Clowney gegen Wentz: Foul oder kein Foul? - Bildquelle: Getty ImagesClowney gegen Wentz: Foul oder kein Foul? © Getty Images

München/Philadelphia - Nach einem Helm-gegen-Helm-Hit von Defensive End Jadeveon Clowney musste Quarterback Carson Wentz von den Philadelphia Eagles im Wild Card Game gegen die Seattle Seahawks die Partie mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung bereits im ersten Viertel verlassen und kehrte nicht mehr zurück.

Clowney traf Wentz, ohne das dieser es kommen sehen konnte, von hinten am Kopf sowie im Bereich des oberen Rücken und der Eagles-Playmaker ging krachend zu Boden. Eine Strafe zog die Aktion aber nicht nach sich.

Schiedsrichter Shawn Smith erklärte nach der Partie: "Er (Wentz, Anm. d. Red.) lief mit dem Ball und gab sich nicht geschlagen. Wir sahen einen unbeabsichtigten Helmkontakt und nach unserem Urteil war das kein Foul."

In Fachkreisen und auch auf Seiten der Spieler wurde in der Folge hitzig über die konkroverse Entscheidung diskutiert.

 

Peters konfrontierte Clowney

Left Tackle Jason Peters konfrontierte Clowney noch auf dem Feld, nachdem er eine Wiederholung des Hits gesehen hatte: "Ich habe Clowney deswegen angesprochen. Er hat geplärrt, ich habe zurückgeschrien. Ich sagte ihm nur: 'Mann, das war ein schmutziges Play. Und er sagte: 'Mein Fehler.' Und wir spielten einfach weiter. Ich erinnerte ihn danach immer wieder daran, 'Mann, bleib weg von meinem Quarterback.'"

Und Peters ging noch weiter: "Ich bin Left Tackle, ich halte ihm den Rücken frei. Ich beschütze die Blindside. Und ich nehme es persönlich, wenn jemand einen späten Hit einsteckt oder der Quarterback überhart getackelt wird."

Tight End Zach Ertz teilte die Meinung seines Teamkollegen: "Ich dachte, es wäre ein später Hit gewesen. Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt, so wie er wieder aufgestanden ist. Ich bin am Boden zerstört wegen meines Teamkollegen. Es ist wirklich hart."

Eine krasse Fehlentscheidung unterstellte Ertz den Referees aber nicht: "Ich meine, ein Quarterback hat einen Schlag gegen den Kopf abbekommen. Aber es ist, wie es ist. Ich bin mir aber sicher, dass jemand im Weg war oder Ähnliches. Sie (die Liga, Anm. d. Red.) tun alles, um die Spieler zu beschützen, und es gibt sicher einen Grund, warum sie es nicht geahndet haben."

 

Clowney weist Schuld von sich

Auch der für das Ausscheiden des Eagles-Quarterbacks Verantwortliche stellte sich nach der Partie den Medienvertretern: "Ich habe nur schnell gespielt", sagte Clowney noch in der Umkleide: "Er drehte sich, als würde er mit dem Ball laufen. Also habe ich versucht, ihn zu Boden zu bringen."

Eine Intention, seinen Gegenspieler zu verletzen, wies der Seahawk entschieden von sich: "Es war ein Bang-Bang-Play (ein sehr schnelles, explosives Play, Anm. d. Red.) Ich habe grundsätzlich nicht die Absicht, jemanden in der Liga zu verletzen. Das möchte ich festhalten. Ich habe mich selbst schon öfter verletzt, das ist grundsätzlich kein Spaß. Meine Absicht war nicht, ihn zu verletzen."

Und die Schiedsrichter bestätigten Clowneys Einschätzung noch auf dem Feld: "Niemand hat eine Flagge geworfen. Sie haben nichts gesagt. Ich fragte den Schiri, was er denkt. Ob es ein persönliches Foul war und er sagte: 'Keine Ahnung, es ist eine Art Bang-Bang-Play.' Er hat es nicht so gesehen, deshalb hat er keine Flagge geworfen. Wenn er das gedacht hätte, hätte er die Flagge geworfen, aber er hat es nicht so gesehen und damit lasse ich es hinter mir."

 

Clowney mit Late-Hit-Historie gegen Eagles

Die ausbleibende Strafe und damit verbunden mögliche Ejection des Defensive Ends der Seahawks brachte die anwesenden Eagles-Fans im Lincoln Financial Field zur Verzweiflung. Und es war nicht das erste Mal, dass Clowney den "Philly"-Anhang wegen eines dreckigen Plays erzürnte.

In der vergangenen Spielzeit brachte der 26-Jährige, damals noch in Diensten der Houston Texans, Quarterback Nick Foles mit einem krachenden Hit gegen die Brust zu Boden. Die Offiziellen warfen im Gegensatz zu diesem Jahr aber eine Flagge und die NFL verhängte nachträglich eine Geldstrafe gegen Clowney, obwohl dieser behauptete, dass die Strafe später aufgehoben wurde. Der sportliche Unterschied zu diesem Mal: Foles verletzte sich nicht.

Was in Anbetracht der gemeinsamen Historie vor Ort auf ihn warten würde, war Clowney somit bewusst: "Ich habe versucht, den Jungs in meinem Team zu vermitteln: 'Dieses Team hasst mich. Ihre Fans hassen mich aus irgendeinem Grund. Sie denken, ich wollte Nick Foles umbringen. Erinnert ihr euch an den Spielzug? Es war Bang-Bang. Ich habe ihn auch nicht zu Boden gebracht."

Mit fünf Tackles, zwei Tackles for Loss, einem Sack sowie dem Wentz-K.O. hat Clowney nun seinen Platz als einer der Top-Antagonisten der Eagles-Fanschar sicher - in einem Atemzug mit Panthers-Linebackers Greg Favors, der Donovan McNabb im NFC Championship Game 2003 mit einem ebenfalls fragwürdigen Hit verletzte.

Pederson gibt vorsichtige Entwarnung

Head Coach Doug Pederson sprach nach der Partie kryptisch von einer Stressverletzung am Kopf bei Wentz. Zuvor hatte er noch Seahawks-Quarterback Russell Wilson beim obligatorischen Sieger-Handshake auf Nachfrage bestätigt, ob dieser "OK sei": "Ich denke schon. Er wird es verkraften."

Clowney ließ seinem Gegenüber zumindest seine Genesungswünsche ausrichten: "Das ist ein toller Spieler da drüben. Für sein Team und die Organisation hoffe ich, dass er wohlauf ist."

Auf Twitter hielten sich in den Stunden nach der Partie wage Spekulationen, die von einer schweren Verletzung sprachen. Vom Verdacht auf eine Gehirnblutung war dabei unter anderem die Rede.

Am Morgen nach der Partie gab Wentz dann selbst Entwarnung. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Der Spieler machte zwar keine genauen Angaben zu seiner Verletzung, bedankte sich aber für die moralische Unterstützung und kündigte an, mit den Eagles in der kommenden Saison wieder voll angreifen zu wollen.

Daniel Kugler

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