Sean McVay und die Los Angeles Rams sind zurück in der Erfolgsspur. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesSean McVay und die Los Angeles Rams sind zurück in der Erfolgsspur. © 2020 Getty Images

München/Los Angeles - Nach 11 von insgesamt 17 Spieltagen lichtet sich langsam aber sicher der Kreis der Playoff-Kandidaten in der NFL.

Neben den altbekannten Favoriten für eine Teilnahme an der Postseason gibt es allerdings auch Teams, die sich unbeobachtet in eine gute Ausgangsposition gebracht haben.

Eine Parade-Beispiel dafür sind die Los Angeles Rams, die nach ihrem 27:24-Sieg gegen die Tampa Bay Buccaneers auf Platz zwei in der NFC liegen. Vor der Saison von vielen Experten abgeschrieben, kann sich der Klub nun berechtigte Hoffnungen auf eine Rückkehr in den Super Bowl machen.

 

Erfolg hat seinen Preis

Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, da galten Sean McVay und seine Los Angeles Rams als die neuen Überflieger der NFL. Mit einer fulminanten Offensive war die Franchise durch die Saison gestürmt und schaffte dann auch noch den Sprung in Super Bowl LIII.

Gegen die New England Patriots fand die talentierte Offense allerdings kein Mittel und erzielte magere drei Punkte. Vom "Super-Bowl-Hangover" geplagt kamen die Rams aus der Spur und verpassten 2019 trotz einer Bilanz von 9-7 die Playoffs.

Das Problem der Rams: Aufgrund der "Win Now"-Ausrichtung waren einige Leistungsträger waren mit teils überhöhten Verträgen ausgestattet worden. Das drückte den finanziellen Spielraum des Klubs in die Knie.

Star-Running-Back Todd Gurley war das prominenteste Opfer der Säuberungskampagne im Frühjahr 2020 und musste sich mit einigen anderen Stars nach einer neuen Heimat umsehen. Die 101. NFL-Saison stand unter keinen guten Vorzeichen.

Unerkannt an die Spitze

Acht Monate später scheint sich das Glück gewendet zu haben: Mit sieben Siegen steht die Mannschaft an der Spitze der NFC West, nur ein Spiel trennt die Rams vom aktuellen Spitzenreiter der NFC, den New Orleans Saints.

Der Triumph über Tampa Bay dürfte nun auch die größten Zweifler überzeugt haben, dass mit dem Team aus der kalifornischen Metropole zu rechnen ist. Der Saisonbeginn mit vier Siegen aus fünf Spielen begann vielversprechend, allerdings feierten die Rams alle vier Siege gegen Gegner aus NFC East, der schlechtesten Division in diesem Jahr.

Während sich ein Großteil der Berichterstattung auf die Arizona Cardinals, Russell Wilson oder Tom Bradys Neuanfang in Florida konzentrierte, kletterte die Mannschaft in den folgenden Wochen unauffällig im Playoff-Picture empor und nutze die Fehltritte der Konkurrenz geschickt aus.

Rotation statt Dauerbetrieb

Die Gründe für den "plötzlichen" Erfolg der Rams sind dieselben, die sie 2018 in den Super Bowl und 2019 nicht in die Playoffs führten: McVay setzt vor allem auf die schnellen Receiver Cooper Kupp und Robert Woods, die durch gezielte Play-Action-Pässe von Quarterback Jared Goff angespielt werden sollen.

 

Der einzige Unterschied zum vergangenen Jahr ist das effektivere Laufspiel, das die langen Pässe erst ermöglicht. Mit 124,5 Yards pro Spiel ist die Kombo aus Darell Henderson, Cam Akers und Malcolm Brown zwar nur die neuntbeste Lauf-Mannschaft, 2019 erliefen die Rams im Schnitt aber mehr als 30 Yards weniger (93,7; Platz 26).

An Stelle von eines einzelnen Star-Running-Backs rotiert McVay das Backfield der Rams regelmäßig durch. Henderson, Akers und Brown kommen so zusammen auf 1.059 Yards und neun Touchdowns.

Gerade diese hohe Belastung hinterließ in den vergangenen Jahren ihre Spuren bei Gurley und riss beim Leistungsträger eine schwere Knieverletzung wieder auf. Mit dem aktuellen Vorgehen beweist McVay, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

Die Defense entfaltet ihr volles Potenzial

Ein weiterer Grund für den Aufschwung ist eine deutliche Leistungssteigerung auf Seiten der Defense. Nach dem Karriereende von Defensivguru Wade Phillips übernahm der 37 Jahre alte Brandon Staley die Einheit und formte sie nach seinen Vorstellungen um - mit Erfolg.

Aktuell stellen die Rams mit 291,9 erlaubten Yards pro Spiel die beste Abwehr der NFL, im Schnitt lassen die Mannen um Aaron Donald gerade einmal 19,2 Punkte zu - zweitbester Wert der Liga.

Auch abseits des zweimaligen "Defensive Player of the Year"-Gewinners verfügen die Rams über ein ausgezeichnetes Abwehrbollwerk. Chicagos früherer Erstrundenpick Leonard Floyd blüht nach seinem Wechsel in Los Angeles regelrecht auf, während Routinier Michael Brockers das gegnerische Laufspiel massiv einschränkt.

Und dann ist da noch die talentierte Passverteidigung. Angeführt von Jalen Ramsey, einem der besten Cornerbacks der Liga, stellt Los Angeles die zweitbeste Secondary der NFL - nur 200,6 Yards im Schnitt.

Die Safetys John Johnson, Taylor Rapp und Jordan Fuller kommen zusammen schon auf vier Interceptions.

"Ich bin sehr zufrieden mit ihnen", lobt McVay seine Verteidigung. "Ich glaube, dass wir zusammenfinden und uns langsam an die Neuerungen gewöhnen. Du kannst richtig sehen, wie einige unserer Spieler in das Scheinwerferlicht drängen."

McVay nimmt herausfordernden Spielplan gerne an

Trotz der zuletzt guten Leistungen ist McVay bedacht, seine Mannschaft auf dem Boden der Tatsachen zu halten. Sechs Spiele gilt es noch zu meistern, bevor von einem möglichen Einzug in den Super Bowl geträumt werden darf.

Das Restprogramm der Rams hat es nämlich in sich: Alleine vier Divisions-Duelle erwarten Los Angeles noch, davon zwei gegen Arizona und eine Partie bei den Seattle Seahawks. Hinzu kommt noch ein Thursday Night Game gegen die New England Patriots.

"Mir gefällt es. Wenn du ein Wettkampftyp bist und dir die Namen dieser Teams anschaust, weißt du, dass uns eine Menge außergewöhnlicher Spiele bevorstehen", schwärmt McVay.

"Ich finde unser Spielplan zeigt, wie fokussiert du in dieser Liga sein musst. Es können so viele unerwartete Dinge passieren, wenn du nicht voll bei der Sache bist und deinen Job nicht erfüllst." 

Sechs Spiele im Rampenlicht

 

Nach einem vergleichsweise erfolglosen Jahr wirken die Los Angeles Rams wie neugeboren. Durch eine effektive Mischung aus Offense und Defense stehen sie an der Spitze ihrer Division und zeigen damit, dass auch in diesem Jahr mit ihnen zu rechnen ist.

Bisher konnte sich die Mannschaft von Sean McVay hinter der beeindruckenden Leistungen der anderen Playoff-Kandidaten verstecken und diesem Umstand bestmöglich ausnutzen.

Mit nur noch sechs verbleibenden Spielen haben die Rams die Aufmerksamkeit der gesamten Liga auf sich gezogen und müssen ihre gute Ausgangsposition nun auch bestätigen.

Glaubt man den Aussagen ihres Head Coachs, ist das genau die Herausforderung, die seine Mannschaft sucht.

Tom Offinger

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.