Von den Bears zu den Broncos: Vic Fangio. - Bildquelle: imago/ZUMA PressVon den Bears zu den Broncos: Vic Fangio. © imago/ZUMA Press

München/Denver - Vic Fangio lässt sich nicht unter Druck setzen. Hektik? Aufregung? Stress? Fremdwörter für den 60-Jährigen. In der Ruhe liegt die Kraft. Und in der eigenen Überzeugung.

Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Fangio auf seine Interviews für den Job als Head Coach keine Minute vorbereitet hat? "Ich habe null gemacht", verriet er im Vorfeld: "Kein bisschen. Ich weigere mich."

Klare Ansichten, keine Diskussionen. Dabei es ist ja nicht unbedingt so, als würde er das täglich machen.

Im Gegenteil.

Der ewige Assistent steht noch nicht lange kurz vor der Beförderung, ist erst seit ein paar Jahren in der Verlosung, wenn es um Head-Coach-Jobs geht. 

32 Jahre in der NFL

Drei (!) Interviews hatte er in seiner NFL-Karriere bisher. Und die dauert immerhin schon 32 (!!) Jahre. 19 davon arbeitete er als Defensive Coordinator für fünf verschiedene Teams. Acht Mal schafften es seine Abwehrreihen in die Top Ten der Liga.

Fangio hat die Verantwortlichen in Denver auch ohne akribische Vorbereitung auf die Gespräche überzeugt, er soll endlich wieder Stabilität zu den Broncos bringen. Immerhin ist er der vierte Coach in sechs Jahren. In den letzten drei verpasste die Franchise jeweils die Playoffs. Versucht wurde viel, geklappt hat nur wenig. "Ich musste keine schicke Präsentation machen, ich habe nur das Zeug genutzt, das ich seit Jahren täglich nutze", sagte er. Mit Erfolg.

 

"Vic hat uns mit seiner Aufmerksamkeit für die Details beeindruckt", sagte Denvers General Manager John Elway: "Sein Fokus liegt auf den Grundlagen, der Technik und darauf, disziplinierten Football spielen zu lassen. Mit seiner Intelligenz und Erfahrung passt er perfekt und ist exakt das, was wir als Head Coach benötigen."

Fangio mag in den letzten Jahren nicht der begehrteste Kandidat auf dem Trainermarkt gewesen sein, sein Meisterstück lieferte er aber fraglos 2018 ab, als er die Defense der Chicago Bears zum Besten formte, was die NFL zu bieten hat.

Bitte sehr: Die Bears beendeten die Regular Season auf Platz eins in den Kategorien zugelassene Punkte (17,7), Takeaways (36), zugleassene Yards pro Play (4,8), zugelassene Rushing Yards (80), zugelassenes Passer Rating (72.9) und die wenigsten zugelassenen Big Plays (67). 

Mack und Co. im Pro Bowl

Plus: Unter seiner Regie wurden Khalil Mack, Akiem Hicks, Kyle Fuller und Eddie Jackson in dieser Saison Pro Bowler. Er hat den Ruf, seine Spieler besser zu machen, das Beste aus ihnen herauszuholen. In Denver erwarten ihn in Von Miller und Bradley Chubb zwei exzellente Pass Rusher. Die Vorfreude ist groß. Und auch die Neugier. Miller saß bei der ersten Pressekonferenz seines neuen Head Coaches in Reihe eins. Hörte aufmerksam zu, als Fangio ankündigte, er könne dafür sorgen, dass er noch besser spiele.

"Evil Genius" nannte Mack seinen Ex-Coach. "Ich denke, er meinte, wie einfach es für ihn war, in unser System zu finden. Ich denke, er hat es als Kompliment gemeint", sagte Fangio. 

Es spricht für ihn, dass man ihm in Chicago nachtrauert, sein Abgang ein herber Verlust ist. Auch menschlich. Auch wenn nicht jeder Spieler von Anfang an mit seiner Art zurechtkam.

Denver bekommt einen Head Coach, der Probleme offen anspricht, dabei auch Konfrontationen oder große Namen nicht scheut. Durch diese Art und seinen trockenen Humor hat er sich bei den Spielern nicht nur einen Namen gemacht, sondern auch den Respekt erarbeitet. Sie schätzen seine klaren Worte. Kein Blabla, kein Hintenrum, keine Phrasen.

Fangio setzt auf Disziplin

"Es ist mein Ziel, jeden Spieler besser zu machen, dann werden wir automatisch besser", kündigte er an. Fangio setzt auf Prinzipien, auf Disziplin. "Einer kommt 30 Sekunden zu spät. Für sich keine große Sache. Lässt man es zu, kommen am nächsten Tag zwei Jungs zu spät, und dann keine 30 Sekunden, sondern zwei Minuten. Und so weiter."

Klar ist: Die Broncos haben einen Head Coach, der ein Defense-Künstler ist. Genau das bekommen sie von ihm auch. Was die Offense betrifft: "Ich glaube an Balance. Man braucht sie zwischen dem Pass- und Laufspiel. Ich weiß es, weil ich es verteidigen musste."

Natürlich wurde er auch nach seinen Gedanken dazu gefragt, dass es 32 Jahre lang gedauert hat bis zum Chefsessel. Im Grunde sei es nicht anders als 1995, als er erstmals Defensive Coordinator wurde. "Man glaubt natürlich immer, dass man den Job machen kann. Und es ist einfach, daran zu glauben, wenn man ihn gerade nicht macht. Dann bekommt man aber plötzlich den Job und die Verantwortung", so Fangio. Er weiß, was von ihm erwartet wird: "Ok, du wolltest es. Jetzt hast du es. Und jetzt hast du besser Erfolg."

Er machte trotz allem einen aufgeräumten, zuversichtlichen, selbstsicheren Eindruck. Smart. Denn unter Druck lässt sich Vic Fangio nicht. Auch nicht als Head Coach.

Andreas Reiners  

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