Bruce Arians geht das Risiko mit Antonio Brown nun doch ein - Bildquelle: 2019 Getty ImagesBruce Arians geht das Risiko mit Antonio Brown nun doch ein © 2019 Getty Images

München – Bruce Arians hat "viele Geschichten" gehört. Geschichten von einem Wide Receiver, der "außerhalb des Platzes bessere Entscheidungen treffen und pünktlich sein muss". Der neben seinem Talent auch die kleinen Dinge mitbringen muss, die man von einem seiner Angestellten sehen will. Im Umgang mit dem Spieler gebe es einfach "zu viel Missverständnisse", zu viel "Diventum".

 

Das sagte der Coach der Tampa Bay Buccaneers im Januar 2019 in einem Podcast von "ESPN" über Antonio Brown. Den Wide Receiver, den er nun verpflichtet hat. Der Wide Receiver, der nach der "Diva"-Aussage twitterte, Arians hätte keine Ahnung, wovon er eigentlich redet. Er solle lieber weiter seine Schirmmütze und seine Brille tragen. 

Kein Wunder, dass sich Arians Meinung über seinen neuen Superstar im März 2020 nicht geändert hat. Angesprochen auf eine mögliche Verpflichtung Browns ließ Arians damals keine weiteren Fragen offen. "Das wird nicht passieren." 

Die Bucs hätten für ihn keinen Platz und kein Geld. Kurz: "Es würde in unserer Kabine einfach nicht passen." Daran könne auch Tom Brady nichts ändern.

Tom Brady und Antonio Brown: Bei den Patriots hat es schon einmal gefunkt

"Als Tom bei den Bucs unterschrieben hat, brachte er den Namen Antonio Brown ins Spiel. Arians antwortete mit einem deutlichen 'Nein'", berichtet NFL-Insider Jay Glazer. "TB12" gilt als großer Fürsprecher des Skandal-Receivers und arbeitete bereits bei den New England Patriots mit Brown zusammen.

Ein Rückblick: In ihrem ersten gemeinsamen Spiel zerstörten sie die Miami Dolphins mit 43:0. Ohne viel Eingewöhnungszeit fing Brown vier Pässe für 56 Yards und erzielte gleich einen Touchdown. Nachdem er in Boston anheuerte funkte es sofort, Brady und AB wirkten, als spielten sie schon eine Ewigkeit zusammen.

Der legendäre Quarterback und der beste Wide Receiver der Liga mischten im September 2019 die Liga auf.

Es sollte der Beginn von etwas Großem werden. Der siebte Ring des "GOATs", der erste für den noch unvollendeten Brown. Am Ende ihrer gemeinsamen Zeit kam AB bei den damals amtierenden Super-Bowl-Champions auf … nunja. 56 Receiving-Yards und einen Touchdown.

Es blieb bei dem einen Spiel. In der Woche nach dem Dolphins-Spiel gingen mal wieder Geschichten um. Skandalöse Geschichten von sexuellem Missbrauch, die Browns Zeit bei den Patriots und in der NFL beendeten. Bis jetzt.

Verletzungen der Tampa Bay Buccaneers stimmten Bruce Arians um

Denn die Tampa Bay Buccaneers haben es nun wirklich getan und ihn verpflichtet. Brown hat laut Ian Rapoport einen Einjahresvertrag unterschrieben und soll etwas mehr als das Minimum-Gehalt der NFL verdienen. Dafür gibt es erfolgsabhängige Bonuszahlungen.

Das finanzielle Risiko hält sich demnach in Grenzen. Die Meinung von Bruce Arians hat sich offenbar geändert. 

Laut Glazer soll sich im März hinter dem "deutlichen Nein" nämlich noch ein Nebensatz befunden haben, der wie folgt lautet: "Es sei denn, einige unserer Receiver verletzen sich." Arians habe damals betont, dass er offen für eine Verpflichtung Browns sei, sollten sich "alle unsere Jungs verletzen".

Das Receiving-Corps, das wahrscheinlich eins der Hauptargumente für Bradys Wechsel nach Tampa war, ist nun in der Tat recht angeschlagen und könnte etwas Entlastung vertragen.

Mike Evans spielt seit dem vierten Spieltag mit einem verletzten Knöchel und kann nicht konstant trainieren, Chris Godwin hat sich gerade erst von einer Oberschenkel-Verletzung erholt und Scotty Miller laboriert an seiner Hüfte.

Dazu kommt der lange Ausfall von Tight End O.J. Howard, der sich die Achillessehne gerissen hat und das hohe Alter von Rob Gronkowski, der mittlerweile eher für das Blocken zuständig ist und nicht mehr die Receiving-Zahlen hinlegen kann, die man von ihm aus Foxborough-Zeiten kennt.

Bruce Arians weiß, wozu Antonio Brown fähig ist

Nun wird sich Arians also dazu hinreißen lassen, es für ein Jahr mit AB zu versuchen. Wurde den Bucs schon nach den Brady/Gronk-Krachern der Win-Now-Modus attestiert, kann es jetzt keinen Zweifel mehr geben. 

Sollten die Bucs hinsichtlich einer Brown-Verpflichtung zwischen Chancen und Risiko abgewägt haben, waren es wohl die unbestreitbaren Fähigkeiten des Receivers, die den Ausschlag gegeben haben. 

Denn zu was AB in der Lage ist, hat er mehrfach bewiesen. Unmittelbar unter den Augen Bradys, aber auch unter den Augen Arians, der als Offensive Coordinator der Pittsburgh Steelers während Browns Rookie-Jahr 2010 mit seinem neuen alten Schützling zusammenarbeitete.

"Er hat von allen am härtesten gearbeitet", erinnerte sich Arians in einem Interview 2019. Brown hätte sich damals einen Konkurrenzkampf mit Emmanuel Sanders geliefert. "Mike Tomlin hat ihnen immer gesagt: 'Zwei Hunde, aber nur ein Knochen'. Sie haben uns am Ende der Saison zu Siegen und zum Super Bowl geführt."

Zwar ging das große NFL-Finale gegen die Green Bay Packers verloren, aber Arians und Browns verbindet das gemeinsame Verlangen nach Vollendung. Der 68-Jährige hat den süßen Geschmack des Erfolgs zwar schon als Assistent kennengelernt, jedoch würde ihn ein Sieg als Head Coach nochmal in ganz andere Sphären hieven.

Bruce Arians und Antonio Brown: Eine gemeinsame Chance

Das gleiche gilt für Antonio Brown. Mit guten Saison-Leistungen und einem Sieg im Super Bowl könnte er seine vielen Ausfälle wieder vergessen machen. Er würde wieder primär als Top-Receiver statt als Skandalnudel und "Clown" gelten. 

Dass er nämlich der Spieler mit den ligaweit meisten Receiving-Touchdowns (79) im vergangenen Jahrzehnt war, übrigens direkt gefolgt von Team-Kollege Rob Gronkowski (75), wird hinsichtlich seiner Misserfolge abseits des Platzes schnell vergessen.

Für ihn ist es die ultimative Chance, mit neuen Geschichten auf sich aufmerksam zu machen. Und was wäre eine bessere Geschichte als die der Buccaneers, die es als erstes Team der Historie geschafft haben, einen Super Bowl im eigenen Stadion zu gewinnen.

Mit dem siebten Ring für Tom Brady. Einem traumhaften Comeback von Rob Gronkowski. Und Bruce Arians, der einem Receiver eine Chance gab, die er ihm eigentlich gar nicht mehr geben wollte.

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