Niners-Coach Kyle Shanahan zeigte sich nach dem Spiel überrascht von der sof... - Bildquelle: imago images/UPI PhotoNiners-Coach Kyle Shanahan zeigte sich nach dem Spiel überrascht von der soften Linie der Referees im Super Bowl © imago images/UPI Photo

München - Gleich vorweg: An den Unparteiischen lag es nicht, dass die Kansas City Chiefs den Super Bowl 54 mit einer furiosen Aufholjagd gegen die San Francisco 49ers doch noch für sich entschieden. Auch die Niners selbst waren nach der bitteren Niederlage faire Verlierer. "Unsere Defense hat uns mehrfach in die Position gebracht, das Spiel zu gewinnen. Aber wir haben es in der Offense einfach nicht geschafft", sagte etwa Tight End George Kittle nach der Partie.

Dennoch ärgerten sich nicht wenige 49ers-Fans über Entscheidungen der Referees. Zwar blieben skandalöse Fehlentscheidungen aus. Doch gleich in mehreren Situationen hatte Kansas City bei Spitz-auf-Knopf-Entscheidungen das Glück auf seiner Seite. ran.de nimmt die strittigsten Szenen des Super Bowls unter die Lupe.

 

Szene 1: Offensive Pass Interference gegen George Kittle

Erst wissen die San Francisco 49ers eine Minute vor der Halbzeitpause selbst nicht so recht, was sie mit dem Ballbesitz anfangen sollen. Dann entscheidet sich Jimmy Garoppolo doch noch für einen weiten Pass - und was für einen! Tight End George Kittle fängt das Ding nach 42 Yards. Sieben Sekunden vor Schluss sind die 49ers zumindest in Field-Goal-Distanz und könnten ihre Führung ausbauen. Doch dann fliegt eine gelbe Flagge: Offensive Pass Interference entscheiden die Refs. Kittle, der schon seinen Catch bejubelt, kann es kaum fassen.

Doch die Erklärung kommt von Al Riveron, NFL Senior Vice President of Officiating, via Twitter: "Der Receiver streckt seinen Arm aus und hält so Abstand, während der Ball in der Luft ist. Daher ist es eine Offensive Pass Interference."

Tatsächlich ist Kittles Arm bei genauen Hinsehen nach hinten ausgestreckt, um Daniel Sorensen auf Distanz zu halten. Doch im Regelchaos um die Pass Interference hat sich auch in dieser Saison noch keine klare Linie durchgesetzt. Mal wird es in dieser Saison gecallt, mal nicht. Kittle selbst reagiert nach dem Spiel sportmännisch: "Der Ref hat so entschieden, damit muss ich leben."

Szene 2: Keine Flagge bei Pass Interference gegen Emmanuel Sanders

Umso bitterer für San Francisco, dass die Refs eine Pass Interference von Charvarius Ward gegen Emmanuel Sanders vier Minuten vor Schluss des dritten Viertels bei zweitem Versuch und acht schlichtweg übersehen. Ward hängt sich dabei wie ein Rucksack an den Rücken des schnelleren Sanders, der keine Chance mehr hat, einen Pass von Garoppolo zu erreichen. Das Spiel läuft dennoch weiter.

Szene 3: Helmet to Helmet gegen Jimmy Garoppolo 

5:18 Minuten vor Schluss der Partie: Ballbesitz für die Niners, die zu diesem Zeitpunkt noch 20:17 führen. Ben Niemann bricht beim Third Down durch die O-Line und tackelt Garoppolo knallhart, kurz nachdem der den Ball in höchster Not wegwirft. Es ist ein harter Treffer mit dem eigenen Helm gegen Garoppolos Helm. Jimmy G ist sichtlich durchgerüttelt. Eine Flagge für Roughing the Passer bleibt allerdings aus. Das passt zwar zur Linie der Unparteiischen in diesem Super Bowl, weniger aber zur verschärften Regelauslegung der vergangenen zwei Jahre in der NFL. Für ähnliche Hits hat es in dieser Saison schon Flaggen gegeben.

Niners-Head-Coach Kyle Shanahan sagt nach der Partie zur Linie der Unparteiischen: "Von der Seitenlinie kann man nicht alles so gut beurteilen. Aber es hat mich schon gewundert, wie sie ihre Defense haben spielen lassen." Das Ende des Drives: Vierter Versuch, die 49ers müssen punten. Der kommende Ballbesitz beschert den Chiefs die Führung. Doch auch die ist umstritten …

Szene 4: Touchdown oder nicht?

Denn 2:44 Minuten vor Schluss fällt beim Stand von 17:20 aus Sicht der Chiefs die wohl kontroverseste - und wichtigste - Entscheidung der Partie: Running Back Damien Williams erhält einen Swing Pass von Mahomes und läuft in Richtung rechte Ecke der Endzone. Wegen zwei Niners-Defendern muss Williams Out of Bounds hechten und hält den Ball dabei mit beiden Händen über die rechte Pylone an der Endzone. Die Entscheidung der Refs: Touchdown! Doch dann beginnt das Rätselraten: Berührt Williams mit seinem rechten Fuß schon die weiße, seitliche Spielfeldbegrenzung, bevor sich der Ball in der Luft über der Pylone befindet? Selbst die x-te Zeitlupe kann dazu keinen Aufschluss liefern. Was dann passiert, beschreibt Al Riveron auf Twitter korrekterweise so: "Nach der Überprüfung gab es keinen klaren visuellen Beweis, um die Entscheidung auf dem Spielfeld für einen Touchdown aufzuheben."

Fehlentscheidung? Wahrscheinlich wird man es – ähnlich wie beim legendären Wembley-Tor – nie herausfinden. Fakt ist: Am Ende sind die Niners mal wieder die Leidtragenden. Der Extra-Punkt ist gut, die Chiefs übernehmen mit 24:20 kurz vor Schluss die Führung.

 

Szene 5: Playclock? Egal!

Doch selbst danach wird es für San Francisco noch einmal bitter: Denn eigentlich ist die Playclock bei dem darauffolgenden Drive bei viertem Versuch und zehn Yards schon abgelaufen, als die Niners ihren Snap schließlich ausführen. Doch die Refs stoppen den Spielzug nicht, um die Niners den Versuch mit einer Yards-Strafe neu ausführen zu lassen, sondern lassen ihn laufen. Er endet ohne Ertrag und mit dem Turnover on Downs. Der Ball geht an die Chiefs, die direkt im Anschluss mit dem zweiten Touchdown von Williams den Deckel draufmachen. So wird am Ende sogar eine strittige Entscheidung, die für die Niners fällt, am Ende für sie zum Boomerang. 

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