Verpasste einen Großteil der vergangenen Saison: Big Ben - Bildquelle: Getty ImagesVerpasste einen Großteil der vergangenen Saison: Big Ben © Getty Images

München/Pittsbiurgh - "Er hat uns noch nicht umgebracht", antwortete Mike Tomlin, Head Coach der Pittsburgh Steelers, auf die Frage, warum sich für Devlin Hodges anstatt Mason Rudolph entschieden hat. Eine untypische Aussage in einer von diplomatischen Redewendungen geprägten Medienwelt. Eine Aussage, die den Kern des Problems der Steelers in der vergangenen Saison jedoch auf den Punkt trifft: Die Quarterbacks konnten Ben Roethlisberger nicht ersetzen. 

Denn Tomlin ahnte es scheinbar schon. Die Kombination aus Hodges und Rudolph konnte die Steelers nicht in die Playoffs führen. Trotz einer starken Defense. Trotz einer starken Offensive Line. Trotz mehrerer Playmaker in der Offensive. Pittsburgh beendete die Saison mit einer 8-8 Bilanz. Zu wenig. "Ich bin gerade noch ein wenig gefühllos", gab Tomlin bei seiner Abschlusspressekonferenz zu Protokoll. Über ein Update zu Roethlisberger, der seit dem zweiten Spieltag mit einer Ellbogenverletzung außer Gefecht war, habe er nicht.  

Steelers bauen auf Franchise-Ikone

Ein erstes Indiz, inwieweit die Steelers auf ein Comeback ihrer Franchise-Ikone bauen, gab es in der Free Agency und beim NFL Draft. Die Steelers wurden mehrfach mit namhaften, routinierten Quarterbacks in Verbindung gebracht, die sich auf dem Markt wiederfanden. Winston, Dalton, Bridgewater und Co. landeten letztlich bei anderen Arbeitgebern. Im Draft standen die Chancen ohne einen Erstrunden-Pick schlecht, einen Top-Quarterback zu ergattern. Aber auch in den späteren Runden entschied sich die Franchise aus der "Steel City" gegen einen neuen Signal Caller. 

Stattdessen verstärkte sich das Team von General Manager Kevin Colbert in der Offensive Line und komplettierte mit der Verpflichtung von Eric Ebron und Zweitrunden-Pick Chase Claypool ein ohnehin schon starkes Arsenal an Passempfängern. Beide dürften besonders in der Redzone wichtige Anspielstationen werden. Der Plan scheint klar zu sein: Auf Roethlisberger bauen und ihm ein möglichst stabiles und starkes Umfeld zu geben. 

Der Bart ist ab

Mit einem Video meldete sich der 38-Jährige Mitte Mai zurück. Das Video, welches allein auf der Seite von "Big Ben" 1,7 Millionen Aufrufe generierte, zeigt den Quarterback in Trainingklamotten mit ein paar seiner Teamkollegen. Er wirft mehrere Pässe, gut 30, 40 Yards das Feld runter. Gegen Ende des Videos löst er ein Versprechen ein: Sobald er wieder einen NFL-Pass werfen kann, rasiert er sich den Bart ab. Gesagt, getan. 

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass Ben zum Saisonstart bereit ist", ließ Tomlin beim "NFL Network" durchblicken. Die Steelers-Organisation scheint keinen Plan B in petto zu haben. Und "Big Ben" soll Playoff-Football zurück nach Pittsburgh bringen. 

Zurück zu alter Form?

Als Quarterback im hohen "Football-Alter" eine komplizierte Verletzung am Arm zu erleiden, ist natürlich nicht förderlich für das Comeback. 2018 spielte er zuletzt fit, lieferte eine gute Saison ab. 34 Touchdowns und 16 Interceptions gingen auf sein Konto. Besonders Juju Smith-Schuster, der vergangene Saison ebenfalls mit Verletzungen zu kämpfen hatte und nicht dieselbe Chemie mit den jungen Quarterbacks fand, wie mit Roethlisberger, dürfte von einer Rückkehr profitieren. 

Neben Smith-Schuster stehen mit James Washington und Diontae Johnson zwei weitere, hervorragende Abnehmer für die langen Pässe, das Spezialgebiet von "Big Ben", in den Reihen der Steelers. 

Roethlisberger darf sie "nicht umbringen"

Roethlisberger muss keine Spiele mehr allein gewinnen. Bis auf Javon Hargrave kehren alle wichtigen Puzzle-Stücke der Defensive zurück. Die Youngster T.J. Watt und Minkah Fitzpatrick bilden die Basis einer jungen, dynamischen Defensivabteilung, die vergangene Spielzeit in den Top-6 in Kategorien wie "zugelassene Punkte" oder "zugelassene Yards" landete. Über die starke Defense können die Steelers gewinnen, wenn ihr Quarterback sie nicht durch Turnover oder ähnliches belastet. 

Der Franchise-Ikone bleibt mit fortschreitendem Alter nicht mehr viel Zeit, bis das Super-Bowl-Fenster schließt. Nach der nächsten Saison könnten unter anderem Vertragsverhandlungen mit Watt, Smith-Schuster, Fitzpatrick und wichtigen Mitgliedern der Offensive Line anstehen. Alle zu halten könnte sich als schwierig gestalten. 

Roethlisberger muss auf dem Weg zu einem potenziellen dritten Super Bowl mehr als Game-Manager agieren, Sacks und Turnover vermeiden und sich nur im Notfall einen offenen Schlagabtausch liefern. Vor allem sollte er die Steelers "nicht umbringen". 

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