Jay Gruden bemängelt fehlende Macht nach seinem Aus bei den Redskins - Bildquelle: 2019 Getty ImagesJay Gruden bemängelt fehlende Macht nach seinem Aus bei den Redskins © 2019 Getty Images

München/Washington - "Wenn die Schlüssel zum Trainingsgelände am Montag noch passen, werde ich weiterarbeiten", sagte Jay Gruden auf der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen die New England Patriots.

Doch am Montagmorgen passten die Schlüssel von Gruden nicht mehr ins Schloss. Die Verantwortlichen der Washington Redskins hatten genug gesehen und trennten sich nach fünf Jahren Amtszeit von Gruden. Bill Callahan, bisher Assistant Head Coach und verantwortlich für die Offensive Line, übernimmt den Posten als Interimstrainer.

 

"Es war notwendig", sagte Team Präsident Bruce Allen auf einer Pressekonferenz am Montag. "Unser Start mit fünf Niederlagen ist sehr enttäuschend. Wir hatten uns deutlich mehr erhofft."

 

Mehr erhofft hatte sich auch Gruden. Er beklagte nach seiner Freistellung mangelnden Einfluss. "Wenn du nicht der GM bist, dann musst du akzeptieren, dass du nicht alles bekommst, was du willst. Du akzeptierst die Spieler, die dir gegeben werden", sagte Gruden. 

Zwar habe er in ein paar Bereichen Input geliefert, aber generell gebe es doch "große Probleme". "So geht es den meisten Coaches. Man hat nicht das Sagen", erklärte der 52-Jährige. Das müsse man meistern "und mit den Jungs arbeiten, die man hat". Gruden soll unter anderem mit der Verpflichtung von Quarterback Dwayne Haskins unzufrieden gewesen sein. 

Gruden führt Verletzungen an

Für Gurden liegen die Gründe seines Scheiterns auch in den zahlreichen verletzten Spielern. "Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt all meine Spieler zur Verfügung hatte. Es ist schwierig", sagte Gruden. Zwar habe man durchaus teure Spieler im Kader, aber diese seien nie auf dem Feld gestanden.

Der entlassene Head Coach sieht die Situation bei den Redskins im Vergleich zur NFL-Konkurrenz als besonders ausgeprägt. "Manche Teams verlieren einen Quarterback oder einen Tackle", sagte Gruden und zählte auf: "Wir haben einen Quarterback, einen Tackle, Guard, Center, Wide Receiver oder Running Back verloren. Das steckt man nicht so einfach weg." 

Gruden gestand sich aber ein, dass die Leistung in der Verteidigung und in anderen Bereichen nicht gut genug war. Dafür spricht auch die Bilanz von 0-5. "0-5-Coaches halten sicht nicht lange", weiß auch Gruden. 

Die Redskins müssen sich nun fragen, warum es zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison bereits nötig war, den Head Coach zu wechseln. 

Bereits vor der Saison Wackelkandidat

Gruden galt schon zu Saisonbeginn als Wackelkandidat, nachdem die Redskins 2018 sechs der letzten sieben Spiele verloren hatten.

Nach einer guten ersten Halbzeit beim diesjährigen Eröffnungsspiel bei den Philadelphia Eagles brachen die Redskins in der Folge komplett ein. Weder offensiv noch defensiv war eine Identität erkennbar.

Das Resultat: fünf Niederlagen, 53:144 Punkte.

 

Kritiker warfen Gruden über Jahre hinweg eine schlechte Körpersprache und zu konservatives Coaching vor. Zudem soll es auch am Respekt bei seinen Spielern gemangelt haben. 

"Es ist klar, dass sich etwas ändern muss", sagte Running Back Adrian Peterson nach der Partie gegen die Patriots. "Wir stehen bei 0-5. Wir waren in der Offensive zu harmlos. Die Coaches müssen sich zusammensetzen und analysieren, was wir in der Offense sowie in der Defense besser machen können. Es ist ihr Job, das zu tun. Was wir bisher getan haben, hat offensichtlich nicht funktioniert", gab Peterson frustriert an.

Zu diesem Zeitpunkt wusste der Running Back nicht, dass Gruden mit den geforderten Änderungen nichts mehr zu tun haben wird.

Wer ersetzt Jay Gruden?

Das Positive an der schnellen Entlassung: Washington kann die Saison abhaken und sich auf die Zukunft konzentrieren. Besitzer Daniel Snyder und Allen haben genug Zeit, einen passenden Nachfolger für Gruden zu finden. Doch wer ist aktuell überhaupt auf dem Markt?

Wie "ESPN" berichtet, stehen Steelers Head Coach Mike Tomlin, Buccaneers Defensive Coordinator Todd Bowles und Chiefs Offensive Coordinator Eric Bieniemy ganz oben auf der Wunschliste von den Redskins.

 

Zudem wird, sobald es um einen neuen freigewordenen Head Coach Posten in der NFL geht, der Name Lincoln Riley besonders hoch gehandelt.

Riley coachte beim College-Team Oklahoma Sooners bereits Baker Mayfield und Kyler Murray zum Nummer-1-Pick und hat aktuell großen Erfolg mit Jalen Hurts. Der 36-Jährige gilt als Quarterback-Flüsterer und könnte Dwayne Haskins sofort unter seine Fittiche nehmen.

Außenseiterchancen könnte auch der aktuelle Offensive Coordinator der Redskins, Matthew Andrew Cavanaugh, haben. Cavanaugh ist seit 2015 als Assistenztrainer in Washington angestellt und war von 2015-2016 Quarterbacks Coach unter dem damaligen Offensive Coordinator Sean McVay.

Vielversprechende Kandidaten für Grudens Nachfolge gibt es demnach einige. Die eigentliche Frage lautet jedoch: Welcher dieser Coaches möchte unter Snyder und Allen arbeiten?

Die Hauptverantwortlichen in der Hauptstadt genießen keinen besonders guten Ruf in der Branche. Seitdem Snyder das Team 1999 kaufte, hat der 54-Jährige bereits acht Coaches eingestellt, von denen er sieben entließ.

Führungsetage steht in der Kritik

In der letzten Woche kamen sogar Spekalutionen auf, dass Gruden Haskins nicht draften wollte. Doch Snyder soll gegen der Empfehlung des ehemaligen Head Coaches den Quarterback aus Ohio State verpflichtet haben.

Allen fiel im Laufe der Jahre vermehrt negativ mit merkwürdigen Personalentscheidungen auf.

Seitdem der Team Präsident die Geschicke der Franchise leitet, tradete Allen 2010 für den damals 33 Jahre alten Quarterback Donovan McNabb - verließ das Team nach nur einem Jahr - verkalkulierte sich in der Personalie Kirk Cousins und tradete stattdessen für Alex Smith, für den Allen den vielversprechenden Cornerback Kendall Fuller sowie einen Drittrundenpick abgab.

Allen konnte in seiner zehnjährigen Amtszeit kein Team zusammenstellen, das in den Playoffs konkurrenzfähig war. Bei zwei Teilnahmen gewannen die Redskins kein Spiel.

Fraglich, ob einer der oben genannten Kandidaten zu dieser dysfunktionalen Franchise wechseln möchte.

"Tank Bowl" gegen die Miami Dolphins?

Auch in Zukunft können die Fans der Redskins von der Postseason nur träumen. Denn im Gegensatz zu einem Team wie den Miami Dolphins, die ihre besten Spieler für eine zahlreiche Draftpicks abgaben und massenweise Cap Space schufen, weiß bei den Redskins niemand so genau, wohin der Weg führt.

Durch die großzügigen Verträge für Alex Smith, Josh Norman, Paul Richardson, Landon Collins und Jordan Reed haben die Redskins kaum Flexibilität unter dem Salary Cap.

Darüber hinaus befindet sich Offensive Tackle Trent Williams weiterhin im Holdout, da der siebenmalige Pro Bowler der medizinischen Abteilung in Washington nicht mehr vertraut.

 

In der kommenden Woche treffen die Redskins ausgerechnet auf die Dolphins. Das Spiel wird ein guter Gradmesser, ob sich das Team der Hauptstadt nochmal zusammenreißen kann oder doch eher um den Nummer-1-Pick im kommenden Jahr spielt.

Umbruch muss eingeleitet werden

Die Partie könnte absurde Züge annehmen, wenn beide Mannschaften insgeheim nicht auf Sieg spielen wollen.

Allein der Fakt, dass die Redskins plötzlich ein heißer Kandidat auf den ersten Draftpick 2020 sind, zeigt, dass die Krise in Washington nicht nur an Gruden festzumachen ist.

Vielmehr scheinen die Probleme in der Vereinsführung verwurzelt zu sein. Sollte Washington nicht schleunigst einen radikalen Umbruch einleiten, droht den Hauptstädtern eine äußerst ungemütliche Zukunft.

Denn Gruden war für die Redskins nur eines der zahlreichen Probleme.

Raman Rooprail

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Notifications für Live-Events.

Hier geht es zum App-Store zum Download der ran App für iPad und iPhone.

Hier geht es zum Google-Play-Store zum Download der ran App für Android-Smartphones.

US-Sport-Videos

US-Sport-News

Die nächsten Spieltage

NFL 2019 / 2020