- Bildquelle: imago images/Icon SMI © imago images/Icon SMI

München/Detroit - Matthew Stafford, Quarterback der Detroit Lions, hat sich zum Thema Rassismus in den USA geäußert und dabei die Menschen zum Zuhören aufgerufen. Beim "Players Tribune", einer Plattform auf der Sportler aus den USA ihre eigenen Texte veröffentlichen können, schrieb er: "Polizeibrutalität, Privilegien für Weiße, Rassimus - das ist alles real!" Deswegen ist für ihn auch klar: "Wir können uns nicht nur auf Football konzentrieren und alles andere ausblenden. Nicht als Team. Nicht als Franchise. Und wir sollten es auch nicht als Land."

Für Stafford, der selbst nicht bei Social Media aktiv ist, war es laut eigener Aussage Zeit, sich zu diesem Thema zu äußern. Der Grund: "Es ist Zeit, dass wir aufhören, es zu leugnen, zu verteidigen oder die Augen davor zu verschließen. Wir müssen zuhören und weiterhin diese schwierigen Gespräche führen."

Gespräche mit Teamkollegen haben ihn berührt

Der gebürtige Texaner gesteht, dass er in seiner Kindheit selbst nicht mit dem Thema konfrontiert wurde und er daher wahrscheinlich auch Dinge gesagt hat, "die ich heute bereue. Es ist aber wichtiger Teil des Lebens, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zu versuchen, sich weiterzuentwickeln."

Ihn haben dabei die Geschichten seiner afroamerikanischen Teamkollegen sehr berührt. Besonders die Geschichte von Trey Flowers hat ihn sehr schockiert. "Wenn er von der Polizei angehalten wird, würde er sein Fenster runterkurbeln, beide Hände aufs Lenkrad legen und die Polizisten fragen, ob er rauskommen darf, damit sie ihm Handschellen anlegen dürfen. Niemand in Amerika sollte sich fühlen", forderte er.

Stafford und seine Erfahrung mit Rassismus

Stafford hat schon am eigenen Leib erfahren, wie alltäglich Rassismus in den USA ist. In der Offseason, genauer gesagt kurz nach dem Tod von Georg Floyd, hat er gemeinsam mit seinen Wide Receivern in Atlanta trainiert. Aufgrund der Beschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie hat er sich einen Platz angemietet, auf dem er vier Tage lang ohne Probleme mit Danny Amendola trainieren konnte.

Als dann aber in der Woche darauf vier seiner dunkelhäutigen Teamkollegen ebenfalls anwesend waren, durfte er nicht mehr auf dem Feld trainieren. "Wir haben gerade die Bälle rausgeholt und einige Spieler haben sich noch gedehnt, als ein Mann kam und sagte, dass wir Hausfriedensbruch begangen haben und sofort den Platz verlassen sollten", schilderte Stafford die Situation.

Der Mann rief sogar die Polizei. "Er hat der Polizei erzählt, dass wir 'unkooperativ' sind und 'nicht den Platz verlassen würden'", erklärt er und fügt an, "Ich habe mich so geschämt, dass ich meine Teamkollegen in so eine Situation gebracht habe. Insbesondere, da mir gesagt wurde, dass ich den Platz nutzen darf, und ich mit Danny auf dem selben Platz keine Problem hatte."

Stafford appelliert: "Hört zu"

Außerdem äußert sich der 32-Jährige auch über die Menschen, die keine Proteste beim Football sehen wollen. "Es gibt immer noch Leute in diesem Land, die den Sport als Ablenkung sehen, und das ist auch ihr gutes Recht. Ich bitte euch aber zu differenzieren", appellierte er.

Seine Bitte: "Alles, um was ich diese Menschen während der NFL-Saison bitten möchte, ist, dass sie ihre Augen schließen und sich wirklich in die Situation der anderen hineinversetzen. Versucht für eine Minute Social Media, Politik und die Argumente außen vor zu lassen und wirklich in euch hineinzuschauen. Stellt euch die schwierigen Fragen. Aber mehr als alles andere, hört zu. Es ist Zeit."

Du willst die wichtigsten Fußball-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.