Brady-Beschützer Ali Marpet. - Bildquelle: imago images/Icon SMIBrady-Beschützer Ali Marpet. © imago images/Icon SMI

ran.de: Ali Marpet, wie seltsam ist das Training Camp in diesen schwierigen Zeiten?

Ali Marpet (27): "Es ist definitiv einzigartig, es ist anders, auch was den Zeitplan betrifft. Wir haben eine Akklimatisierungsphase, die länger als sonst ist. Es gibt also mehr Zeit für Walkthroughs oder dafür, sich körperlich einzugewöhnen. Es ist also nicht nur wegen der Maskenpflicht oder des Abstandhaltens anders."

ran.de: Ist das störend im Vergleich zu früher oder einfach nur anders?

Marpet: "Ich denke nicht, dass es stört. Man jammert halt ein bisschen mehr (lacht). Jeder mag gewisse Abläufe für sich, und die gehen teilweise nicht wegen der COVID-Protokolle. Es ist manchmal eben anders, wenn es von der üblichen Routine abweicht."

 

ran.de: Wie gehen Sie selbst mit dem Virus um?

Marpet: "Ich versuche alles, um das Risiko einer Infektion zu verringern. Ich trage also meine Maske und halte Abstand."

ran.de: Wie ist die Stimmung im Team in dieser Situation? 

Marpet: "Ziemlich gut. Das Verständnis, dass wir uns an die Protokolle halten müssen, um eine Saison zu haben, ist gut. Man will nicht, dass an einem Spieltag jemand nicht dabei ist, weil man sich nicht an die Regeln gehalten hat. Niemand will Zeit verpassen. Denn wenn man so viel Arbeit reingesteckt hat, ist es sehr unglücklich, Spiele zu verpassen, weil man nicht so vorsichtig war, wie man hätte sein sollen."

ran.de: Haben Sie über einen Opt-out nachgedacht?

Marpet: "Ich habe es nicht wirklich in Erwägung gezogen. Ich kann diejenigen aber verstehen, die es getan haben und respektiere ihre Entscheidung. Ich hoffe, dass wir durch die Protokolle eine volle Saison haben werden."

ran.de: Glauben Sie, dass alles dafür getan wird?

Marpet: "Ja, ich denke, dass wir alles dafür getan haben, um die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren. Auf dem Feld gibt es natürlich ein gewisses Risiko, wenn zum Beispiel Offensive Line und Defensive Line aufeinander treffen. Aber den Teil kannst du nicht aus dem Football nehmen. Aber bei allem außerhalb der Kontaktzone wird es wichtig sein, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren."

ran.de: Die sportliche Situation bei den Bucs ist auch speziell, mit Tom Brady und Rob Gronkowski kommen Hype und Erwartungen. Stört das? Ist es manchmal witzig? Oder eher motivierend? 

Marpet: "Es ist auf jeden Fall sehr schön, dass die Medien nicht hier im Camp sind (lacht). Im Ernst, das fühlt sich nicht wie eine Ablenkung an. Wir haben sehr hohe Erwartungen an uns selbst, wir haben immer die höchsten Erwartungen an uns selbst. Es geht darum, die eigenen Erwartungen zu erfüllen, nicht die der Medien." 

ran.de: Welche Erwartungen haben Sie an sich selbst?

Marpet: "Ich habe immer den Super Bowl als ultimatives Ziel. Ich gehe immer sehr optimistisch in die Saison, und das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, das Spiel anzugehen. Ich denke, dass uns die Zutaten, die wir hinzugefügt haben, definitiv helfen und wir dieses Jahr eine gute Chance haben."

ran.de: Spüren Sie mit Brady und Gronk im Kader auch mehr Druck?

Marpet: "Ich weiß, dass es schwer zu glauben ist, aber ich glaube wirklich, dass ich, egal wer da ist und wie hoch die Erwartungen sind, das Spiel so wie immer angehen werde."

ran.de: Wie liefen denn die ersten Trainings mit Brady und Gronkowski?

 

Marpet: "Es fühlt sich so an, als hätten wir schon einen langen Weg in einer sehr kurzen Zeit hinter uns. Wir haben zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Pads an und es fühlt sich so an, als kämen wir sehr schnell voran. In der Offense herrscht ein gutes Verständnis. Es ist verrückt: Wir hatten keine Offseason zusammen, aber wir sind in der kurzen Zeit zusammengewachsen. Es läuft."

ran.de: Gibt es etwas bei Brady, das sie überrascht oder beeindruckt hat?

Marpet: "Die größte Überraschung für mich ist, wie wichtig er Football nimmt und wie positiv er immer noch ist. Ich hätte jemanden, der so lange Football spielt wie er, nicht so begeistert erwartet. Er hat aber dieselbe Begeisterung wie ein Rookie, und das ist unglaublich."

ran.de: Wie ist es denn für Sie selbst, immerhin ist es der wohl beste Quarterback der Geschichte, den Sie jetzt beschützen dürfen?

Marpet: "Seine Begeisterung und was er mitbringt, ist ansteckend, es reißt die Leute mit. Das gibt uns eine großartige Möglichkeit, viele Spiele zu gewinnen. Ich bin sehr aufgeregt, endlich loszulegen und zu spielen."

ran.de: Wie läuft denn die Kommunikation mit ihm ab im Moment?

Marpet: "Es ist wichtig, dass der Quarterback und die Offensive Line auf derselben Wellenlänge sind. Dabei helfen die Konversationen, dass wir die Defense auf die gleiche Art und Weise sehen. Wir besprechen dann zum Beispiel, wie wir ein Play gesehen haben, wo wir Druck gesehen haben."

ran.de: Ändert sich an Ihrer Spielweise etwas, wenn Sie Verantwortung für einen 43-Jährigen tragen?

Marpet: "Wie man in der Vergangenheit gesehen hat, hat er einen guten Job darin gemacht, keine unnötigen Hits einzustecken. Was mich betrifft, nehme ich meinen Job sehr ernst, da ist es aber auch egal, wer der Quarterback ist, ob nun Brady, Blaine Gabbert oder Ryan Griffin. Mein Ansatz ist immer der gleiche: Ich weiß, dass ich jeden Block holen muss."

ran.de: Was macht die Buccaneers 2020 aus?

Marpet: "Ich glaube wirklich, dass wir ein hungriges Team sind. Wir verfehlen die eigenen Erwartungen schon seit einer ganzen Weile. Das Team ist bereit, alles dafür zu tun, um erfolgreich zu sein. Die Arbeit zu machen, um endlich zu gewinnen."

ran.de: Sie sind 27 Jahre alt und gehören zu den besten Guards der Liga. Ist eine Offense im Brady-Scheinwerferlicht hilfreich für Sie, den nächsten Schritt zu machen. 

Marpet: "Mehr Primetime-Spiele, mehr Zuschauer und hoffentlich mehr Erfolg gibt vielen unterschätzten Jungs die Gelegenheit, mehr Respekt zu bekommen."

ran.de: Finden Sie, dass die Position des Guard zu schlecht weg kommt in der Öffentlichkeit verglichen mit der Arbeit, die man verrichtet?

Marpet: In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Guard oder die Offensive Line vielleicht nicht so bewertet, wie ich es tun würde (lacht). Sie ist nicht ganz so sexy, die O-Line finden die Leute nicht cool und aufregend. Aber diejenigen, die nah am Football dran sind, verstehen, wie wichtig eine starke Offensive Line ist und wie weit sie dich bringen kann."

ran.de: Sie sind seit Ihrem Debüt 2015 Starter. Was ist der Schlüssel, in die NFL zu kommen, jahrelang dort zu bleiben und erfolgreich zu sein?

Marpet: "Man muss sich selbst bewerten und verstehen, wo deine Stärken und Schwächen liegen und was hilft, um dabei zu bleiben. Jungs, die ihr eigenes Spiel verstehen, haben mehr Erfolg. Außerdem muss es dir wichtig sein, eine Priorität."

ran.de: Wo können Sie Ihr Spiel noch verbessern? Haben sie da bestimmte Ziele?

Marpet: "Ja, technisch gibt es einige Dinge. Denn es ist unglaublich: Ich bin ja schon eine Zeit lang dabei, und doch gibt es immer noch Dinge, bei denen ich mich technisch verbessern muss. Das sind Kleinigkeiten, aber das sind Ziele für mich."

Das Interview führte: Andreas Reiners

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