Tua Tagovailoa spielte am College für Alabama. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesTua Tagovailoa spielte am College für Alabama. © 2020 Getty Images

Miami/München - Ob Ryan Fitzpatrick wohl wusste, dass seine Auswechslung nicht nur eine einfache Auswechslung war, um einem jungen Spieler etwas Einsatzzeit zu verschaffen, sondern womöglich das Ende seiner Karriere als Starting-Quarterback und der Beginn einer neuen Ära in Miami?

Wenn ja, würde dies Fitzpatricks Abgang noch großartiger machen. Mit beiden Armen wedelte der Quarterback, um das Publikum und seine Mitspieler zum Jubeln zu animieren, um Tua Tagovailoa, seinen designierten Nachfolger, zu feiern.

Der Rookie erlebte in den letzten Minuten des 24:0-Sieges der Miami Dolphins gegen die New York Jets nicht nur sein NFL-Debüt, sondern gleichzeitig auch sein Comeback als Sportler, nach einer schweren Hüftverletzung im Einsatz für das College-Team von Alabama im November 2019. Sogar die Fortsetzung seiner Karriere war vor weniger als einem Jahr in Gefahr, die Sportinvalidität drohte.

"Es ist an der Zeit"

Doch Tagovailoa kämpfte sich zurück. Umso wertvoller sind die zwei Pässe, die der gebürtige Hawaiianer am Sonntag warf. Beide kamen an, für insgesamt neun Yards Raumgewinn. Eigentlich nicht sonderlich spektakulär, im Nachhinein könnten sie aber eine Wendemarke in der Saison der Dolphins sein.

Vielleicht sogar in der jüngeren Franchise-Geschichte. Denn wie NFL-Reporter Tom Pelissero am Dienstag zuerst berichtete, wird Tagovailoa den Starting-Job übernehmen. "Es ist einfach an der Zeit", zitierte Pelissero eine nicht näher genannte Quelle aus dem Umfeld der Dolphins.

Dank Bye-Week hat Tagovailoa mehr Zeit zur Vorbereitung

"Die fürchterliche Verletzung ist jetzt eine Zeit her", erzählte Pelissero im NFL-Network: "Sie haben gesehen, was er im Training leisten kann. Er hat nachgeholt, was er durch die ausgefallene Offseason und Preseason verpasst hat. Nachdem sie ihn nun erstmals auf dem Spielfeld in Aktion gesehen haben, selbst nur in dieser kurzen Zeit, haben sie das Gefühl, dass die Zeit für Tua reif ist."

Die "TuaTime" in Miami hat also begonnen. Dass die Dolphins in einer Bye-Week sind, verschafft dem 22-Jährigen noch mehr Zeit, sich auf das Spiel gegen die Los Angeles Rams in Week 8 vorzubereiten. Miami steht bei einer Bilanz von 3-3, die Playoffs sind in der AFC East mit den Buffalo Bills, den New England Patriots und Jets durchaus möglich.

Aber darum dürfte es den Verantwortlichen gar nicht gehen. Tagovailoa soll schnell lernen, er soll die Dolphins in eine bessere Zukunft führen. Er ist der große Hoffnungsträger, am College war er ein Superstar. Vermutlich wäre der Quarterback die Nummer eins im Draft 2019 gewesen. Aber die gesundheitlichen Bedenken nach seiner schweren Verletzung ließen Tagovailoa fallen, an Position fünf schlugen schließlich die Dolphins zu. Und sie scheinen Glück gehabt zu haben, denn weniger als ein Jahr nach der Verletzung scheint der Signal Caller wieder völlig fit zu sein.

 

Tagovailoa löst seinen Mentor Fitzpatrick ab

Tagovailoa soll das Herzstück der sich im Umbruch befindlichen, jungen Dolphins-Mannschaft werden, das Team viele Jahre als Franchise-Quarterback zu Erfolgen führen. Dass die "TuaTime" in Florida schon jetzt beginnt, ist aber trotzdem ein wenig überraschend. Es war eher damit zu rechnen, dass die Dolphins ihn weiter behutsam heranführen, ihm Kurzeinsätze verschaffen. Zumal der 37 Jahre alte Fitzpatrick zuletzt keinen schlechten Eindruck gemacht hat, auch wenn er bei zehn Touchdowns schon sieben Interceptions geworfen hat.

Immer wieder forderten die coronabedingt wenigen Fans im Stadion zuletzt Einsatzzeit für den Hoffnungsträger, aber Head Coach Brian Flores ließ Tagovailoa an der Seitenlinie. Dort lernte er von Fitzpatrick, der viel mit ihm sprach und ihm seine Entscheidungen auf dem Spielfeld erklärte. Von vorneherein war es in erster Linie Fitzpatricks Job, ein Mentor für den 15 Jahre jüngeren Kollegen zu sein. Nun wird er dies in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten als Backup tun.

Die "TuaTime" hat begonnen

Nach dem Spiel gegen die Jets saß Tagovailoa alleine auf dem Rasen des Hard Rock Stadiums, in der Nähe der 15-Yard-Linie, wo sein erster NFL-Drive geendet hatte. Der Quarterback ging nochmal in sich, dachte über alles nach und rief seine Eltern per FaceTime an, da diese nicht im Stadion sein konnten. Sollte Tagovailoa da schon gewusst haben, dass er künftig Starter ist, erscheint diese Aktion natürlich nochmal in einem anderen Licht.

Denn dann waren es nicht nur ein paar Minuten in der "Garbage-Time", die er bekommen hatte, sondern tatsächlich der Start der "TuaTime" in Miami. Jetzt muss der junge Quarterback liefern, er muss zeigen, dass er nach seiner Verletzung wirklich wieder ganz der Alte ist und die großen Erwartungen schultern kann. Die nächsten Wochen bei den Dolphins könnten tatsächlich sehr interessant werden.

Christian Stüwe

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