Dank Le'Veon Bell soll es im MetLife Stadium bald wieder einiges zu feiern g... - Bildquelle: imagoDank Le'Veon Bell soll es im MetLife Stadium bald wieder einiges zu feiern geben © imago

München/New York - Die New York Jets haben tief in die Tasche gegriffen, um mit Le'Veon Bell einen Superstar ins MetLife Stadium zu holen. 52,5 Millionen Dollar kassiert der 27-Jährige für die kommenden vier Jahre.

Was die Jets dafür bekommen?

Einen Running Back, der nicht nur viele Yards und Touchdowns verspricht, sondern das gesamte Team besser macht - so ist jedenfalls der Plan.

Bell soll mehrere Rollen gleichzeitig ausfüllen: Running Back, Slot Receiver, Wide Receiver. Einfach Arbeitstier - und manchmal auch nur Lockvogel.

Bell zählt zu den wenigen Spielern der NFL, die mit ihren Fähigkeiten auch die Mitspieler besser machen könnten.

Sam Darnold: Defense Coordinator weiß nicht, was auf ihn zukommt

Da wäre zum Beispiel Quarterback Sam Darnold. Der Erstrundenpick von 2018 spielte eine durchwachsene Saison. Allerdings war die Offense aufgrund des schwachen Laufspiels auch leicht auszurechnen. In lediglich zwei Partien der vergangenen Spielzeit hatten die Jets einen 100-Yard-Rusher - beide Male war es Isaiah Crowell.

Die gegnerische Defense konnte sich also auf das Passspiel der Jets fokussieren.

Diese Zeiten dürften mit Bell Vergangenheit sein. "Wenn er im Huddle steht, weiß der Defense Coordinator nicht, wo er sich aufstellen wird . Er weiß nicht, was auf ihn zukommt", sagt Darnold bei "ESPN". "Mit Le'Veon sind wir etwas unberechenbarer geworden, einfach weil er auch so ein großartiger Routenläufer ist. Er läuft nicht nur Fünf-Yard-Routen, sondern könnte zum Beispiel auch tief gehen."

Adam Gase: Bell enttarnt die Taktik der Defense

Laut Head Coach Adam Gase hilft Bell sogar dabei, vor dem Snap das System der Defense zu verstehen - zumindest wenn er ihn in eine Receiver-Position vorrückt. Wenn sich die Defense dann nicht verschiebt, spielt sie eine Zonen-Deckung. Rückt ein Safety vor, um Bell zu decken, handelt es sich um eine Man-Coverage.

Bell kann vor dem Snap Positionen in sämtlichen Formationen einnehmen. "Es gibt fünf verschiedene Spots, an die er gehen kann", sagt Gase.

Und er fügt hinzu: "Wenn Sie einen Mann haben, der all diese verschiedenen Dinge tun kann und gut darin ist, ist es sehr schwierig, zu verteidigen. Diese Art von Flexibilität setzt die Verteidigung stark unter Druck. Es ist schwierig, alles abzudecken, daher vereinfachen sie die Verteidigung. Das hilft auch den anderen, weil sie sich so sehr auf Bell konzentrieren."

Gewöhnungsprozess mit der O-Line

Gleichwohl müssen sich die Mitspieler auch erst einmal auf den besonderen Stil von Bell einstellen. Der Running Back hat vor allem eines: viel Geduld. Statt direkt nach der Ballübergabe durchzupreschen, wartet er lieber, bis sich eine Lücke auftut. In der Saison 2017 - 2018 hatte er ausgesetzt - verbrachte er pro Carry durchschnittlich 3,09 Sekunden hinter der Line - der höchste Wert aller Running Backs.

"Er wird ein bisschen tanzen und dann einfach durch die Lücke gehen. Es wird zunächst etwas ungewohnt sein, bis wir dann ein Gefühl dafür entwickelt und uns an ihn gewöhnt haben. Aber wenn es soweit ist, werden wir einiges an Schaden anrichten", schickt Left Guard Kelechi Osemele schon einmal eine Warnung an die gegnerischen Verteidigungen.

In Left Tackle Kelvin Beachum gibt es immerhin einen Spieler, der den Stil von Bell bereits gut kennt. Die beiden waren drei Jahre lang Mannschaftskameraden bei den Pittsburgh Steelers. "Ich könnte genügend Spiele aufzählen, in denen er die gegnerische Defense wortwörtlich aus dem Spiel genommen hat", schwärm der O-Liner noch immer.

Ob ihm das auch im Dienste der Jets gelingt?

Acht-Mann-Front: Defense wird Betonmauer auffahren

Sicher ist, dass die Situation bei den New York Jets eine andere sein wird. Bestes Beispiel: In Pittsburgh stand Bell nur selten einer Acht-Mann-Front gegenüber - 2017 in nur 19,9 Prozent seiner Carrys. Im Gegensatz zu den damaligen Steelers haben die Jets allerdings keinen Wideout wie Antonio Brown.

Frank Pollack, der Offensive Line Coach, rechnet damit, dass die Gegner gegen Bell eine Betonmauer auffahren werden. "Ich würde meinen Job nicht machen, wenn ich nicht mit einer Acht-Mann- oder einer Neun-Mann-Box rechnen würde", sagt er. "Das sollte aber keinen Einfluss darauf haben, wie wir vorgehen."

Bell soll Wege für Wide Receiver öffnen

Der Vorteil wäre, dass eine Acht-Mann- oder sogar Neun-Mann-Front den Wide Receivern viel Freiraum in der Tiefe bietet. Die beiden Wide Receiver Robby Anderson und Quincy Enunwa, die mit der Ausbeute aus der vergangenen Saison nicht zufrieden waren, erhoffen sich durch Bell einen positiven Einfluss.

"Das erlaubt es uns, verschiedene Spots einzunehmen. Er kann outside, inside, oder im Backfield spielen. Die Defense muss vieles erraten", sagt Enunwa. Anderson ergänzt: "Er kann Wege für mich öffnen und uns dabei helfen, Punkte auf das Board zu bringen und mehr Big Plays zu machen."

Bell darf Einfluss auf das Playbook nehmen

Adam Gase, der auch als Playcaller agieren wird, möchte sich jedenfalls von Bells Vergangenheit in Pittsburgh inspirieren lassen: "Ich werde mich auf das fokussieren, was er gut kann. Ich kann mir so viele Videos wie möglich aus Pittsburgh ansehen und sagen: Das hat er damals getan, das kann mein Ausgangspunkt sein."

Gase verspricht eine enge Kommunikation mit dem Running Back und möchte ihn bei der Auswahl der Spielzüge mit einbeziehen.

Sollte Bell wirklich all den Wünschen der Mitspieler und Trainer gerecht werden, wäre er die 52,5 Millionen Dollar tatsächlich wert.

Oliver Jensen

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