In nur sieben Jahren vom Undrafted Free Agent zum Offensive Coordinator: Kel... - Bildquelle: imagoIn nur sieben Jahren vom Undrafted Free Agent zum Offensive Coordinator: Kellen Moore. © imago

München/Dallas - NFL = Not For Long - so besagt es ein den meisten Football-Fans vermutlich wohlbekanntes Sprichwort. Definitiv ist bekannt, dass die NFL ein extrem schnelllebiges Geschäft ist. Wer nicht performt, der fällt durch das Raster und ist raus.

Die Karriere vieler Profis verlief exakt nach diesem Muster. Und genau dieses Muster schien sich auch bei Quarterback Kellen Moore anzudeuten.

Anstatt durch das Raster zu fallen, schaffte Moore allerdings das genaue Gegenteil und legte eine besondere Karriere hin. Der mittlerweile 30-Jährige zeigte, dass man in der NFL auch überraschend und unerwartet aufsteigen kann - und das nicht nur mit sportlichen Leistungen auf dem Platz.

Denn Moore hat bisher eine beeindruckende Karriere hinter sich. Eine Karriere, die ihn innerhalb von nur sieben Jahren vom Undrafted Free Agent bei den Detroit Lions zum Offensive Coordinator der Dallas Cowboys machte.

Vom College-Star zum Draft-Verlierer

In den Jahren vor seiner Karriere als aktiver NFL-Spieler avancierte Moore auf dem College zum Star. Als Quarterback der Boise State University lieferte er stark ab. Mit 50 Siegen bei drei Niederlagen hält er den Rekord für die meisten Siege eines Starting Quarterbacks in der NCAA Division I. Über die vier Jahre, die er startete, warf er für 142 Touchdowns und nur 28 Interceptions.

Im NFL-Draft 2012 wurde Moore dann aber ob der starken Konkurrenz außen vor gelassen. Unter anderem hatte er das Nachsehen hinter Spielmachern wie Andrew Luck, Russell Wilson oder Nick Foles. Viele NFL-Analysten sahen in ihm nicht das große Potenzial für einen Starting Quarterback. Neben seiner Größe von nur 1,83 Metern wurde auch an seiner Beweglichkeit und seiner Wurfkraft gezweifelt.

Erst nach dem Draft schlugen die Detroit Lions zu, verpflichteten ihn als Undrafted Free Agent. Es wurde spekuliert, ob Moore früher oder später den damaligen Starter Dan Orlovsky ablösen könnte. Jedoch ließ ihm der damalige Lions-Coach Jim Caldwell keine Sekunde NFL-Luft schnuppern. Nach drei Jahren ohne einen einzigen Einsatz verließ Moore Detroit und schloss sich den Dallas Cowboys an.

Dritter Backup in Dallas

In Dallas war von Beginn an gar nicht daran zu denken, dass Moore auch nur annähernd um die Starter-Rolle kämpfen könnte. 2015 diente er bei den Cowboys als dritter Ersatzmann im Practice Squad hinter Tony Romo, Brandon Weeden und Matt Cassel. Dennoch bekam der ehemalige College-Star spät in der Saison ein paar Einsätze.

Moore profitierte von einer Verletzung von Starter Tony Romo und schwachen Leistungen von Weeden und Cassel. Beim Spiel gegen die New York Jets am 19. Dezember 2015 betrat er zum ersten Mal das Feld während eines Regular-Season-Games. Sein zweiter Karriere-Pass war dabei direkt eine Interception. Zwei weitere Interceptions sowie ein Touchdown-Pass folgten in der Partie. Die Cowboys verloren allerdings und waren damit sicher raus aus den Playoffs.

Da eh keine Postseason-Chance mehr bestand, durfte Moore die folgenden zwei Spiele starten. Seine Gesamt-Statistiken über die drei Einsätze: 61 Completions für 779 Yards, vier Touchdowns, sechs Interceptions und ein Passer Rating von 71,0. Gute Statistiken sehen definitiv anders aus.

Und das Problem: Es blieben seine einzigen Statistiken, die er je in der NFL als Spieler sammelte. Im Jahr 2016 fiel Moore die gesamte Saison mit einem Wadenbeinbruch aus. 2017 musste er sich als Backup hinter Franchise-Spielmacher Dak Prescott einreihen.

Der Einstieg ins Coaching-Business

Sechs Jahre NFL, eine schwere Verletzung, lediglich zwei Einsätze als Starter. Wie bei so vielen zuvor, schien Moores Karriere am Scheideweg zu stehen, gar zum Scheitern verdammt zu sein. Eine wichtigere Rolle als die des ewigen Backups schien ihm verwehrt.

Auch vermutlich deshalb entschloss Moore sich, einen anderen Weg zu gehen. Sein grundsätzliches Spielverständnis sowie seine Fähigkeiten als Mentor von Dak Prescott müssen die Dallas Cowboys sehr überzeugt haben: Sie stellten Moore als Quarterback-Coach ein.

Und seine Arbeit zeigte Wirkung. Im Vergleich zur Saison 2017 steigerte sich Prescott unter Moores Leitung in der vergangenen Spielzeit. Insgesamt warf er für 3.885 Yards, 661 mehr als im Vorjahr. Seine Interception-Zahl senkte sich von 13 auf acht und sein Passer Rating verbesserte sich von 86,6 auf 96,9.

Nicht nur, dass Prescott an seine Form aus der Saison 2016 herankam, als er "Offensive Rookie of the Year" wurde. Er führte die Cowboys auch wieder in die Playoffs.

Prescott lobt neuen Mentor

Prescotts Leistungen spiegeln die Arbeit Moores wider. Auch deshalb lobt der junge Quarterback ihn überschwänglich: "Er ist einfach einer dieser jungen, genialen Phänomene in diesem Spiel. Er ist besonders. Er weiß sehr viel über das Spiel. Er ist dem Spiel voraus. Er bringt uns viel Kreativität."

Und genau diese Genialität und Kreativität brachte ihm auch prompt die nächste Beförderung ein. Erst im Februar dieses Jahres machten die Cowboys Moore zum Offensive Coordinator neben Head Coach Jason Garrett. Mit nur 30 Jahren ist er damit aktuell der jüngste OC in der NFL. Ein mutiges Unterfangen der Cowboys. Schließlich kann Moore noch nicht sonderlich viel Coaching-Erfahrung vorweisen.

 

Entwicklung in der Cowboys-Offensive

Die Cobwobys schenken Moore allerdings ihr Vertrauen, lassen ihn kommende Saison die Plays callen. Head Coach Garrett ließ zuletzt durchblicken, dass Moore die Offense der Cowboys ein wenig umkrempeln könnte. Unter dem 30-Jährigen soll eine Entwicklung stattfinden, eine neue Sprache gesprochen werden. Die Offensive soll gleich verschiedene Stile und Systeme beherrschen. Was genau das bedeutet, wird sich aber wohl erst in der Saison zeigen.

Kellen Moore hat es jedenfalls geschafft. Geschafft, das schnelllebige NFL-Business zu überleben. Und das trotz - oder gar wegen - des ausbleibenden sportlichen Erfolgs als aktiver Spieler.

Doch bei allen Vorschusslorbeeren: Als Offensive Coordinator muss Moore erst noch liefern. Denn auch das Coaching Business unterliegt Jahr für Jahr neuen Rotationen ...

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