Mike Mayock: Zusätzlicher Druck von Jon Gruden. - Bildquelle: imago images / Icon SMIMike Mayock: Zusätzlicher Druck von Jon Gruden. © imago images / Icon SMI

München/Oakland – Jon Gruden genießt die Situation. Endlich mal nicht im Mittelpunkt. Im Zentrum der Erwartungen. Der möglichen Kritik. Endlich mal nicht die Zielscheibe.

Deshalb machte sich der Head Coach der Oakland Raiders einen Spaß daraus, den Druck noch ein bisschen zu erhöhen. 

"Versau es nicht", gab er seinem General Manager für den Draft (ab dem 25. April live auf ProSieben MAXX und ran.de) in Nashville mit auf den Weg: "Ich habe für die drei Erstrundenpicks einiges auf mich genommen."

Klar: Vom Erfolg bei der Wahl der besten Talente des Landes hängt für die Oakland Raiders einiges ab. Immerhin hat Gruden bei dem erklärten Umbruch stark auf diese Karte gesetzt, steckte durch die Trades von Khalil Mack und Amari Cooper Prügel, aber auch zwei Erstrundenpicks ein. Zusätzlich zu dem eigenen. Acht Picks sind es insgesamt.

Die Raiders sind damit erst das vierte Team in den letzten 30 Jahren und das erste seit den Rams 2001, das mit so vielen Waffen in den Draft zieht: Nummer vier, 24 und 27 in Runde eins, dazu in Runde zwei Nummer 35. 

Aber: Zwischen 35 und 106 sind die Raiders raus, dort klafft eine ziemlich große Lücke. Erst in Runde vier bei Nummer 106 ist Mayock wieder dran. Was den Druck auf ihn nicht mindert, immerhin ist es sein erster Draft in einer verantwortlichen Position. 

Er löste Ende Dezember Reggie McKenzie bei den Raiders ab und kam so mit 60 Jahren zu seinem NFL-Debüt. Er ist "von der anderen Seite", ohne den großen Background als Verantwortlicher, sondern von den Medien. Nach seiner überschaubaren Spieler-Karriere in den 80er Jahren mit neun Spielen wurde er Journalist, für Sender wie ESPN, CBS Sports, FOX und ABC.

Der Draft-Guru

In der Zeit ist er ein echter Talente-Experte geworden. Ein Draft-Guru.

Denn als Experte für NFL Network hat er das kommentiert und analysiert, was die General Manager bei der Talenteschau in der Vergangenheit so fabriziert haben. 

Hat die Zuschauer mit Informationen gefüttert, Picks und Trades vorhergesagt oder empfohlen, in den Himmel gelobt oder in der Luft zerrissen. Hat dabei eigene Wortkreationen hervorgebracht wie "Burp the Baby", "High Motor Guy", "Dancing Bear" oder "Bubble Butt".

Schaut man sich seine Einschätzungen und Vorhersagen der vergangenen Jahre zum Beispiel bei Quarterbacks an, lag er oft richtig, aber auch einige Male ziemlich daneben. Wie das bei einem Draft eben so läuft. Als Experte hat man natürlich auch nicht den großen Druck.

Jetzt ist er selbst einer derjenigen, der die ganz großen und wichtigen Entscheidungen trifft. Vom TV-GM zum realen GM – mit allen Konsequenzen. 

Und ja, mit vielen guten Picks. Damit ist viel möglich. Man kann aber auch eine Menge falsch machen.

Spektakuläre Free Agency

Deshalb hat er seit seinem Amtsantritt keine Zeit verloren. Die erste Chance, sich zu profilieren, hat er genutzt, denn die Free Agency war mit 19 Verpflichtungen, darunter Antonio Brown, Trent Brown, Lamarcus Joyner, Tyrell Williams, Vontaze Burfict, Brandon Marshall und Isaiah Crowell, bereits spektakulär.

Bedenkt man, dass Mayock gar keine Autoverkäufer-Talente, die in der Free Agency bisweilen gefordert sind, nachgesagt werden, steigen die Erwartungen für den Draft. 

Denn das ist sein Spezialgebiet, seine Stärke: Das richtige Auge für die Prospects, das Wissen um den Zeitdruck, schnelle Entscheidungen und den schmalen Grat zwischen dem bestmöglichen, verfügbaren Talent und den eigenen Roster-Baustellen. Und von denen hat das Team, das die vergangene Saison mit einer 4-12-Bilanz beendete, immer noch einige.

 

Sein Motto für den Draft: Keine Unterschiede machen. "Das habe ich in den vergangenen 18 Jahren gelernt: Wenn du einem Siebtrunden-Jungen und dem Free-Agent-Jungen nicht so viel Respekt entgegenbringst wie dem Erstrunden-Jungen, dann wirst du niemals ein Team aufbauen."

Mayock lässt sich nicht in die Karten schauen, welche Taktik er verfolgt, welche Ziele, welche Talente er im Blick hat. Auch das gehörte zu einem Lernprozess. Früher musste er so viel wie möglich darüber reden, jetzt muss er schweigen.

Die Tage sind lang, die Nächte auch. 24/7, ein spannender Prozess, aber auch anstrengend, kräftezehrend. Bei seiner ersten Pressekonferenz vor dem Draft nannte er seinen Quarterback David Carr. Klar, ein Versprecher. Aber die anstrengenden Wochen des Umbruchs und Aufbruchs sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen.

Er weiß, was die Coaches wollen

Je näher der Draft rückt, desto intensiver werden die Diskussionen nochmal, desto herausfordernder die Arbeit. Es wird Uneinigkeiten geben, Zoff, Kompromisse.

Als Sohn eines Coaches wisse er, wie Trainer denken, was sie wollen, sagte er.

Und er weiß natürlich auch, wie das Geschäft funktioniert. "Das ist der Deal: Gewinnen wir, ist alles prima. Verlieren wird, werde ich gefeuert."

Also: Versau es nicht.

Von Andreas Reiners

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