Tom Brady 1999 bei den Wolverines. - Bildquelle: imago images/ZUMA WireTom Brady 1999 bei den Wolverines. © imago images/ZUMA Wire

München – Man vergisst bei einem Draft schon mal schnell, dass die Talente nicht nur Athleten, sondern auch Menschen sind.  

Junge Menschen, viele hängen während ihrer College-Zeit irgendwo zwischen Pubertät, Selbstfindung, ausprobieren, halbstark und erwachsen. Bisweilen ist diese Zeit grundsätzlich schon ein emotionaler Drahtseilakt. Alle haben ihre eigenen Geschichten, Hintergründe, Probleme.

 

Die Psyche spielt deshalb eine nicht unerhebliche Rolle. 

Lange Identitätssuche

Denn viele der Talente peilen nicht nur eine Karriere in der NFL an, wollen sportlich hoch hinaus, haben Träume, sondern suchen zugleich ihre eigene Persönlichkeit. Ihre Identität. 

Kombiniert mit sportlichem und schulischem Druck ist die Zeit, die unbeschwert sein könnte, nicht immer einfach.

Tom Brady hat deshalb sogar die Hilfe eines Psychologen in Anspruch genommen.

Ja, der Superstar hatte seine Startprobleme. Greg Harden legte bei dem jungen und unsicheren Quarterback auf der University of Michigan einen Schalter um.

Bei Brady machte es "Klick".

"Es war eine große Veränderung in meinem Kopf: Vorher habe ich mich die ganze Zeit beschwert, dass ich nicht das bekam, was ich wollte. Stattdessen habe ich etwas dagegen unternommen", erzählte er sehr offen in der Show von Howard Stern von seiner nicht immer einfachen Zeit auf dem College.

Es sei eine sehr verletzliche Zeit in seinem Leben gewesen, so Brady, "denn ich habe mich gefragt, wer ich bin. Ich war weit weg von zu Hause in einer anderen Umgebung. Harden hat mir geholfen, mich von diesem Kind aus Kalifornien zu einem Mann zu entwickeln, Verantwortung für mein Leben zu übernehmen."

Denn eigentlich wollte Brady flüchten, weg von den Wolverines, weil so ziemlich alles schief lief, noch bevor er überhaupt einen Fuß auf den Campus gesetzt hatte.

Denn die Leute, die ihn geholt hatten, allen voran Head Coach Gary Moeller, wurden gefeuert, bevor Bradys Freshman-Jahr begann. Er stellte fest: "Wenn du nicht ihr Mann bist, gibt es eine andere Dynamik."

Brady war nicht der Mann der Wolverines. Deshalb suchte er vor seinem zweiten Jahr das Gespräch mit dem damaligen Trainer Lloyd Carr, um über einen möglichen Transfer zur University of California zu sprechen. 1997 war das.

Carr glaubte an Brady

Brady wollte spielen. Wollte weg. Doch Carr wollte Brady.

"Tom, ich möchte, dass du bleibst, ich glaube an dich und ich denke, dass du ein guter Spieler sein kannst, aber du musst dir einen Kopf über die Dinge machen, die du kontrollieren kannst", sagte der Coach.

Schon da dämmerte es dem Signal Caller, dass er etwas tun, etwas ändern muss. "Mein Gefühl war, wenn ich der Beste sein will, muss ich die Besten schlagen, und wenn die Besten in Michigan sind, muss ich diese Jungs schlagen, wenn ich spielen will. Am Ende habe ich mich dazu verpflichtet, der Beste zu sein."

Parallel startete die Arbeit mit Harden.

Kein Lamentieren mehr

Brady lamentierte fortan nicht mehr, wenn er nur drei Chancen im Training bekam. Er gab alles, um mehr Möglichkeiten zu kriegen. "Am Ende war ich derjenige, der 30 bekam, und die anderen drei." Im dritten Jahr war es, dass Brady den Starter-Job übernahm, allerdings im Duell mit Drew Henson nicht unumstritten war.

Ein Spätzünder.

Er kam in den Saisons 1998 und 1999 auf eine 20-5-Bilanz, warf für 2427 und 2217 Yards sowie insgesamt 30 Touchdowns und 16 Interceptions. Beide Bowl-Spiele gingen an die Wolverines.

Brady war bereit.

"Ich war wirklich sehr, sehr bereit und bestrebt, mich beweisen zu können", sagte Brady. "Aufgrund meiner College-Erfahrung hatte ich viel über Konkurrenz, Teamwork und all die Dinge gelernt, die wirklich wichtig waren, und ich war bereit, auf professioneller Ebene All in zu gehen."

Der Rest ist bekannt. NFL-Historie.

Das irrwitzige Foto

Das irrwitzige Foto vom Combine, das den alles andere als athletisch wirkenden Brady zeigt, die Zweifel der anderen Teams, die New England Patriots, die vor allem von Bradys Mentalität beeindruckt waren und ihn an 199. Stelle auswählten. 

Ohne Frage der größte Draft Steal in der Geschichte.

Brady: "Als ich zu den Patriots kam und Coach Belichick mich auswählte, war ich sein Mann. Und wenn du ihr Mann bist, wollen sie, dass du auch Erfolg hast." Den hatten die Patriots und Brady dann bekanntlich auch.

Die Psyche spielt eben eine nicht unerhebliche Rolle.

Andreas Reiners

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