NFL-Boss Roger Goodell hat entschieden, dass der NFL Draft 2020 virtuell sta... - Bildquelle: imago/Icon SMINFL-Boss Roger Goodell hat entschieden, dass der NFL Draft 2020 virtuell stattfindet © imago/Icon SMI

München - Wohnzimmer statt War Room, Skype statt persönliche Besprechung - der NFL Draft 2020 (in der Nacht vom 23. und 24. April auf ProSieben MAXX und ran.de) findet in Zeiten von Corona virtuell statt.

Das heißt: Die Verantwortlichen der NFL-Teams dürfen nicht zusammenkommen, sondern müssen einzeln von daheim aus agieren. Dies gab die NFL am Montag bekannt.

"Wir haben diese Entscheidung aus mehreren Gründen getroffen", schrieb Commissioner Roger Goodell in einer Mitteilung. "Es hätten ohnehin nicht alle Teams Zugang zu ihren Einrichtungen gehabt. Dies widerspricht dem Grundprinzip der Gerechtigkeit, dass alle Klubs auf gleiche und faire Weise arbeiten."

Weiter heißt es: "Wir arbeiten nun in einer Umgebung, wie wir sie noch nie erlebt haben. Dies erfordert Flexibilität, Geduld und Zusammenarbeit."

Kein Brauhaus-Draft für die Saints

Die einstigen Pläne einiger NFL-Teams wurden somit über den Haufen geschmissen.

Die New Orleans Saints wollten beispielsweise in einem Brauhaus ihren Draft Room einrichten. Andere Teams hatten geplant, sich in ein großes Hotel oder einen Tanzsaal zurückzuziehen, sodass viel Abstand zwischen den Managern hätte gewährleistet werden können.  

Nun wird jeder Beteiligte vom heimischen Wohnzimmer aus die Picks auswählen - vorausgesetzt die Technik funktioniert.

Goodell rät daher: "Alle Teams sollten ihre Personal- und Technologieressourcen für die Vorbereitung eines komplett virtuellen Drafts mit Personal an verschiedenen Standorten einsetzen."

Die Mitarbeiter der NFL, unter anderem aus dem Bereich Informationstechnologie, würden die Teams dabei unterstützen.

Trades werden zu einer Herausforderung

Der Systemabsturz eines Computers oder ein WLAN-Ausfall könnte im Draft schwerwiegende Konsequenzen haben - vor allem, wenn in den letzten Minuten vor Ablauf des Zeitfensters noch ein Trade eingetütet werden soll.

 

Daniel Jeremiah von "NFL Network" sieht hier die große Herausforderung: "Die Bedenken der General Manager betrifft den Prozess eines Trades. Du bist per Telefon oder Videokonferenz mit deinem Personnel Department verbunden, um zu koordinieren, was du machen willst. Dann musst du mit dem anderen Team verhandeln und auch mit der NFL kommunizieren. Das wird ein bisschen Übung erfordern."

Immerhin: "Es besteht ja noch ein wenig Zeit bis zum Draft."

Verlängerungs-Option im Draft?

Möglicherweise wird die NFL den Teams hier entgegenkommen. Troy Vincent, der Vice President of Football Operations der NFL, soll bereits angekündigt haben, dass die Teams eine ein- oder zweiminütige Verlängerungs-Option erhalten.

Ansonsten hätten die Teams zehn Minuten Zeit zwischen den Picks der ersten Runde, sieben Minuten in der zweiten Runde, jeweils fünf Minuten zwischen der dritten und sechsten Runde und vier Minuten in der siebten Runde.

Die Chicago Bears hatten sich ohnehin auf einen virtuellen Draft vorbereitet und sind dementsprechend entspannt. General Manager Ryan Pace sagt: "Wir haben uns aus technologischer Sicht weiterentwickelt. Die virtuellen Meetings, ob Skype oder Zoom, waren tatsächlich sehr effizient und in gewisser Weise sogar besser."

Auch die Vorbereitungen auf den Draft seien problemlos gewesen: "Der Übergang ins Home Office verlief nahtlos. Ob nun Videos ansehen, Meetings abhalten oder Spieler interviewen - alles hat gut funktioniert."

Praktisch alle NFL-Teams haben viel Geld investiert, um sich mit der besten Informationstechnologie auszustatten. Dennoch ist die Angst, es könne ausgerechnet im Draft einen technischen Ausfall geben, weit verbreitet.

Ein virtuelles Erlebnis im Draft?

Und wie gehen die Spieler damit um? Die werden wegen Corona um das einmalige Erlebnis gebracht, beim NFL Draft vor tausenden jubelnden Zuschauern die Bühne zu betreten. Die Lösung könnte auch hier virtuell sein.

Laut NFL-Insider Ian Rapaport arbeitet die Liga an einem virtuellen Draft-Erlebnis für die Talente. Dabei soll in Zusammenarbeit mit Spielehersteller EA Sports ein künstliches Szenario erschaffen werden, in dem die gedrafteten Spieler die Bühne betreten und auf Commissioner Roger Goodell treffen.

Die Spieler werden dazu von EA gebeten, zu beschreiben, wie sie mit dem Liga-Boss auf der Bühne interagieren möchten.

Eine gewisse Kreativität vorausgesetzt, könnte das unterhaltsam werden.

NFL-Teams veranstalten virtuelle Partys

Überhaupt scheinen alle Beteiligten darum bemüht zu sein, den Draft trotz aller Widrigkeiten zu einem Erlebnis zu machen.  

Die Washington Redskins haben beispielsweise eine dreistündige virtuelle Draft-Party angekündigt. Prominente, Influencer, Trainer und einige Spieler wie Quarterback Dwayne Haskins sollen daran teilnehmen. Die Fans können mit dem Team interagieren und Preise gewinnen. Ähnliches planen die Miami Dolphins.

Die Buffalo Bills wiederum lassen einen Fan direkt am Draft teilhaben. Die Franchise hat ein Gewinnspiel begonnen, bei dem einer der Glücklichen per Telefonkonferenz dabei ist, wenn die Bills ihren ersten Pick anrufen.

Erschwerte Vorbereitung

Nicht nur der Draft selbst, sondern auch die Vorbereitung darauf verlief wegen des Coronavirus anders als sonst. Ging der NFL Combine noch reibungslos über die Bühne, so wurden in den Wochen darauf fast alle Pro Days abgesagt oder zumindest ohne NFL-Scouts abgehalten.

Die Teams konnten keine Spieler zu persönlichen Interviews oder medizinischen Untersuchungen einladen. Vor allem Spieler von kleineren Universitäten wurden somit um die Gelegenheit gebracht, sich den NFL-Teams noch einmal zu präsentieren.

Aus Sicht der NFL-Teams gilt: Jeder noch so kleine Wissensvorsprung kann entscheidend sein.

Mögliche Profiteure sind Zac Taylor, der Head Coach der Cincinnati Bengals, und Matt Patricia, der Head Coach der Detroit Lions. Die beiden standen am 25. Januar beim Senior Bowl an der Seitenlinie.

Die Trainer hatten also die Möglichkeit, bei dem All-Star-Game des College-Footballs mit den größten Talenten zu interagieren und einen persönlichen Eindruck von ihnen zu gewinnen.

Eine Chance, die viele andere Trainer der NFL danach nicht mehr bekamen.     

Oliver Jensen

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