Den Los Angeles Rams und Head Coach Sean McVay (r.) steht ein Umbruch bevor - Bildquelle: 2019 Getty ImagesDen Los Angeles Rams und Head Coach Sean McVay (r.) steht ein Umbruch bevor © 2019 Getty Images

München - Zum Saisonstart 2018 haben sich die Los Angeles Rams unter dem aufstrebenden Head Coach Sean McVay einen Kader aufgebaut, der die NFL das Fürchten lehren sollte. Das Projekt trug den ambitionierten Namen "Win Now".

Aqib Talib, Marcus Peters, Ndamukong Suh und Brandin Cooks wurden verpflichtet, der Vertrag eines gewissen Todd Gurley langfristig verlängert und mit Aaron Donald sowie dem jungen Quarterback Jared Goff meinte die Franchise, den ganz großen Wurf landen zu können.

Und sie hatte fast Recht. Fast.

Nach einem furiosen 8-0-Saisonstart und einem 54:51-Ausrufezeichen gegen die Kansas City Chiefs schaffte es das Team von McVay tatsächlich in den Super Bowl gegen die New England Patriots.

Das unspektakuläre Spiel ging bekanntermaßen verloren und von dem Jared Goff, der den späteren MVP Patrick Mahomes, in Woche 11 noch mit einer überragenden Leistung in den Schatten stellen konnte, waren keine Highlights mehr zu sehen. Dem jungen Quarterback schien die Bühne zu groß, außerdem fiel Running Back Gurley über weite Teile des Spiels verletzt aus.

Los Angeles Rams: Super Bowl gegen die Patriots als Anfang vom Ende

Einen Super Bowl gegen Tom Brady und die New England Patriots zu verlieren ist sicher keine Schande. Trotzdem warf das Spiel Fragen auf, die sich über die komplette Spielzeit 2019 halten sollten. Ist Todd Gurley als Running Back nach vier Jahren in der Liga schon zu verletzungsanfällig? Ist Jared Goff nicht gut genug für die ganze große Quarterback-Liga? Und steht der "Win Now"-Kader somit auf wackligem Fundament?

Diese Fragen wurden in den letzten Tagen von der Franchise selbst beantwortet. Die Antwort lautet "Ja".

Mit Gurley wurde am Donnerstag ein Spieler entlassen, der zwar 2017 zum Offensive Player of the Year gewählt wurde und auch 2019 starke Zahlen ablieferte, aber (Noch-)Franchise-Quarterback Jared Goff aufgrund seines unsicheren Knies nicht die Entlastung geben konnte, die der 25-Jährige benötigt. "Verdammt, ich wurde an meinem freien Tag entlassen. #QuaratineAndChill", so der ehemalige Rams-Star immerhin humorvoll auf Twitter. 

"Wir sind nicht so mit dem Ball gerannt, wie wir das hätten tun können", so General Manager Les Snead im Dezember. "Was das betrifft, wollen wir definitiv wieder effizienter werden." Immerhin: In der Free Agency tummelt sich noch der ein oder andere Running Back, mit dem er sein Vorhaben umsetzen könnte. 

Außerdem hat sich die Franchise von Clay Matthews getrennt. Der ehemalige Pass-Rusher der Green Bay Packers war nur ein Jahr in der Stadt der Engel, auch er galt vor der vergangenen Saison noch als "Win Now"-Verpflichtung.

Snead tritt also gewaltig auf die Bremse eines Projekts, dass der kalifornischen Metropole schnellstmöglich einen NFL-Titel bescheren sollte. Die nächste Frage, die sich stellt ist allerdings: Wie geht es weiter?

Los Angeles Rams: Draft-Ressourcen sind Mangelware

Während der vergangenen Saison sicherten sich die Rams in einem letzten Versuch, irgendwie die Playoffs zu erreichen Cornerback Jalen Ramsey via Trade von den Jacksonville Jaguars. Dafür gab Snead jeweils den Erstrundenpick der Drafts 2020 und 2021 her.

Insgesamt stehen den Rams 2020 sechs Draft-Picks zur Verfügung, darunter ein Zweitrundenpick und zwei Drittrundenpicks. 2021 sieht es mit lediglich fünf Picks noch düsterer aus. Ein Umbruch durch Draft-Picks, wie ihn beispielsweise die Miami Dolphins anstreben, gestaltet sich also schwierig - und ist in der Regel äußerst zeitaufwendig.

Angeblich wurde vor Gurleys Entlassung über Trades verhandelt. Die Atlanta Falcons, die letztlich auf dem Free-Agent-Markt zuschlugen, sollen interessiert gewesen sein. Ist es der Plan, einen kompletten Umbruch anzustreben und die wertvollsten Spieler für ein paar Draft-Picks zu verscherbeln? Nach Sneads bisheriger Vorgehensweise ist das kaum denkbar. Den letzten Umbruch leitete er schließlich erst 2016 mit dem Umzug nach L.A. ein. 

Los Angeles Rams: Die goldene Mitte muss gefunden werden

Stattdessen muss die Mitte zwischen "Win Now" und Total-Abriss gefunden werden. Der Kader ist durchaus im Stande, um die Playoffs mitzuspielen. Mit Aaron Donald, Jalen Ramsey, Cooper Kupp, Brandin Cooks und Co. ist genug Talent vorhanden. Auch der viel kritisierte Jared Goff hat gezeigt, dass er das McVay-System bis in den Super Bowl tragen kann. 

So enttäuschend die Saison mit dem Verpassen der Postseason auch war: Mit einer Bilanz von 9-7 hat nur ein Sieg zu den Minnesota Vikings gefehlt. 

Snead und McVay werden das Roster nun mit gezielten und wohl überlegten Verstärkungen in der Breite füttern müssen. Dass Schnellschüsse und reine Star-Power nicht langen, hat der Ramsey-Trade gezeigt. Wie sie das angehen wollen, bleibt abzuwarten.

Tim Althoff

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