Kyler Murray: Hat er bei den Interviews ein schlechtes Bild abgegeben? - Bildquelle: imago images / Icon SMIKyler Murray: Hat er bei den Interviews ein schlechtes Bild abgegeben? © imago images / Icon SMI

München – Kyler Murray wird sich möglicherweise fragen, wo er da hineingeraten ist. Denn es ist durchaus ein wenig seltsam, was auf den 21-Jährigen so alles einprasselt, seitdem er sich gegen Baseball und für seine Football-Karriere entschieden und für den Draft angemeldet hat. 

Mit Schlagzeilen und Kommentaren (auch kritischen) musste er rechnen, doch rund um den Combine hat die Berichterstattung eine neue Qualität erreicht. 

Bei der Größe geschummelt?

An die mitunter ins Groteske abdriftenden Diskussionen über seine Körpergröße hat man sich fast schon gewöhnt. Beim Combine wurde er offiziell vermessen, im Anschluss gab es trotzdem Stimmen, die ihm unterstellten, er habe bei den 1,78 Metern ein wenig geschummelt, da er auf dem College offiziell noch ein paar Millimeter kleiner war.

Man könnte drüber lachen, wenn es nicht so lächerlich wäre. Doch es gehört zum Vorgeplänkel vor einem Draft (ab dem 25. April live auf ProSieben MAXX und ran.de) offenbar dazu. Vor allem, wenn man als potenzieller First-Overall-Pick gehandelt wird. Sein Gewicht von knapp 94 Kilogramm und seine Handgröße von 24 Zentimetern sorgten bei Experten wie schon im Vorfeld für wilde Spekulationen, wo er denn nun im Draft landen wird.

Keine Frage: Der Heisman-Trophy-Gewinner ist für einen Quarterback extrem klein. Das kann man kritisch sehen, es ist allerdings noch nicht alles, wofür er angegangen wird.

Murray, der beim Combine nicht warf und auch an den Drills nicht teilnahm, soll bei den Interviews mit den diversen Teams eine ganz schlechte Figur abgegeben haben. 

NFL-Network-Analyst Charley Casserly sprach von den "schlechtesten Kommentaren, die ich jemals zu einem hoch bewerteten Quarterback gehört habe. Und ich mache das schon seit einer Weile. Seine Fähigkeiten als Anführer? Nicht gut. Sein Lernverhalten? Nicht gut. Seine Arbeit an der Tafel? Weniger als nicht gut. All das bringt enorme Fragezeichen mit sich." Seine Quellen nannte Casserly dabei nicht.

Schlecht vorbereitet

Casserly, früher General Manager der Redskins und der Texans, prangerte eine schlechte Vorbereitung an. "Er war nicht vorbereitet. Hört es euch an. Wer immer das gemacht hat, hat einen schlechten Job gemacht", sagte er und betonte dabei, er selbst trainiere über 100 Prospects pro Jahr vor dem Combine. 

Was wiederum die Frage nach einem Interessenkonflikt aufwirft, wenn er von einigen Spielern für die Interview-Vorbereitung bezahlt wird, während er einen bestimmten Spieler (den möglichen Top-Pick auch noch) öffentlich demontiert.

Und klar: Sofort sprangen dem Top-Talent Wegbegleiter zur Seite. Murrays Agent Erik Burkhardt zum Beispiel. Als "widerlich" und "peinlich" bezeichnete er die Aussagen Casserlys, der zudem von einer Agenda getrieben sei: "Er sollte sich schämen. Er hat nicht einmal mit Kyler gesprochen."

Dafür hat Burkhardt sein Netzwerk angezapft und mit Trainern und Offiziellen geredet, die angeblich in acht der zehn Interviews mit Murray saßen. "Alle waren extrem positiv über alle seine Interviews, und alle haben spezifische Beispiele genannt, warum", sagte er. 

Agent und Ex-Coach verteidigen Murray

Er habe kein Problem damit, wenn jemand Murrays Spiel nicht möge oder er Probleme mit seiner Größe habe und darüber sprechen wolle, sagte Burkhardt: "Aber wenn man schlecht über die Arbeitseinstellung und den Charakter eines Jungen spricht, der sich immer den Hintern aufgerissen hat, um in diese Position zu kommen, dann sollte man besser seine Quellen nennen und mit etwas Besserem kommen als mit einer 18-46-Bilanz als General Manager der Texans."

Auch Murrays Ex-Coach Lincoln Riley nahm seinen früheren Schützling auf der Oklahoma State University. Riley hatte bereits in der Vergangenheit Murrays Intelligenz und seine Führungsqualitäten gelobt. Er kritisierte, dass Casserly das Urteil gefällt hat, ohne mit Ex-Trainern oder Ex-Mitspielern Murrays zu sprechen. Riley: "Der Kerl hat in jeder Saison, in der er gespielt hat, gewonnen. Und er hat auf dem höchsten Level gewonnen. In diesem Spiel schafft man das nicht ohne Führungsqualitäten." Eine Fortsetzung der Diskussionen ist sehr wahrscheinlich.

Murray bekommt vor dem Draft am 13. März beim Pro Day noch einmal eine Chance, sich vor dem Draft zu zeigen. Gut möglich, dass er sich dann erneut fragen wird, wo er da hineingeraten ist.

Andreas Reiners

 Du willst die wichtigsten NFL-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein.

US-Sport-Videos

US-Sport-News

Die nächsten Spieltage

NFL 2019 / 2020