Man kann sich vorstellen, was für ein Bild es gewesen sein muss, in dem Saal des Hotels Football-Stars in Hoodies, Jeans, Flip-Flops und Shorts in gemächlichem Tempo die einzelnen Plays üben zu sehen.  

Durchgetakteter Abend

Der Abend vor dem Spiel ist durchgetaktet, ist in sechs Abschnitte unterteilt: Alle Coaches treffen sich zunächst zu einem Meeting, dann gibt es eine Diskussion über die ersten 15 Plays, ein Meeting des ganzen Teams, die erwähnte Übung der Offense, einen Abendsnack (inklusive Piano-Musik von Wide Receiver Austin Carr) und ein Treffen von Payton, Brees, Offensive Coordinator Pete Carmichael und Quarterback-Coach Joe Lombardi. Bei Letzterem ist Brees an der Reihe, gibt seinen Input zu allen möglichen Plays, die in diversen Situationen zum Einsatz kommen sollen, welche Calls Payton machen soll. Es liest sich beeindruckend, wie komplex eine Offense ist. Und wie durchzogen mit Codes, die für Außenstehende (natürlich) null Sinn ergeben.

Keine drei Stunden an diesem Samstagabend, und der Spuk ist vorbei. King versucht, das Geheimnis des Erfolgs ein wenig entschlüsseln. Er ist überrascht, wie demokratisch es in der Offense der Saints zugeht. Kein Diktator Payton, sondern ein Miteinander, eine offene Diskussion. Ehrlichkeit. Payton und Brees haben den bestmöglichen Weg für sich gefunden, miteinander umzugehen. Dazu gehört auch ein "Nein" des Quarterbacks, wenn ihm ein Play nicht gefällt. Die Egos bleiben draußen. Alles für den Erfolg. Oft schöner Schein, bei den Saints ganz offensichtlich einer der Schlüssel.

Eine glückliche Ehe

Payton und Brees: Es ist ein bisschen wohl wie eine Ehe, seit rund 13 Jahren eine durchaus glückliche. Payton als Kopf, der die Ideen entwickelt, und Brees als verlängerter Arm, der die Ideen in dieser Saison mit einer Präzision ausführt, wie noch nie in seiner Karriere. 

 

Hinzu kommt Hingabe: Payton ist jemand, der alles durchgeht. Die ganze Woche, immer wieder. "Ich will es sehen, aufschreiben, fühlen, diskutieren. Wir müssen einen Plan machen mit denjenigen, die wir haben, und nicht mit denjenigen, die wir gerne hätten", sagt er. Und brütet. Und schaut sich die Plays der Kollegen Bill Belichick und Sean McVay an. Und wird auch dort fündig. Man findet offenbar immer etwas. Brees verrät: "Manche unserer besten Ideen kommen manchmal am Samstag, Samstagabend oder sogar erst Sonntagmorgen."

Das Spiel spricht für sich, die Saints zerlegen die Eagles mit 48:7. King sieht, wie Plays wie Choreografien funktionieren, aber auch, wie sie komplett in die Hose gehen und in sich zerfallen. Was aber nicht heißt, dass sie nicht nochmal herausgeholt werden. "Snug left, Y fly, P 35 Stab dog F rail" zum Beispiel. Wenn es soweit ist, wird er wieder geübt.

921 Canal Street, New Orleans. Zweiter Stock im Ritz-Carlton.

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