Head Coach Brian Flores. - Bildquelle: imago images / ZUMA PressHead Coach Brian Flores. © imago images / ZUMA Press

Miami - Ausreden gibt es immer. Zusammengezimmerte Gründe, fadenscheinige Erklärungen. Denn zugeben wird das Tanking niemand.

Denn es widerspricht allem, was den Sportsgeist ausmacht, führt die Liga, den Wettbewerb und alles, was den Wettstreit ausmacht, ad absurdum. 

Absichtlich verlieren - das US-amerikanische System mit dem Draft macht es möglich, dass sich das lohnt. Man schenkt die Saison ab, um bei der Talenteauswahl im Jahr danach als Erster zugreifen zu können.

"Tanking für Tua"

Üblich ist es schon lange. Genauso lange wird es allerdings auch dementiert. Auch die Miami Dolphins wollen davon nichts hören. Auch in der Offseason nicht, als das Wort die Runde am South Beach machte. "Tanking für Tua" hieß es in den Medien immer wieder, mit Verweis auf den 2020 verfügbaren Alabama-Quarterback Tua Tagovailoa. Oder gar 2021 Clemson-Supertalent Trevor Lawrence.

 

Vielleicht gab es in der Offseason noch Menschen, die den Dementis der Dolphins glaubten. Ehe sich die Franchise selbst übertraf. 

"Hold my Beer" sagten sich die Dolphins am Samstag, als sie ein paar denkwürdige Trades auspackten. 

Tackle Laremy Tunsil und Wide Receiver Kenny Stills zu den Houston Texans, im Gegenzug kommen Tackle Julien Davenport und Cornerback Johnson Bademosi. Zwei wichtige Puzzlestücke weg im Tausch für zwei Backups.

Jede Menge Picks

Wichtiger aber: Die Dolphins erhalten einen Erstrundenpick 2020, einen für 2021 und einen Zweitrundenpick 2021. Bedeutet: Zwei Erstrundenpicks sicher für die nächsten beiden Jahre, dazu jeweils zwei Zweitrundenpicks. Genug Feuer für den neuen Head Coach Brian Flores und den neuen GM Chris Grier, um sich adäquat zu verstärken.

Es waren mehrere Statements. Sportlich: Im Zuge des Rebuild nimmt man in Kauf, 2019 - NFL-Auftakt in der Nacht vom 5. auf den 6. September ab 2:15 Uhr live auf ProSieben - möglicherweise eine unfassbar schlechte Saison abzuliefern. Denn klar ist: Wer ein wenig mitmischen will, gibt nicht zwei Leistungsträger ab.  

Und: Die stattliche Anzahl an hohen Picks ist wichtiger als das funktionierende Team.

Politisch: Stills erhielt zuletzt Morddrohungen, nachdem er Dolphins-Besitzer Stephen Ross dafür kritisierte, dass der für US-Präsident Donald Trump Spenden sammelte. Beide hatten sich ausgesprochen und sich darauf geeinigt, dass sie unterschiedliche politische Ansichten haben. Der Gefahr, dass Stills mal wieder seine unbequeme Meinung sagt, geht man aber trotzdem lieber aus dem Weg.

 

Außerdem geht Linebacker Kiko Alonso zu den New Orleans Saints, dafür kommt Linebacker Vince Biegel. Auch hier verlässt unter dem Strich mehr Qualität die Franchise, dafür lohnt sich der Deal finanziell, da Alonso über sechs Millionen Dollar kassiert. 

Mehr Cap Space

Beim Cap Space schoben sich die Dolphins damit mit rund 36 Millionen Dollar auf Platz zwei hinter den Indianapolis Colts (51 Millionen).

Alles klare Anzeichen.  

Im Grunde ist es aber auch egal, da Tanking vielleicht moralisch verwerflich, aber nicht verboten, geschweige denn nachzuweisen ist. 

Der Grat zum fraglos schwierigen Rebuild eines Teams ist sowieso schmal, die Dolphins sind jetzt qualitativ nun mal arg gerupft. Es ist auf der anderen Seite ein mutiger Ansatz einer Franchise, die nie als mutig galt. Tanking mit Stil, wenn man so will.

Denn wie der "Miami Herald" berichtet, will Dolphins-Besitzer Stephen Ross unter keinen Umständen historisch schlecht abschneiden, weshalb es weiterhin Fixpunkte im Team gibt wie Xavien Howard, dessen Vertrag für 70 Millionen Dollar verlängert wurde. 

Parallel haben die Dolphins Josh Rosen als Quarterback im Feuer. Ein Rebuild findet stets um einen Signal Caller der Zukunft statt, Rosen soll in seinem zweiten Jahr in der NFL nach seinem Wechsel von den Cardinals den Durchbruch schaffen. Oder aber er war dann eben doch nur ein günstiges Experiment.

Beispiel Browns

Ein Experiment ist die Tank-Rebuild-Phase der Dolphins im Grunde auch. Ohne Garantie auf Erfolg, mit hohem Risiko verbunden. Dass man sich aber vom hässlichen Entlein in einen attraktiven Schwan verwandeln kann, zeigen die Cleveland Browns. Sie mussten auch bluten, schafften 2016 und 2017 nur einen Sieg in 32 Spielen. 

Inzwischen soll Quarterback-Hoffnung Baker Mayfield die einst graue Maus mit Stars wie Odell Beckham Jr. oder Sheldon Richardson in eine strahlende Zukunft führen.

Dorthin wollen die Dolphins auch. Spätestens 2021. Dann gibt es auch keine Ausreden mehr.

Andreas Reiners

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