Kirk Cousins: Trauma Topspiel. - Bildquelle: imago images/Icon SMIKirk Cousins: Trauma Topspiel. © imago images/Icon SMI

München – Die Ansetzung ist Gold wert. Sonntagmittag Ortszeit. Unauffällig. Nix mit Topspiel. Kein Monday Night Football.

Denn dann wäre das Thema Playoffs für die Minnesota Vikings umgehend erledigt. So besteht am Sonntag (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) zumindest eine theoretische Chance auf einen Sieg in der Wild Card Runde bei den New Orleans Saints. 

Ungeschriebenes Gesetz

Denn es gibt ein paar ungeschriebene Gesetze in der NFL. Tom Brady altert nicht. Antonio Brown findet jedes Fettnäpfchen. Tja, und Kirk Cousins kann Montagabend nicht gewinnen. 

 

Neunmal spielte er an dem besonderen Termin als Quarterback mit seinem Team, neunmal verlor er. Oder anders gesagt: Er liefert nicht, wenn die Nation zuschaut, wenn die Topspiele anstehen. 

Kritiker würden den Vorwurf sofort ausweiten: Cousins gewinnt nie Spiele, wenn es um etwas geht, egal welcher Wochentag gerade ist. Monday Night Football als Synonym für das Versagen auf hohem Niveau. Für eine beängstigende Regelmäßigkeit, wenn es darauf ankommt. Das Topspiel als Trauma sozusagen. 

Sein Problem: Mit seinem 84-Millionen-Vertrag für drei Jahre ist er von der Kohle her in der NFL ganz vorne dabei, der Druck und die Erwartungen sind dementsprechend.

Der Gegenwert? Streitbar, er sorgt deshalb immer wieder für kontroverse Diskussionen.

Guter Mann mit Einschränkung

Cousins ist ein guter NFL-Quarterback, mit guten Zahlen, aber auch mit der wichtigen Einschränkung: Ganz oben, auf dem ganzen hohen Niveau, im Vergleich mit Kollegen wie Brady, Drew Brees, Aaron Rodgers, wenn also die Fehlerquote gering, die Qualität sehr hoch und die Luft dünn wird, geht ihm vorher schon selbige aus. 

Ein Spielmacher für Siege, aber nicht für Titel. Oberes Drittel, im Schatten der Topstars, hinter der ersten Reihe. Ein guter Nebendarsteller, der mit seinen 31 Jahren immer noch auf die große Rolle, auf den Durchbruch wartet.

Ein Kopfproblem? 

Zu einem gewissen Teil, klar, schließlich hat Spitzensport immer auch eine mentale Komponente, die nicht zu unterschätzen ist, und das in beiden Richtungen. Das hat er zum Beispiel in dieser Saison schon bewiesen. Auch, dass es positive Auswirkungen haben kann.

Als zu Beginn mal wieder Kritik auf ihn einprasselte, als frustrierte Fans und Kritiker ihm nach einer 2:2-Bilanz zum Start zum x-ten Mal die 28 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr vorwarfen, münzte er es in positive Energie um, führte das Team anschließend zu sechs Siegen in sieben Spielen. 

Mehr Feuer nach Kritik

"Manchmal, wenn ich frustriert und genervt bin, ist da ein bisschen mehr Feuer. Es kann dich auch in Schwierigkeiten bringen, wenn du nicht aufpasst, aber ich denke, dass es helfen kann. Es passieren Dinge innerhalb und außerhalb des Klubs, die dich motivieren. Man findet Motivation, wo immer es geht", erklärte Cousins. 

Das Problem: Cousins kann die Kracher nicht. Vor dem Spiel bei den Saints poppt sein Trauma wieder auf, kommt seine schwache Bilanz wieder auf den Tisch.

Dabei kommt er 2019 auf 3603 Yards, 26 Touchdowns und sechs Interceptions, ein Rating von 107,4 und ein Completion Percentage von 69,1.

Keine Frage: Das sind ziemlich gute Werte, mit denen er sich auf hohem Niveau messen kann.

So gut er von den Statistiken her bei Siegen aussieht, so sehr stürzt er bei Niederlagen ab. Die setzte es 2019 dann, wenn die großen Namen kamen. 

Die NFC North verspielten die Vikings durch zwei Niederlagen gegen die Green Bay Packers sowie Pleiten gegen die Kansas City Chiefs und die Seattle Seahawks. Seine Completion Percentage in diesen Spielen: 43,8 und 51,6 sowie 50 und 57,9 Prozent. Vier seiner sechs Interceptions warf er in diesen Spielen. Sein Rating: 52,9 und 58,8 sowie 94,2 und 87,2.

Natürlich sind die Zahlen nur ein Aspekt der Niederlagen, nicht jede Schlappe, auch nicht die am Montagabend, geht alleine auf das Konto von Cousins. 

Trotzdem: Ein Spitzenspiel-Problem ist nicht von der Hand zu weisen.  

Weiter die Regel?

Klar scheint: Wer die Topspiele schon in der Regular Season nicht kann, wo sich trotz einer Niederlage neue Chancen bieten, wie soll er die können, wenn es wie in den Playoffs um alles oder nichts geht? Wenn es darum geht: Hero oder Zero? 

Bislang war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass Cousins mehr Zero als Hero ist. Das Gute: Diese Gesetze dürfen gebrochen werden. Zur Not dadurch, indem er sich im Vorfeld von der Kritik ein bisschen nerven lässt.

Andreas Reiners

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