Musste beim Super Bowl LIII heftig einstecken: Rams-Quarterback Jared Goff (... - Bildquelle: Getty ImagesMusste beim Super Bowl LIII heftig einstecken: Rams-Quarterback Jared Goff (am Ball) bekam von der Patriots-Defense richtig Druck © Getty Images

Atlanta/München - In Dankesreden ist Robert Kraft längst geübt. Und so wusste der Owner der New England Patriots natürlich, wen er nach dem Triumph im Super Bowl 2019 besonders hervorzuheben hatte. Auf der rasch herbeigekarrten Bühne in Atlantas Mercedes-Benz Stadium lobte der Unternehmer explizit Bill Belichick und Tom Brady.

Klar, der Head Coach und der "GOAT" sind die Gesichter der erfolgreichsten Dynastie in der NFL-Geschichte. Und die US-Amerikaner lieben kaum etwas so sehr wie moderne Heldengeschichten. 

Patriots siegen mit menschelndem Brady

Das weitgehend maue Duell zwischen den "Pats" und den Los Angeles Rams unterstrich aber, dass der nunmehr sechsmalige Champion aus Foxborough auch dann zu Großem fähig ist, wenn Brady einmal menschelt.

Wie in Atlanta. In seinem neunten Super Bowl handelte sich der 41-Jährige gleich mit seinem ersten Pass eine Interception ein. Das Passer Rating von 71,4 war sein miesester Wert in einem NFL-Endspiel. Umso mehr kam es diesmal auf das clevere Coaching von Belichick und de facto Defensive Coordinator Brian Flores an, die den Rams gefühlt immer einen Schritt voraus waren.

Rams-Offense zerschellt an Patriots-Defense

Dementsprechend stellte der wie immer sehr selbstkritische Rams-HC Sean McVay fest: "Man kann es nicht anders sagen, aber ich wurde ausgecoacht." Die vielgelobte Offense der Kalifornier zerschellte regelrecht an der "Pats"-Defense.

Die Strategie der Patriots war simpel: Der Druck auf Jared Goff wurde stets hochgehalten, so dass der sichtlich nervöse Super-Bowl-Debütant zu teilweise riskanten Pässen gezwungen wurde. Laut Pro Football Focus setzten die Patriots Goff bei über 50 Prozent seiner Snaps unter Druck. Insgesamt 20 Mal blitzten sie den Quarterback, der immer nervöser wurde.

Nur 62 Rushing Yards durch L.A.

Diese Taktik schlug voll ein. Galt die D-Line der Patriots in der Regular Season noch als mittelmäßige Einheit gegen den Lauf, hielt sie die Rams in Atlanta bei 62 Yards. Zum Vergleich: In den beiden vorigen Playoffspielen betrug der Schnitt des NFC-Champions 175 Rushing Yards pro Partie - diesmal liefen sich Todd Gurley und C.J. Anderson dagegen oftmals schnell fest.

"CBS"-Reporter Ryan Wilson nannte die Patriots-Defense "eine komplett andere Gruppe" als in den vorigen Saisonspielen. Diese Analyse stimmte mit der von Brady überein: "Unsere Defense hat ihr bestes Saisonspiel gemacht. Sie haben die Rams gestoppt und die Interception gefangen."

Gilmore weist Lob für Interception von sich

Letzteres gelang Stephon Gilmore, als sich Goff und Co. der Endzone im letzten Viertel plötzlich doch einmal auf gefährlich Weise annäherten. Der neben Brady als einziger "Pats"-Profi in den Pro Bowl gewählte Cornerback wies jedes Extralob aber direkt von sich: "Es war wahrscheinlich einer meiner leichtesten Picks in dieser Saison."

Er habe Goff angesehen, wie dessen Verzweiflung von Snap zu Snap zunahm. Als sich die Patriots zum Blitz entschlossen, habe der Rams-QB dann schnell werfen müssen - und schon wurde der Ball zur sicheren Beute Gilmores. Dieses so selbstsichere Auftreten in einer der ganz wenigen brenzligen Situationen des Super Bowl LIII ist nicht zuletzt Belichick zuzuschreiben - der 66-Jährige findet eben immer die richtige Antwort.

Diverse Widrigkeiten im Spiel der Patriots

Und so blieb das Team auch ruhig, obwohl es diverse Widrigkeiten verdauen musste. Da wären neben der frühen Interception von Brady das verschossene Field Goal durch den sonst so sicheren Stephen Gostkowski, Patrick Chungs Armverletzung oder die beiden zeitigen Timeouts - einmal stand MVP Julian Edelman bezüglich seiner Route auf dem Schlauch.

Ansonsten war der aus Kalifornien stammende Wide Receiver in seinem fünften Super Bowl eine Bank. Mit acht seiner zehn Receptions bescherte er den Patriots ein neues First Down. Brady wusste eben: Wenn es hart auf hart kommt, kann er sich auf seinen langjährigen Weggefährten verlassen.

Fowler mit Rams-Defense zufrieden

Die eigentlich gut aufgelegte Rams-Defense bekam den 32-Jährigen nie in den Griff. Der während der Saison von den Jacksonville Jaguars geholte Dante Fowler fand dennoch: "Am Ende des Tages haben wir insgesamt großartig gespielt. Es gibt nicht oft ein 13:3 im Super Bowl. Das zeigt, wie gut wir vorbereitet waren."

Die wenigen Scores der "Pats" geben ihm durchaus recht. Doch auch die O-Line vor Brady war letztlich ein Punktsieger des Abends. Aaron Donald, der seinen Titel als Defensive Player of the Year erfolgreich verteidigt hat, kam lediglich auf fünf Tackles, vier davon in Gemeinschaftsarbeit. Ein Sack gelang dem fünfmaligen Pro-Bowler in der kompletten Postseason nicht. Nebenmann Ndamukong Suh wurde sogar bei zwei Tackles gehalten.

Suh bringt das Klischee mit Defense und Titeln

Der ehemalige Profi der Miami Dolphins brachte es auf den Punkt: "Wir waren nicht gut genug. Es ist ein Klischee, aber auch die Wahrheit: Die Defense gewinnt die Titel." Diese Blumen nahm Kyle van Noy natürlich gern an. "Wir haben bestens kommuniziert, unseren Plan auf höchstem Level umgesetzt - da muss man nur auf das Scoreboard gucken", lobte der Linebacker.

Wie Dont'a Hightower (zwei Sacks und zwei Tackles) dürfte van Noy angesichts eines Sacks und dreier Tackles Goff und McVay noch einige schlaflose Nächte bereiten. Sie sorgten in erster Linie dafür, dass Brady ein einziger Besuch in der Red Zone genügte, um sich den sechsten Super-Bowl-Ring an den Finger stecken zu können.

Patriots-Defense trumpft schon im Januar auf

Eine Entwicklung, die sich bereits im Januar angedeutet hat. So ließen die Patriots in den Playoffs nur einen Sack zu - Topwert! Die sieben QB-Hits werden nur von den Seattle Seahawks (drei) und den Chicago Bears (fünf) unterboten - beide Teams haben sich aber bereits nach der Wildcard Round in den Urlaub verabschiedet. Und noch eine Statistik, die die Dominanz der Defense untermauert: In jedem Playoffspiel konnten die Patriots ihre Gegner in der ersten Halbzeit auf sieben oder weniger Punkte beschränken. Das gelang zuletzt den legendären Chicago Bears aus der Saison 1985. 

"Ist unsere Defense noch immer schlecht?" warf van Noy den Kritikern dementsprechend entgegen. Die Antwort gab er gleich selbst: "Wir haben elitäre Spieler. Das sind keine Stars, aber jeder tut seinen Job und wird darin immer besser."

Eine wichtige Lehre aus dem Super Bowl LIII. Dafür bedarf es keiner Erwähnung in Krafts Dankesrede.

 

Marcus Giebel

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