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München – Will Grier konnte sich bestens vorbereiten. Zurücklehnen. Einordnen. Als Zuschauer den ganzen Hype verfolgen. Denn eigentlich wäre er selbst mittendrin gewesen. Beim Draft. Inmitten des Trubels um die angeblich beste Quarterback-Klasse. Doch er hatte den Blick von außen.

Denn Grier entschied sich Ende 2017, sein Senior-Jahr auf der West Virginia University zu absolvieren. Was ihm das Leben aber nicht unbedingt einfacher macht, denn der Draft-Hype erreicht nun auch ihn, denn nach der Talenteschau 2018 ist vor dem Draft 2019. Und Grier wird bereits jetzt als potenzieller Nummer-eins-Pick gehandelt, mindestens aber als Heisman-Anwärter.

"Ein großartiger Leader"

Ja: Noch bevor überhaupt ein einziger Snap der College-Saison gespielt ist. Was nur unterstreicht, wie verrückt das Brimborium um die besten Talente des Landes geworden ist. Bereits für den diesjährigen Draft hatte man für ihn die Runden zwei bis vier vorhergesagt, ehe er sich dagegen entschied. "Er ist ein großartiger Leader. Das sind positive Nachrichten für alle", sagte Coach Dana Holgorsen, der mit Grier ganz andere Ziele verfolgen kann als ohne seinen Leistungsträger.

Unter dem Strich ist die Verlängerung seiner College-Karriere aber eine kluge Entscheidung, wenn man sich seine Laufbahn anschaut. Die verlief nämlich nicht geradeaus, sondern mit Abwegen. Inklusive einer Sackgasse. Mit einem Jahr Pause. Und einem Wechsel. Oder eher einer Flucht?

Fakt ist: Grier kann durchaus starke Zahlen vorweisen. In der vergangenen Saison brachte er bei den Mountaineers fast 65 Prozent seiner Pässe zum Mann, für 3.490 Yards mit 34 Touchdowns und zwölf Interceptions. 317,3 Yards pro Spiel, neun Yards pro Versuch. All das in zehn Spielen, ehe ein Fingerbruch inklusive OP seine Saison vorzeitig beendete. Er gehörte in diversen Kategorien zu den Top 10 des Landes. “Pro Football Focus" führt ihn aktuell als besten Spieler des Draft 2019. Spieler. Nicht Quarterback.

Starker Wurfarm, aber zu klein?

Ein starker Wurfarm, ein akkurater Werfer, ein unglaublicher Passer, mit einer guten Fußarbeit, so seine Fürsprecher, von denen es sehr viele gibt. Kritiker mäkeln, er habe durchaus auch Probleme mit der Genauigkeit, vor allem unter Druck, außerdem sei er zu klein. 1,88 Meter misst Grier. Da der diesjährige Nummer-eins-Pick Baker Mayfield 1,85 Meter groß ist, kann man das Argument durchaus vernachlässigen.

Das Problem ist ein anderes. Ein charakterliches. Denn Grier wurde im Oktober 2015 mit verbotenen, leistungsfördernden Substanzen erwischt. Ligandrol, ein Mittel zum Muskelaufbau.

Es war die Erklärung, wie sich Grier innerhalb weniger Monate von 78 auf 98 Kilogramm aufplustern konnte. Er verteidigte sich, sagte, er habe nicht gewusst, dass das Mittel verboten sei. Er wurde aus dem Verkehr gezogen, wechselte von Florida nach West Virginia und setzte den Rest 2015 und die komplette Saison 2016 aus.

Charakter-Probleme?

Egal, was für Werte er nach der kommenden Saison vorweisen kann – kommen charakterliche Verfehlungen ins Spiel, zucken die NFL-Teams automatisch zusammen. Mayfield, im Vorfeld als Light-Version von Johnny Manziel betitelt, ist auch da die Ausnahme. Er konnte die Cleveland Browns vom Gegenteil überzeugen.

Aber: Ein paar dumme Tweets als 14-Jähriger hingen Josh Allen am Draft-Tag plötzlich nach, er fiel auf Position sieben. In der sauberen NFL-Welt kommen Sünden, so klein sie auch sein mögen, nicht immer gut an.

Doch Grier hat den Großteil seiner Tweets längst gelöscht. Er konnte sich ja bestens vorbereiten.

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