Hände weg! Tre'Davious White (l.) von den Buffalo Bills leistet sich gegen P... - Bildquelle: Getty ImagesHände weg! Tre'Davious White (l.) von den Buffalo Bills leistet sich gegen Phillip Dorsett von den New England Patriots eine Pass Interference © Getty Images

München - Was dem Fußball sein Handspiel-Wirrwarr ist, ist in der NFL seit diesem Jahr die Pass Interference (PI) - ein Ärgernis, über das Spieltag für Spieltag hitzig diskutiert wird. Dabei sollte doch alles besser weil transparenter werden durch die neu gewährte Möglichkeit, die unfairen Aktionen während der Flugphase des Balles per Review überprüfen zu lassen.

Doch stattdessen wurde die PI eine Wissenschaft für sich, bei der nicht einmal die Superhirne an der Seitenlinie noch wirklich durchblicken. "Ich weiß wirklich nicht mehr, was eine Pass Interference ist", soll Matt LaFleur, Head Coach der Green Bay Packers, laut "New York Times" gesagt haben.

Rote Flagge wegen Pass Interference kann Timeout kosten

In der Jubiläumssaison können eben die Chefs an der Seitenlinie die Rote Flagge werfen, um einen PI-Call oder eben eine nach ihrer Ansicht übersehene PI checken zu lassen. Im Misserfolgsfall auf Kosten eines Timeouts, das dem Team abgezogen wird.

Die Statistik nach den ersten neun Spieltagen zeigt: Die Head Coaches tun gut daran, das rote Tuch erst gar nicht fliegen zu lassen. 53 mal war das bislang der Fall - nur fünfmal wurde die Entscheidung des Referee-Teams revidiert. Macht eine Erfolgsquote von mickrigen 9,4 Prozent.

Raiders-HC Gruden: "Als hätte ich Stiff Arm kassiert"

Besonders einsatzfreudig zeigt sich Jon Gruden von den Oakland Raiders. Der extrovertierte Head Coach schien zuletzt aber schon zu resignieren, sagte laut "Las Vegas Review-Journal": "Ich fühle mich, als hätte ich einen Stiff Arm kassiert. Ich denke, ich stehe bei Null von 27." Tatsächlich lautet seine persönliche Bilanz Null aus Vier. Dennoch glaube er an die neue Regel.

Da steht Gruden jedoch mittlerweile womöglich auf der Seite einer Minderheit.  So nannte der für den Sender "Fox" als Regel-Experte arbeitende Mike Pereira, früher selbst im Führungsstab der NFL tätig, die neue PI-Regelung "eine Überreaktion auf ein Play". Damit spielte er natürlich auf die übersehene PI in der Schlussphase des NFC Championship Game zwischen den New Orleans Saints und den Los Angeles Rams an.

 

Noch kein PI-Call wurde nach Challenge revidiert

Die US-Nachrichtenagentur "Associated Press" mutmaßt, das Problem liege darin begründet, dass durch das Review der Standard für eine PI höher angelegt werde. Das allerdings würde nicht erklären, warum die insgesamt 18 Versuche der Head Coaches fehlschlugen, einen PI-Call zu revidieren.

Dean Blandino, wie Pereira einst für die NFL tätig und jetzt Regel-Experte bei "Fox", kritisiert: "Wir haben Plays erlebt, die klare Pass Interferences waren. Wenn diese auf dem Feld geahndet worden wären, wäre das bestätigt worden. Aber wenn es keinen Call gab, wurden sie nicht nachträglich bestraft. Ich denke, darin liegt die Frustration."

"Auf Regeländerungen folgen unbeabsichtigte Konsequenzen"

Er würde wohl wie Pereira die Uhr lieber wieder zurückdrehen - auf das vergangene Jahr. Letzterer erinnert sich mit Grausen an seine Zeit im NFL-Office: "Wenn es eine Aktion gab, die total unfair wirkte, und die Regeln dann geändert wurden, folgten direkt unbeabsichtigte Konsequenzen. Ich denke, das erleben wir hier." Quasi der Fluch einer (eigentlich) guten Tat.

Von der NFL gibt es keine Statements. Wahrscheinlich will die Liga nicht den Fehler wiederholen, als die Regeln für einen Catch enger gefasst und durch sprachliche Anpassungen immer unübersichtlicher wurden.

"NBC"-Experte Dungy: "Fans fühlen sich dumm"

Da die PI-Revolution zunächst nur für die aktuelle Saison beschlossen wurde, könnte ab 2020 wieder auf die Regelung ohne Challenge-Möglichkeit zurückgerudert werden. Das würde wohl auch Tony Dungy begrüßen. Der zweimalige Super-Bowl-Sieger und "NBC"-Experte wettert: "Du bringst Teams dazu, Timeouts zu verlieren, deine Funktionäre unfähig zu wirken und Fans sich dumm zu fühlen."

Zu den Verteidigern der PI-Replays zählt Mike Tomlin. Der Head Coach der Pittsburgh Steelers sitzt auch im Wettbewerbskomitee, das die Neuerung absegnete. "Meine Position ändert sich nicht wegen der Vorkommnisse in den Stadien. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen, alles getan um die Integrität des Spiels zu wahren und das Spiel auf angemessene Weise zu schützen", betont der zweimalige Super-Bowl-Champion.

Durch die hinzugewonnene Transparenz aufgrund der zahlreichen Wiederholungen stehen besonders die Refs im Brennpunkt. Die haben übrigens bislang zehn PI-Situationen auf eigene Initiative überprüfen lassen, was zu vier Revidierungen führte. Zumindest von dieser Seite scheint sich die Änderung gelohnt zu haben.

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