Bill O'Brien. - Bildquelle: imago images/ZUMA PressBill O'Brien. © imago images/ZUMA Press

München – Es wäre eine große Chance, denn es wäre das erste Mal. Und deshalb ist es auch keine Frage: Ein NFL-Trainer, der gemeinsam mit seinen Spielern zum Protest auf die Knie geht, ist ein starkes Zeichen im Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Bill O’Brien würde nicht zögern.

"Ja, ich werde auf die Knie gehen - ich bin komplett dafür", sagte der Head Coach der Houston Texans dem Houston Chronicle.

 

Er redet gar nicht erst um den heißen Brei herum oder versucht, das Thema mit Floskeln abzuspeisen, nachdem bei den ersten Hymnenprotesten um Ex-Quarterback Colin Kaepernick ab 2016 immer nur vereinzelte und vornehmlich schwarze Akteure zum Protest knieten. 

Zur Erinnerung: Noch 2018 hatte die NFL den Hymnenprotest vom Feld verbannt, den Spielern drohte eine Strafe, sie sollten stattdessen in der Kabine bleiben, wenn sie bei "The Star-Spangled Banner" nicht stehen wollten. Das Umdenken setzt seit dem Tod von George Floyd und den landesweiten Protesten auch in der NFL immer stärker und schneller ein. Zuletzt kündigte die Liga an, für den Kampf gegen Rassismus 250 Millionen Dollar spenden zu wollen.

Ein Recht zu protestieren

"Die Spieler haben ein Recht zu protestieren, ein Recht gehört zu werden und ein Recht zu sein, wer sie sind", erklärte O'Brien: "Sie knien nicht, weil sie gegen unsere Flagge sind. Sie knien, weil sie in diesem Land seit über 400 Jahren nicht gleich behandelt werden."

Nun muss man dazu sagen, dass es bei den Texans eine wichtige Grundvoraussetzung für diese Art von Aussagen gibt: O’Brien genießt die volle Unterstützung der Texans-Besitzer, die sich bei der Bewegung und den Protesten engagieren. "Schwarze Leben sind wichtig. Polizeigewalt ist ein Teil davon, aber das ist so viel tiefer. Es ist wie das, was bei George Floyds Beerdigung gesagt wurde: Es geht darum, dass die Menschheit zusammenkommt und sich gegenseitig als gleichwertig behandelt", sagte O'Brien.

Die Spieler konnten zum Beispiel an den #BlackLivesMatter-Protesten teilnehmen, für die Beerdigung in Houston gab O’Brien ihnen zudem frei.

"Wenn man darüber nachdenkt, wie groß das Problem ist, und wenn wir helfen können, in Houston eine kleine Veränderung vorzunehmen, ist es vielleicht wie ein Kieselstein im Teich, der eine Welle erzeugt", sagte Teambesitzer Cal McNair, für den klar ist, dass bei dem Thema alle in einem Boot sitzen. 

Größer als Football

"Was mit George Floyd passiert ist, hat etwas zum Leben erweckt, das größer ist als Football, und man kann es nicht ignorieren. Wir hatten das Gefühl, wir dass wir nicht schweigen können. Wir hatten das Gefühl, dass wir etwas sagen und tun müssen. Wir möchten helfen, Änderungen vorzunehmen", so McNair.

Ein kniender Trainer wäre so eine Änderung. Eine kleine, aber wirkungsvolle.

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