Kirk Cousins: Top oder Flop? - Bildquelle: imago/ZUMA PressKirk Cousins: Top oder Flop? © imago/ZUMA Press

München/Minnesota - 84 Millionen Dollar für einen Dreijahresvertrag. 28 pro Jahr. 2,3 pro Monat oder 580.000 pro Woche. Und das garantiert! Keine Frage: Kirk Cousins gehört zu den Großverdienern in der NFL. Nur Aaron Rodgers und Matt Ryan bekommen mehr. 

Top drei also. Das Beste vom Besten. Die Crème de la Crème der Signal Caller. Die Unterschied-Macher. GOAT-Sphären. Zumindest was das Gehalt betrifft.

 

An Cousins scheiden sich in Minnesota aber die Geister.

Ist der Quarterback der Vikings so viel Kohle überhaupt wert? Zahlt er auf dem Feld mit barer Münze zurück? Oder ist der Mann ein Flop?

Vorab: Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Die Nuancen zählen, die Dinge zwischen den Zeilen, der zweite Blick. Der lohnt sich.

Starke Werte

Die Statistiken, die nackten Zahlen, verraten: Was Cousins abliefert, ist weit entfernt von einer Katastrophe. Im Gegenteil. 341 Versuche, 241 Completions, was 70,7 Prozent, der beste Wert seiner Karriere und der viertbeste der Liga sind. Er warf bislang für 2521 Yards (Platz zwei in der NFL) und ist damit auf dem Weg zu starken 5000 Yards. Auch das wäre eine persönliche Bestmarke, ebenso wie seine Touchdowns, sollte er die bisherige Ausbeute von 16 (Platz sechs) verdoppeln können. Vier Interceptions (Platz 24) oder sieben Fumbles sind ebenfalls keine Werte, die ihn zum Flop abstempeln würden.

Das wird er aber teilweise. Erst recht nach der 20:30-Schlappe gegen die New Orleans Saints. Ein Spiel, in dem man den Unterschied machen, ein Ausrufezeichen, sich einen Namen machen kann. Saints-Legende Drew Brees als Gegenüber. Der Spitzenreiter der NFC South als Gegner. Das sind Spiele, die einer Saison eine Wende geben können.

 

Aber klar: Eine 4-3-1-Bilanz vor dem Heimspiel in Week 9 gegen die Detroit Lions (Sonntag ab 19 Uhr im Livestream auf ran.de) ist alles andere als berauschend. Vor allem nach einer 13-3-Vorsaison mit dem bitteren Aus gegen die Eagles einen Schritt vor dem Super Bowl im heimischen Stadion.

Die simple Rechnung: 13-3 und Championship Game 2017 plus 84-Millionen-Mann ergibt den Super Bowl. Zumindest aber keine durchwachsene Halbzeitbilanz. 

Man muss ganz grundsätzlich wissen: Das Geschäft hat sich zu diesen Summen hin entwickelt. Heißt: 84 Millionen Dollar garantieren nicht mehr unbedingt einen Brady, Rodgers oder Brees.

Also kein Spitzenniveau über Monate, großes NFL-Kino mit Titel-Ambitionen, sondern verlässliche bis überdurchschnittliche Zahlen, garniert mit einigen Highlights und glanzvollen Zauber-Momenten.Irgendwo zwischen erster und zweiter Reihe.

Der größte Fisch auf dem Markt

Der 30-Jährige war in der Offseason nun mal der begehrteste Free Agent, der größte Fisch auf dem Markt und der Quarterback holte mit seinem damals historischen Vertrag das Beste für sich heraus. Ein Umstand, den man ihm nicht vorwerfen kann und sollte. 

Eine weitere Frage: Wer wären Alternativen für die Vikings gewesen? Aus eigenem Hause die Free Agents Case Keenum, Teddy Bridgewater und Sam Bradford, denen man aus unterschiedlichen Gründen den großen Wurf aber nicht zutraute und sie ziehen ließ. So gesehen war Cousins in dem Moment die beste Lösung.

Hinzu kommt der zweite Blick: Bei 155 seiner Dropbacks wurde Cousins unter Druck gesetzt, Höchstwert in der Liga. Unter dem Strich sind es rund 41 Prozent. Und unter dem Strich kommt Cousins mit diesen kniffligen Situationen ganz gut zurecht. Die aber im Umkehrschluss zeigen, dass die Vikings eher andere Probleme haben als ihren Quarterback.

 

Der übliche Reflex

Bei dem 30-Jährigen ist es zum Teil auch der übliche Reflex, ihn für viele Verfehlungen auf dem Feld verantwortlich zu machen. Beispiel Saints: Im dritten Viertel warf Cousins bei 13:20 unter Druck eine spielentscheidende Interception, allerdings hatte Stefon Diggs bei seinem Lauf überraschend gestoppt, ganz im Gegensatz zu Saints-Cornerback P.J. Williams, der den Ball schnappte und in die Endzone trug. Verantwortlich gemacht wurde Cousins, was aber wie öfter nur die halbe Wahrheit ist. 

Wahr ist aber auch: Der Mann macht Fehler, wirft sich schon mal um Kopf und Kragen, ist in einigen Situationen noch nicht der Mann, den die Vikings sich für ihr Geld versprochen haben. Vor allem in den entscheidenden Situationen. Wie gegen die Los Angeles Rams, als er sich nach einem sonst starken Auftritt im letzten Spielzug einen Fumble leistete und so die 31:38-Niederlage besiegelte.

Auch eine Statistik: Cousins hat Probleme bei den Ws, den Siegen, den wichtigen Siegen. In 66 Spielen als Starter hat er eine negative Bilanz, kommt auf 30 Siege, aber 34 Niederlagen und zwei Unentschieden. 

Trotzdem: Das kann alles noch noch werden. Die Kohle gibt es schließlich für drei Jahre.

Andreas Reiners

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