Die Patriots stehen unter Verdacht die Bengals ausspioniert zu haben - Bildquelle: Getty ImagesDie Patriots stehen unter Verdacht die Bengals ausspioniert zu haben © Getty Images

München - Mit unangenehmen Fragen dürfte Bill Belichick gerechnet haben, als er dem Radiosender "WEEI" aus der Boson Area Rede und Antwort stand. Schließlich hatten seine New England Patriots beim 16:23 gegen die Kansas City Chiefs - auch aufgrund fragwürdiger Entscheidungen der Referees - ihre erste Heimniederlage nach 21 Partien einstecken müssen.

Doch in dem Interview ging es eben nicht nur um Sport. Was an der von den "Pats" engagierten Film-Crew lag, die zum mit 19:27 verlorenen Spiel des kommenden Gegners Cincinnati Bengals bei den Cleveland Browns geschickt wurde und dort verbotenerweise Aufnahmen vom Spielgeschehen machte.

 

Belichick rückt in Interview von Film-Crew ab 

Und so musste der Head Coach des des erfolgreichsten NFL-Teams dieses Jahrtausends in Verteidigungsstellung gehen. "Wir haben absolut nichts mit deren Arbeit zu tun. Ich habe deren Aufnahmen niemals gesehen", betonte der 67-Jährige, der sich insgesamt ungewohnt ausführlich zum Thema äußerte. Er habe von keiner der Sequenzen Kenntnis - abgesehen von denen im TV ausgestrahlten.

Denn in den US-Medien kochte das Thema nach dem Bekanntwerden am Montag sofort hoch. Die Frage, die über allem stand: Droht den Patriots ein neues "Spygate"? Mittlerweile untersucht die NFL, ob die Film-Crew der Patriots illegalerweise die Seitenlinie der Bengals bei Play Calls abgefilmt habe.

Patriots geben Statement ab

Der amtierende NFL-Champion veröffentlichte zudem ein Statement. Darin heißt es, die Aufnahmen seien als Teil einer Doku gefilmt worden. Vielmehr sei für eine Folge der Reihe "Do Your Job" ein Patriots-Scout beim Gegner-Scouting in den Rängen begleitet worden, nicht aber das Geschehen auf und am Spielfeld.

Während die Browns als Gastgeber der Partie am Sonntag darüber informiert worden seien, sei weder den Bengals noch der NFL Bescheid gegeben worden. Dabei handele es sich um "ein unbeabsichtigtes Versehen".

Film-Crew sei unabhängig gewesen

Die Film-Crew habe in Unkenntnis der Liga-Regeln auch das Geschehen auf dem Rasen gefilmt. Allerdings seien die dabei entstandenen Aufnahmen für keinen anderen Zweck als die bereits sieben Folgen umfassende Dokumentation entstanden. Dass dies gegen die Richtlinien der NFL verstoße, sei den Patriots klar.

Der Klub weist dabei auch darauf hin, dass es sich um eine unabhängige Film-Crew gehandelt habe. Das komplette Material sei der Liga ausgehändigt worden, die Beteiligten würden vollumfänglich kooperieren.

Patriots übernehmen volle Verantwortung

Zugleich betonen die Patriots, dass keines der Team-Mitglieder in den Vorgang involviert gewesen sei. Das Statement endet damit, dass die Franchise die volle Verantwortung für die Arbeit der Produktions-Crew rund um das Spiel in Cleveland übernimmt.

Ähnlich lesen sich eben auch Belichicks Einlassungen zum für die Patriots leidigen Thema. Im Rahmen der Doku seien eben Trainer, Scouts und andere Mitarbeiter des Klubs begleitet worden. Wer Genaueres wissen wolle, müsse eben mit den direkt Beteiligten sprechen. Die Scouts könnten doch gar nicht als Späher agieren. So einfach stellt sich die Sache für einen der mächtigsten Männer im Business dar.

Bengals-Mitarbeiter soll Patriots-Kameramann beobachtet haben

Dabei ist alles viel komplizierter. So hatte "ESPN"-Reporter Adam Schefter zuvor berichtet, dass ein Mitarbeiter der Bengals das Filmen bemerkt und die NFL verständigt habe. Diese habe das Videomaterial gesichtet und Untersuchungen aufgenommen.

Neue Informationen von "ESPN"-Reporterin Dianna Russini widersprechen der Patriots-Version. Die Journalisin berichtet unter Berufung auf eine Quelle, dass ein Bengals-Mitarbeiter den Patriots-Kameramann beobachtet habe. Dabei habe er gesehen, wie die Kamera das gesamte erste Viertel des Spiels Bengals-Coaches aufgenommen habe.

NFL und Bengals sind im Besitz der Videoaufnahmen

Als der Patriots-Mann anschließend von der Bengals-Security angesprochen wurde, habe er laut Augenzeugen angeboten, das Videomaterial zu löschen und die ganze Angelegenheit einfach zu vergessen. So weit kam es allerdings nicht: Neben der NFL seien auch die Bengals in Besitz der Videoaufnahmen.

Laut Albert Breer von "Sports Illustrated" ließen die Bengals selbst nur verlauten: "Uns ist bewusst, dass es einen Vorfall gab und die NFL diesen untersucht. Wir werden das nicht weiter kommentieren." Mehr hatte sich auch Head Coach Zac Taylor auf der Pressekonferenz nicht entlocken lassen.

Spy-Gate 2.0?

Die Patriots haben eine unrühmliche Vorgeschichte bezüglich des Abfilmens gegnerischer Play Calls: 2007 spionierte das Team von Head Coach Bill Belichick die New York Jets aus.

Der Vorfall wurde als "Spygate" zum Skandal. Das Resultat: hohe Geldstrafen für Belichick (500.000 US-Dollar) und die Organisation (250.000 US-Dollar) und der Entzug ihres Erstrundenpicks.

Die "Washington Post" berichtete am Dienstag allerdings, harte Strafen seien diesmal nicht zu erwarten, dafür aber mit einem Ergebnis der Untersuchungen noch in dieser Woche. 

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